Der "Boder", eines der letzten Trebgaster Originale, wird heute 80 Jahre alt. Kein Grund für Helmut Mühlbauer, sich nach 66 Berufsjahren gemütlich in einen Sessel zu setzen und sich feiern zu lassen. Im Gegenteil: Für ihn ist es ein ganz normaler Arbeitstag.
Wie in den letzten 60 Jahren auch, seit das von seinem Vater Adolf 1948 ein paar Meter entfernt gegründete Friseurgeschäft an den jetzigen Standort umsiedelte, sitzt er heute ab sieben Uhr morgens in seinem weißen Arbeitskittel auf seinem Hocker am Fenster seines Salons in der Bayreuther Straße und wartet auf den ersten Kunden.
Wie lange er das noch machen will? "Die zwei Berufsmäntel, die mir meine Frau zum 74. geschenkt hat, sind noch nicht aufgearbeitet", antwortet er prompt. "Wenn es geht, möchte ich nächstes Jahr schon noch das 70-jährige Bestehen des Friseursalons Mühlbauer feiern", setzt er sich noch ein Ziel.


Das Wort Urlaub kennt er nicht

Wäre auch schade, wenn er schließen würde, denn das Geschäft ist nach wie vor einer der wichtigsten Kommunikationsorte im Dorf, ein Umschlagplatz für den Austausch der neuesten Nachrichten und Gerüchte. Das Wort "Urlaub" gibt es in seinem Sprachgebrauch sowieso nicht.
Was hat sich in all den Jahren geändert? "Früher wurde am Samstag von früh bis abends nur rasiert", erinnert er sich. Und: "Die Frisuren wechseln natürlich. Aber es kommt immer alles wieder." Aber nicht nur Haareschneiden gehört zu seinem Job. "Da kommt auch schon mal jemand, dem ich eine Zecke entfernen muss. Oder einer mit einem Korb voller Pilze, die ich auf ihre Verzehrtauglichkeit prüfen soll."
Mit 65 Jahren hat ihn auch noch das Computer-Zeitalter eingeholt. Schuld daran war die Lotterieannahme, die er seit 42 Jahren mit betreibt. "Anfangs musste ich die Spielscheine freitags nach Arbeitsschluss um 18 Uhr nach Bayreuth fahren, damit die am Samstag in München waren. Heute berühre ich den Touchscreen und der Schein ist in München registriert." Dazu war eine umfangreiche Einweisung notwendig.
Auch seine Frau Renate hat die Ausbildung zur "Lottofachkraft" absolviert. Sonst dürfte sie den Computer nicht bedienen, wenn jemand nach 15 Uhr seinen Tippschein abgibt. "Viele wundern sich, dass mein Mann dann meistens nicht mehr da ist. Aber da hat er bereits einen Acht-Stunden-Arbeitstag hinter sich und sich sein Feierabendbier verdient", hat Renate Mühlbauer Verständnis dafür. Der tägliche Dämmerschoppen, das ist eines der Rituale, die der Jubilar seit jeher zelebriert.
In jüngeren Jahren war Helmut Mühlbauer ein Tausendsassa. Im ganzen Landkreis bekannt und gefürchtet war er als "Ausputzer" der damaligen Trebgaster Fußballelf. Legendär der Slogan seiner Fans: "Wir brauchen keinen Beckenbauer, wir haben einen Mühlbauer."
Als Schauspieler hat er 1962 auf der Naturbühne debütiert. In Shakespeares "Othello" übernahm er sogar eine Doppelrolle.
Eine andere Leidenschaft, die Jagd, hat er nach 45-jähriger Ausübung 2012 aufgegeben.