"Pflanzenschnitt ist keine hochkomplizierte Geheimwissenschaft", sagt die Landschaftsgärtnerin und -planerin Brigitte Müller aus Burggaillenreuth. Wenn sie Gartenbesitzern zeigt, wie man die Pflanzen im eigenen Garten richtig zurückschneidet, erklärt sie zuerst, dass jede Pflanze ein Lebewesen mit eigener Schönheit und ein unverwechselbares Individuum ist. "Schnittmaßnahmen sind notwendig, um deren Leben zu verlängern, und damit sie blütenreich wachsen, mit vielen Früchten, schönem Holz und gutem Wuchs", ergänzt Brigitte Müller.

Ihre zweite Leidenschaft ist das Malen. Für ihre Kunden hat sie einen neuen Kalender mit zwölf Bildern zusammengestellt. Auf vielfachen Wunsch hat sie ihre Tipps für einen richtigen Pflanzenschnitt auf den Rückseiten der Kalenderblätter beschrieben.

"Man muss wissen, wie zum Beispiel ein Baum reagiert. Und entsprechend schneidet man ihn", erklärt die Landschaftsgärtnerin. Eine Pflanze habe so viel Wurzelmasse, wie sie benötigt, ihre Blätter mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Eine geschnittene Pflanze versuche, die fehlende Blattmasse auszugleichen, und werde daher umso stärker wieder austreiben. "Im Gegenzug bedeutet das, dass eine Pflanze, die durchs Ausgraben Wurzeln verliert, auch zurückgeschnitten werden sollte", ergänzt Müller und ärgert sich darüber, dass in Wannbach während der Vogelbrutzeit Bäume einfach gekappt wurden und diese jetzt "fürchterlich ausschauen".

Nur so viel wie nötig

In ihrem Kalender zählt sie auf, dass Gartenbesitzer mit einem scharfen Schneidewerkzeug so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig schneiden sollen. Dabei sollten die natürliche Wuchsform beachtet und Totholz und kranke Pflanzenteile entfernt werden. Das gelte auch für nach innen wachsende Triebe und sich berührende. "Nicht außen herum schnippeln, sondern von innen heraus und nie mitten im Ast schneiden", erklärt die Landschaftsplanerin und sagt, dass darauf geachtet werden sollte, dass man die Wunden der Pflanze möglichst klein hält. Besonders pflanzenschonend ist ihren Angaben zufolge der Schnitt zwischen April und August. "Die Vegetation läuft jetzt auf Hochtour. Daher funktioniert jetzt auch die Wundabschottung am besten", erläutert Müller. Von November bis Ende Januar könnten Pflanzen auf Verletzungen nicht oder nur sehr langsam reagieren.

Die meisten Sorten der Steinobstbäume könnten bei einem Winterschnitt die Wunden nicht verschließen. Dadurch könnten sie dauerhaft geschädigt werden. Stauden sollten in den ersten warmen Märztagen geschnitten werden, und Rosen, wenn die Forsythien blühen. "Übrigens, Forsythien geben Schmetterlingen keine Nahrung", erklärt die Landschaftsgärtnerin.

Im Kalender hat sie noch ganz viele weitere Tipps aufgelistet. Zum Beispiel, dass man Bäume nicht einfach stutzen darf. Und sie ist auch gegen den sogenannten "Hausmeisterschnitt", bei dem Gehölze einfach irgendwie in Form geschnitten werden.

Verschiedene Ansprüche

Sie geht im Kalender auf die besonderen Ansprüche verschiedener Obstsorten ein. "Wenn beim Apfelbaum der jährliche Triebzuwachs deutlich über 50 Zentimeter liegt, kann das Wachstum beruhigt werden, wenn ein paar Jahre lang überwiegend im Sommer geschnitten wird", sagt Müller.

Es geht auch um den Schnitt von Kletterpflanzen oder Ziersträuchern. "Was viele nicht wissen ist, dass der Schmetterlingsflieder in allen Pflanzenteilen für Mensch und Tier leicht giftig ist. Diese Giftstoffe machen Schmetterlinge geradezu süchtig", erzählt die Landschaftsgärtnerin, die im eigenen Garten auch ein wenig herumexperimentiert. Ein Bild ihres Gartens und des Gartenhäuschens ist auch im Kalender zu finden.