Bernhard Panzer Das erste Jahrzehnt war geschafft, das Freizeitbad Atlantis erfreute sich, allen Unkenrufen zum Trotz, einer stetig steigenden Beliebtheit. Dazu trugen freilich auch die Attraktionen bei, die nach und nach geschaffen wurden. Dem Ausschwimmbecken als erstem Besuchermagnet folgten die Saunen, die zum Erfolgsmodell wurden.

So konnte sich das Atlantis gut vorbereitet auf den Sprung ins neue Jahrtausend begeben und dort auch schnell Fuß fassen. "Das Atlantis boomt weiter", titelte der FT im Dezember 2004. Zeitgleich hatte die Atlantis-Schwester in der Tuchmachergasse, das alt-ehrwürdige Freibad aus dem Jahr 1937, große Sorgen: "Das Freibad muss Farbe bekennen", schrieb der FT im September 2004. Ein Färbeversuch hatte in dem sanierten Bad Fehler aufgedeckt, die eine Betriebsgenehmigung in Frage stellten.

Doch von solchen Problemen blieb das Atlantis verschont. Nach der Sauna machten sich die Verantwortlichen Anfang des neuen Jahrtausends schon an die nächsten Errungenschaften. Große Wasserrutschen sollten die Besucher weiterhin ins Scharen strömen lassen.

Am 11. Februar 2000 wurde Richtfest an der ersten von bis heute insgesamt drei Superrutschen gefeiert - das "Crazy River" entstand. Dabei handelt es sich um eine 126 Meter lange Wildwasserrutsche, die aus acht Metern in die Tiefe führt und mit Reifen oder Zweiersitzbobs befahren werden kann. 2003 folgte bereits das "Black Hole". Die Anschlüsse für diesen zweiten Streich waren mit der ersten Rutsche bereits gelegt. Insgesamt zwei Millionen DM wurden investiert.

Bereits im April konnte die Wildwasserrutsche "Crazy River" in Betrieb genommen werden. Allerdings geschah das etwas leiser als geplant, da die Feier überschattet wurde vom Tod des früheren Bürgermeisters Hans Ort.

Mit der Rutsche wurden gezielt die jungen Leute ab zwölf Jahren angesprochen. Denn vor allem bei dieser Altersklasse wurde ein Besucherrückgang verzeichnet. Man orientierte sich da auch an anderen Anlagen, wie zum Beispiel in München: "Mit Wasserrutschen auf der Erfolgswelle" lautete eine Schlagzeile über einen sprunghaften Anstieg der Besucherzahlen im dortigen Westbad.

Schon bald folgte die zweite Rutsche. Das "Black Hole" ging am 1. August 2003 in Betrieb. Genauso begeistert wie die ersten Rutschenden war Bürgermeister Hans Lang, der das "Rutschabenteuer der besonderen Art" mit folgenden Worten anpries: "Schneller als der Schall durchs Universum". Lang schwärmte damals im FT über die 110 Meter lange Rutsche, die er wie folgt beschrieb: "Der Rutschende bekommt den Eindruck, durch das Universum zu jagen. Mit Lichtbändern, sogenannten Running Lights, und Lichtwalzen wird ihm die tolle Illusion vermittelt, praktisch mit Überschallgeschwindigkeit durch einen unendlichen Raum zu sausen. Bis er dann, durch die vielen Links- und Rechtskurven

in der Dunkelheit um seine Orientierung gebracht, sanft im Landebecken ankommt".

Weitere 13 Jahre dauerte es, bis die dritte Rutsche das mannigfaltige Vergnügen perfekt machte. Und es wurde noch aufregender und abenteuerlicher. "Und plötzlich geht's bergab", schrieb der FT im Dezember 2016, als die neue Hochgeschwindigkeitsrutsche "Turbo Rocket" ihren Betrieb aufnahm. Schon die Beschreibung im Untertitel verhieß Abenteuer pur: "Mit Raketenstart und viel Adrenalin geht es in die Röhre und dann zwölf Meter fast senkrecht nach unten."

Keine Frage, dass die Offiziellen auch hier geradezu ins Schwärmen gerieten. Bäderchef Patrick Geiger pries "höchstes Vergnügen im freien Fall und engen Kurven" an und bezeichnete es bei der Eröffnung als "genau das Ding für den ultimativen Kick adrenalinhungriger Besucher."

Diesen Kick suchte übrigens auch Bürgermeister German Hacker (SPD), und das am ersten Tag gleich zweimal. Er traf mit einem einzigen Wort das auf den Punkt, was Geiger zuvor beschrieben hatte: "Wahnsinn!"