Ich kann nicht viel über den Mann sagen, von dem hier die Rede ist. Aber mein Informant dafür umso mehr. Nach seiner Schilderung soll er Lichtenfelser und relativ solide gewesen sein, ein exzellenter Bausparer, in behördlicher Festanstellung. Zudem habe er jederzeit eine Tasse Tee einer Tasse Kaffee vorgezogen. Auch habe er nie zu sowas wie Verschwörungstheorien geneigt, und die einzige, auf die er sich eingelassen habe, war die, wonach Kennedy von Oswald erschossen wurde. Aus zwei Winkeln gleichzeitig. Aber es kommt noch schlimmer, denn der Mann soll außerdem einen Hang zur Nüchternheit gehabt haben.

Was mir mein Informant aber dann über sein Schicksal so erzählte, mochte ich nicht glauben. Dieser Mann entschloss sich also frühzeitig zur Ehe, weil er sich schon recht bald nach den ersten Pickeln sicher war, dass es sich dabei um eine seröse Veranstaltung handeln könnte. Zudem waren auch seine Eltern verheiratet und das fiel ihm immer irgendwie angenehm auf. Nun gibt es Männer, die zur Ehe nicht taugen, und es gibt Männer, nach denen sich Frauen durchaus zu Recht umsehen. Außerdem gibt es noch Männer, die zur Ehe taugen, aber Frauen nicht weiter auffallen. Unser Mann gehörte zur zweiten Kategorie und war ein empathischer Mensch. Und wie er so seine Freundin zum Altar führte, da passierte ein, zwei Jahre lang erst einmal nix. Dann aber habe etwas eingesetzt, was neuerdings auch in der Wissenschaft mehr und mehr Beachtung findet. Vor allem in Amerika. Irgendwann ist es nämlich so, dass sich Ehepaare zu gleichen beginnen. Spätestens zur Silberhochzeit würden sich manche Eheleute so sehr ähneln, dass sie von Unbekannten einander glatt zugeordnet werden könnten. Auch der Lichtenfelser und seine Frau färbten im Laufe der Zeit im Denken, im Fühlen und sogar in Bezug auf die Gesundheit aufeinander ab. Denn im dritten Jahr habe der Mann, immer dann, wenn seine Frau regelmäßige monatliche Beschwerden bekam, auch so eigene Beschwerden bekommen, wenngleich in entgegengesetzter Richtung und mehr so im Kopf. Es habe sich immer ein Kopfweh gemeldet, welches nach wenigen Tagen verklungen sei. So nach dem Motto "mitgefangen - mitgehangen". So ging das wohl jahrein, jahraus. Dann, nach ungefähr 25 Jahren, hätte alles ein wenig nachgelassen. Bei der Frau. Bei dem Mann soll eher eine Art Manifestation stattgefunden haben, eine Form der Programmierung, die sein Körper turnusgerecht beibehielt.

Das ist die Geschichte, wie ich sie gehört habe. Der leidtragende Ehemann soll ein wirklich solider Mensch gewesen sein. Aber mein Informant war halt recht besoffen, als er mir diese Story erzählte.