"Das Wandern ist des Müllers Lust", so beginnt eines der beliebtesten deutschen Volkslieder. Auch auf dem Trebgaster Weg, einem ausgeschilderten Wanderweg zwischen Tennach und Trebgast, haben es Naturliebhaber bestimmt schon angestimmt. Doch seit geraumer Zeit vergeht den Wanderfreunden unterhalb des Ködnitzers Ortsteils Pinsenhof das Singen. Der Weg wurde in einem Privatwald mit meterlangen Baumstämmen versperrt. Einige Meter weiter in Richtung Tierheim trennt ein metertiefer Graben die Trasse, wohl, um das Oberflächenwasser abzuleiten.

Ein Passieren dieses Teilstückes ist nahezu unmöglich. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats hatte Michael Heisinger (Rangen) auf diesen Missstand hingewiesen. Bei Hans Werther, dem Vorsitzenden des Kulmbacher Frankenwaldvereins, meldete sich dieser Tagen der Hauptverein aus Naila, weil sich ein Wanderer per Whatsapp über die offensichtlich willkürlichen Blockaden und die falsche Ausschilderung beschwert hatte.

Einst ein Kirchenweg

Waldbesitzer Reinhard Heisinger vom benachbarten Weiler Reisighof, Hans Werther und Wegewart Manfred Held erkundeten daraufhin die Lage. Die Vertreter des Frankenwaldvereins staunten nicht schlecht, mit welchen Hindernissen der Wanderweg unpassierbar gemacht wurde. "Der Weg ist Jahrzehnte alt, wenn nicht noch älter weil er ja ursprünglich ein Kirchenweg war", stellte Hans Werther fest. Reinhard Heisinger fügte hinzu: "Das kann ich nur bestätigen, weil wir als Kinder mit unseren Eltern in die Kirche und später in die Schule nach Trebgast gelaufen sind, jeden Tag zwei Kilometer runter und zwei Kilometer rauf, und das bei jedem Wind und Wetter."

Zur rechtlichen Situation verwies Hans Werther auf die Bayerische Verfassung, die in Artikel 141 den "freien Zugang zu Naturschönheiten" garantiert. Daraus zitierte der Vorsitzende: "Der Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur, insbesondere das Betreten von Wald und Bergweide, das Befahren der Gewässer und die Aneignung wildwachsender Waldfrüchte in ortsüblichem Umfang ist jedermann gestattet. Dabei ist jedermann verpflichtet, mit Natur und Landschaft pfleglich umzugehen." Weiter sind Staat und Gemeinde berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten sowie Wanderwege und Erholungsparks anzulegen. Auch im Bayerischen Naturschutzgesetz ist Werther zufolge geregelt, dass Eigentümer das Betreten des Waldes und der freien Landschaft durch Wanderer dulden müssen. Dies gelte auch für die Markierungszeichen.

Für Hans Werther und seine Wanderfreunde vom Frankenwaldverein ist damit klar, dass hier die Gemeinde Ködnitz im Benehmen mit der Verwaltungsgemeinschaft Trebgast und der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt tätig werden muss, damit der Trebgaster Weg bald wieder ungehindert begehbar ist.

Ortstermin schon 2017

Reinhard Heisinger erinnerte noch an einen Ortstermin im Jahr 2017 an gleicher Stelle, an dem auch Vertreter der Gemeinde Ködnitz, des Landratsamts und des Forstamts teilgenommen hätten. "Wir hatten damals schon festgestellt, dass der Wassergraben, der von der Kreisstraße herunterführt, verändert werden muss. Wir sind damals so verblieben, dass die Gemeinde die Rohre liefert und der Eigentümer den Weg wieder begehbar und befahrbar macht. Das Ende vom Lied war, dass die Rohre zwei Jahre da lagen und dann irgendwo anders eingebaut wurden."

Was Reinhard Heisinger besonders stört: "Es dreht sich alles im Kreis. Einer schiebt die Verantwortung auf den anderen, sogar das Wasserwirtschaftsamt war eingebunden, und keiner traut sich scheinbar, richtig etwas zu unternehmen."

Was Hans Werther weiter anprangerte: Am Wanderweg ist ein Schild "Privatweg. Betreten verboten!" aufgestellt. "Das geht nicht. Noch dreister ist aber, dass jemand unsere Wanderzeichen am Steilstück des Wanderwegs abgemacht und an einem anderen Weg einfach hineinmarkiert hat, der dann im Nirwana endet. Wanderer, die nicht ortskundig sind, werden da natürlich in die Irre geführt."