Friesen — Im Jahr 1971 wurde das Langhaus oder Kirchenschiff samt Umfassungsmauer der alten Friesener Kirche abgerissen. "Zu klein und für moderne Gottesdienstgestaltung nicht geeignet" - das waren damals die Gründe für den Abriss. Von der alten Bausubstanz der Kirche ist nur der wuchtige Turm erhalten geblieben. Als man an diesem 1972 eine Sanierung vornehmen musste, stieß man auf umfangreiche Fresken an den Innenwänden. Nachdem der letzte Kalkstaub von den aufleuchtenden Farben geblasen war, kam eine Bildererzählung ans Tageslicht, in der wohl vor rund 600 Jahren ein Meister seinen Zeitgenossen die Taten und das Geschick ihres Kirchenpatrons St. Georg vor Augen geführt hat.

Für alle Beteiligten war dies damals eine große Überraschung. Allerdings war diese Entdeckung bereits 1923 beim damaligen Um- und Erweiterungsbau gemacht worden. Dies geht aus den Akten des Landesamtes für Denkmalpflege hervor, wonach der Kronacher Stadtbaurat Werner bereits auf die Fresken hingewiesen hatte. Werner hatte das Landesamt um rasche Inaugenscheinnahme gebeten, denn er hatte nur wenige Tage Aufschub erreicht.

Doch "wegen ungewöhnlich starkem Geschäftsandrang" konnte die Münchner Behörde nicht kommen und bat lediglich um Fotos. Die Malereien wurden dann übertüncht. Bei der Wiederentdeckung 1972 handelte das Landesamt für Denkmalpflege jedoch schnell. Mit Zustimmung der katholischen Kirchenstiftung Friesen und der Erzbischöflichen Finanzkammer gab man die Freilegung bei der Firma Wiedl, Nürnberg in Auftrag. 16 Farbaufträge waren in geduldiger Kleinarbeit zu entfernen, bis im Frühjahr 1977 die umfangreichsten und bedeutendsten Fresken Oberfrankens auf nahezu 100 Quadratmeter freigelegt waren.

Ein Sieg in 18 Bildern

In 18 Bildern sind der Sieg über den Drachen und das Martyrium des Hl. Georg über einer Sockelzone mit rotbraunem Vorhang und einem Gesimsstreifen auf der Nord,- Ost- und Südwand dargestellt. Sie teilen sich auf zwölf kleinere Bilder in der oberen und sechs größere in der unteren Reihe auf. Die Rahmung der Bilder in der fensterlosen Oberzone ist besonders auffallend. Alle zwölf Darstellungen schließen mit gotischen Spitzgiebeln (Wimpergen) ab, charakteristisch für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Außer dem Zyklus des Kirchpatrons wurde am Chorbogen noch die Darstellung eines Jüngsten Gerichtes freigelegt, dessen Erhaltungszustand weniger gut ist. Besser erkennbar hingegen ist der an eine Säule gefesselte Teufel vor dem Höllentor.

Das Landesamt für Denkmalpflege errechnete aus verschiedenen Indizien als Entstehungsjahr etwa 1490. Wenn auch ungesichert, kann doch angenommen werden, dass sie aus der Werkstatt von Hans Maler von Kronach stammen.

Bei den Friesener Fresken handelt es sich um Secco-Fresken. Das bedeutet, dass diese nicht auf den noch feuchten Putz gemalt wurden, sondern dass auf dem trockenen Putz erst zu einem späteren Zeitpunkte eine Kalkschlemme aufgetragen und dann hierauf gemalt wurde. Bei den Fresken könnte es sich um ein Jugendwerk von Cranach handeln. Warum übertüncht? Vielleicht weil bekannt wurde, dass Cranach ein Freund Luthers geworden und Pate bei dessen ersten Sohn war?

Schlichter Neubau

Der Neubau des Gotteshauses wurde bewusst in einer schlichten Form gehalten und mit einfachsten Materialien - Beton, Holz, Sandstein und Glas - ausgeführt. Durch diese Einfachheit soll zum Ausdruck kommen, dass nicht das Gebäude die eigentliche Kirche ist, sondern die darin versammelte Gemeinde. Zur Kirchenausstattung zählt unter anderem ein von Lorenz Kaim für das Friesener Gotteshaus geschaffenes Bild, das den Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen zeigt. Es hängt rechts vom Altar. Mit dem Rundbogen - links neben dem Altar - wird die Heilsgeschichte dargestellt. Aus weißgrauem Main-Sandstein wurden Altar, Ambo, Gaben- und Ablagensteine gestaltet. Die Stellen, an denen die Kirche gesalbt ist, sind mit Symbolen der Apostel an den Kirchenwänden geschmückt. Beim Eingang zum Turm steht außen die biblische Szene der Verurteilung der Sünderin durch die Pharisäer und ihre Rettung durch den Herrn.

Geweiht ist die Kirche dem heiligen St. Georg. Seinen Kirchenpatron feiert Friesen alle Jahre am Sonntag um den 23. April. Der hl. Georg war ein Märtyrer, der zu Beginn der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (284-305) gestorben sein soll. Besondere Verbreitung hat die Drachentöter-Legende Georgs gefunden. Er zählt zu den 14 Nothelfern und ist der Schutzpatron verschiedener Länder, (Adels-)Familien, Städte und Ritterorden.