Höchstadt — In Oeiras, wo die beiden Wissenschaftler Anfang Mai 1819 ankamen, ließen sie wie schon des Öfteren auf ihrer Reise den Kranken ihre medizinischen Kenntnisse und ärztlichen Fähigkeiten zugutekommen. Wenige Tage später sollten sie jedoch selbst zu Patienten werden. Die Gesundheit der beiden Reisenden war längst angeschlagen - seit kurzem wurden sie täglich von leichten Fieberanfällen heimgesucht, bereiteten sich aber dennoch auf die Weiterreise vor. Spix und Martius hatten sich wahrscheinlich mit verschiedenen Tropenkrankheiten infiziert.


Fieber und Bleivergiftung

Wenige Tage nach der Abreise aus Oeiras erlitt Martius einen so heftigen Fieberschub, dass er sich kaum auf dem Pferd halten konnte und sich zwischendurch flach auf den Boden legen musste. Ein Diener, der das gleiche Leiden hatte, starb nach nur vier Tagen. Martius kämpfte noch immer mit dem Fieber, als auch Spix schwer erkrankte. Schmerzhafte, entzündete Beulen bedeckten den Körper des Zoologen.
Die beiden stark geschwächten Forscher reisten von nun an auf Tragen weiter, die von Sklaven getragen wurden. Ein lokaler Kommandant kümmerte sich um sie. Spix gab er eine Salbe, die sein Leiden lindern sollte. Als Spix jedoch am nächsten Tag im Sterben lag, diagnostizierte Martius bei ihm eine Bleivergiftung vom übermäßigen Gebrauch der Bleisalbe.
Er badete seinen Gefährten in pulverisiertem Schwefel und Opiumtinktur. Es gelang ihm zwar, Spix am Leben zu halten, da aber das Unheil noch nicht gebannt war, ließ sich Martius auf sein Pferd heben, um in der nächsten Ortschaft Hilfe zu holen. In der Dunkelheit verirrte er sich zunächst im Wald, traf aber zum Glück einen Mann, der ihm den Weg nach Chachias wies. Ein Richter nahm Martius, der vor dessen Füßen ohnmächtig zusammenbrach, bei sich auf und ließ auch Spix zu sich holen.
In Chachias gab es einen Arzt, der die beiden schließlich gesund pflegte. Dass Spix und Martius zur gleichen Zeit so schwer erkrankten, mag auch am Wechsel von den Trockengebieten ins feuchte Klima des Amazonasgebietes gelegen haben. Nachdem das Schlimmste überwunden war, setzten Spix und Martius ihre Reise auf einer Barke fort.
Auf dem Schiff konnten sie sich 13 Tage lang erholen. Da sie von hier aus in der Ufervegetation Tiere wie Zigeunerhühner und Leguane beobachten konnten, wurde es ihnen nicht langweilig. Endgültig zu Kräften kamen sie jedoch erst in São Luíz, wo sie von einem sehr gastfreundlichen Engländer aufgenommen wurden.
Doch wie Spix selbst schreibt, war es auch die Vorfreude auf den bevorstehenden Teil der Reise, die ihre Lebensgeister wiedererweckte, denn in São Luíz erreichte die beiden ein Schreiben mit der Erlaubnis, das Amazonasgebiet zu bereisen: "Nun stand uns jene reichste und wundervollste Natur offen, welche sich unter den Segnungen des Äquators ausbreitet; und da wir während der ganzen Reise von allen Wünschen der Seele uns dorthin getrieben fühlten, so war es, als gäbe uns die erhaltene Erlaubniss jede verlorene Kraft des Körpers zurück, um jenes Land der letzten Verheißung erfolgreich zu besuchen."