Thomas Weichert

In Syrien tobt ein Bürgerkrieg und Millionen Menschen sind auf der Flucht; viele davon inzwischen auch in Deutschland in Sicherheit. Umso aktueller ist daher die im Wallfahrtsmuseum Gößweinstein eröffnete Sonderausstellung unter dem Titel "Syrien - Christliche Orte und Sakralbauten". Die Sonderschau, zu deren Eröffnung 65 Besucher gezählt wurden, ist bis 25. September im Untergeschoss zu sehen.
Gezeigt werden vor allem Fotos des Fotografen und Kunsthistorikers Alexander Nadler von christlichen Orten und Sakralbauten in Syrien die er zusammen mit seiner aus Syrien stammenden Frau Rajaa Nadler als Reiseleiter besucht hatte. Die promovierte Wissenschaftlerin Raaja Nadler, die das Jüdische Museum in Ermreuth leitet, begleitete die Sonderausstellung mit zwei ebenfalls gut besuchten Vorträgen im Gößweinsteiner Pfarrzentrum. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie über ihr Heimatland spricht. Syrien gelte als "Wiege des Christentums". Seit fünf Jahren erleide dieses Land im vorderen Orient aber ein Martyrium als Spielball lebensfeindlicher Mächte, erklärte Museumsleiterin Regina Urban.
Auf Anregung aus dem Kreis der Museumsfreunde habe man sich heuer bei den Veranstaltungen des Wallfahrtsmuseums dem Thema Syrien gewidmet, um etwas von diesem Land zu berichten.
Die Ausstellung wolle die Aufmerksamkeit auf die vitalen Werte und Qualitäten lenken, die dieses Land ausmachten. Im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" sei diese Ausstellung "der Empathie und Würde aller Menschen" gewidmet.


Hinter die Kulissen blicken

In der Ausstellung schaue man hinter das initiierte Spektakel auf die Personen und ihre Lebenskräfte. Nur so könne man die Menschenwürde und die Menschenrechte des Anderen und auch die eigenen achten. Der Besucher erfährt in der Ausstellung, dass Syrien erstmals 64 vor Christus als römische Provinz Syria eine politische Einheit wurde.


Fruchtbare Gegend

193 bis 194 nach Christus wurde ein Teil dieses Gebietes als Provinz Palästina eingerichtet. Syrien gehört maßgeblich zu dem so genannten "Fruchtbaren Halbmond", eine Region Vorderasiens, die mit den Flüssen Euphrat und Tigris gesegnet sei. Die Weidegründe und Anbaugebiete dieser großen Flüsse seien die Grundlage für die Hochkulturen, aber auch Anlass für viele Kämpfe. Siedlungsspuren in Syrien reichten bis zum Jahr 8500 vor Christus zurück. Die ältesten archäologischen Funde in Syrien seien eine Million Jahre alt. Der Ausstellungsbesucher erfährt, das Syrien die geopolitische und wirtschaftliche Schnittstelle der Kulturen aus Ost und West war. So gelten Städte wie Damaskus und Aleppo unweit der heutigen türkischen Grenze als Scheidepunkt der alten Handelsstraßen für Seide und Weihrauch und als die ältesten ständig besiedelten Städte weltweit.


Wiege der ersten Keilschrift

Im syrischen Ugarit entwickelten Händler im 14 Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung aus der Keilschrift das erste Alphabet, lange vor den phönizischen und europäischen Alphabeten. Auf syrischem Boden befruchteten sich verschiedenste religiösen Kulte. Der Apostel Paulus fand bereits um das Jahr 31 in Damaskus eine Christengemeinde vor. Die Bezeichnung "Christen" soll um 42/43 nach Christus erstmals in Antiochia, das damals die Hauptstadt der römischen Provinz Syria war, aufgetaucht sein.


Architektur ist syrisch beeinflusst

Und in Dura Europos, einer alten Römerfestung am Euphrat, wurde die älteste christliche Hauskirche aus dem Jahr 233 nachgewiesen. Auch unsere christliche Architektur habe syrische Wurzeln. Ob Basilika, zentraler Kuppelbau oder Kirchturm, alle diese Hoheitsformen seien in den frühen christlichen Kirchenbauten Syriens vertreten, lange bevor sie in Europa aufgegriffen wurden. Dem in Damaskus geborenem Architekten Apollodorus (65-130) verdanke man laut Urban den einzigartigen Kuppelbau des Pantheons in Rom.
Wandmalereien aus dem dritten Jahrhundert und Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament zeugten davon. Nicht zuletzt hätten Askese und christliche Klostergemeinschaften syrische Vorbilder, worauf die Biografie des Säulenstehers Simeon in der Ausstellung im Wallfahrtsmuseum hinweist.