Kulmbach —  In Zeiten, in denen Paketdienstleister Hochkonjunktur haben, kommt es immer öfter zu irgendwelchen Komplikationen. Im Falle eines 52-jährigen Mannes aus Marktschorgast ist ein hochwertiges Smartphone im Wert von 600 Euro spurlos verschwunden. Auf der Anklagebank fand sich der 31-jährige Paketdienstfahrer aus Plauen wieder, der das Paket ausgeliefert hatte. Ihm wurde vorgeworfen, die Paketsendung unterschlagen zu haben.

Stimmt nicht, sagte der Mann vor Gericht. Er werde zu Unrecht beschuldigt. Er sei an jenem 23. Juli des vergangenen Jahres in Marktschorgast gewesen und habe das Paket ordnungsgemäß ausgeliefert. Die Übergabe erfolgte zwar nicht persönlich, aber online sei ihm die Vollmacht vorgelegen, das Paket an einem bestimmten Ort ablegen zu dürfen. Der Ort war ein Gartentisch auf der von der Straße her nicht einsehbaren Terrasse des Hauses. Damit sei die Sache für ihn erledigt gewesen.

Der 52-jährige Marktschorgaster hatte das Smartphone aber nie bekommen. "Ich war doch den ganzen Tag zu Hause", sagte er. Er habe im Garten gearbeitet. Dort hätte er es doch sehen müssen, wenn jemand ein Paket auf den Tisch legt. Außerdem besitze er zwei nicht gerade kleine Hunde. "Die hätten doch sofort angeschlagen, wenn jemand den Garten betreten hätte", sagte er. Außerdem habe er sich, gleich nachdem er die heute übliche Zustellbestätigung online auf sein (altes) Handy bekommen hatte, auf die Suche gemacht, doch das Paket war einfach nirgends zu finden. Da habe er sich in sein Auto gesetzt und das Paketauto in der Nachbarschaft gesucht. Doch auch das war vergebens, der Fahrer war längst in einer anderen Ortschaft.

Einige Tage später hatte er den Paketausfahrer zur Rede gestellt. Doch der habe nur mit den Achseln gezuckt und auf seinen Chef verwiesen. Er könne ja auch zur Polizei gehen, soll der Angeklagte noch gesagt haben. Ein anderer Nachbar hatte zu der Zeit auch einen Lieferwagen in der Straße gesehen, von dem er glaubte, dass es ein Paketdienst gewesen sein muss. "Der Fahrer hielt eine Minute an und stieg nicht einmal aus", sagte er im Rahmen seiner Zeugenaussage. Ob das der Angeklagte war, konnte nicht geklärt werden.

Fest steht allerdings auch, so der Verteidiger des Kurierfahrers, Rechtsanwalt Udo Freier aus Greiz, dass sich Banden darauf spezialisiert haben, Paketdienstleistern hinterherzufahren. Immer dann, wenn etwas abgelegt wird, greifen sie schnell zu. Ehe es der Betreffende bemerkt, sind sie längst über alle Berge. Rechtsanwalt Freier wusste von aktuellen entsprechenden polizeilichen Ermittlungen in Sachsen und Thüringen. Warum soll das in Bayern nicht auch der Fall sein, so der Verteidiger.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.