Jedes Jahr am letzten Sonntag im September brechen Hunderte von Frauen und Männern, jünger oder älter in den unterfränkischen Wallfahrtsort Dettelbach auf, um ein altes Gelöbnis aus dem Jahre 1639 zu erfüllen. Sechs Jahre zuvor, am 10. März 1633, überfielen die Schweden Höchstadt und zerstörten die Stadt größtenteils. Sechs bis acht Familien sollen überlebt haben.

Nach dem mühsamen Wiederaufbau und nach Überwindung eines existenziellen Schockerlebnisses legten die Höchstadter das Gelübde ab, jedes Jahr zum unterfränkischen Marienwallfahrtsort Dettelbach zu pilgern, um die Stadt vor einer weiteren Zerstörung zu bewahren.

Höchstadt zählte damals zum Bistum Würzburg, was die Wallfahrt zu einem heiligen Ort in unmittelbarer Nähe zur unterfränkischen Metropole erklärt. Tatsächlich blieb Höchstadt seither vor Zerstörungen eines Krieges oder einer Naturkatastrophe verschont. Selbst während des Zweiten Weltkriegs zogen Höchstadter zu Fuß "unter den Tieffliegern" nach Dettelbach, um das Gelöbnis von einst aufrechtzuerhalten, wusste das im vergangenen Jahr verstorbene Höchstadter Urgestein Alfred Wahlrab zu berichten.

Um dieses Gelöbnis auch weiterhin aufrechtzuerhalten, wird es auch heuer am 27. September trotz massiver Einschränkungen durch die Corona-Pandemie eine Gelöbniserfüllung geben. Nach Rücksprache mit den staatlichen und kirchlichen Aufsichtsbehörden wurde die Fußwallfahrergruppe auf 25 Teilnehmer begrenzt.

Die Wallfahrtsleitung um Karola Lorz bedauert dies sehr und bittet alle treuen Fußwallfahrer, die heuer nicht mitpilgern können, um Verständnis für die außerordentliche Situation in diesem Jahr. Die Radwallfahrt wäre mit unerfüllbaren Auflagen versehen gewesen, die den Wallfahrtsleiter Elmar Gerner zu einer Absage nötigten. Auch Busse werden in diesem Jahr nicht fahren.

Kostenlose Einlasskarten nötig

Trotzdem gibt es einen festlichen Wallfahrtsgottesdienst. Hierfür werden nach den Sonntagsgottesdiensten in Höchstadt kostenlose Einlasskarten vergeben. Gut 150 Personen können nach dem Hygieneschutzkonzept der Dettelbacher Wallfahrtsleitung im Gotteshaus Platz nehmen. Weitere 100 Wallfahrer können bei schönem Wetter vor der Kirche auf Stühlen sitzen. Der Gottesdienst wird mit moderner Technik ins Freie übertragen. Auch hierfür braucht es eigene Zugangskarten, die ebenfalls nach den Gottesdiensten in St. Georg oder an der Lourdesgrotte abgeholt werden können. Während am 20. März dieses Jahres, dem Tag des Lockdown, Bürgermeister Gerald Brehm (FW) zusammen mit Stadtpfarrer Kilian Kemmer nach Dettelbach pilgerte, um das Höchstadter Gelöbnis zu Beginn der Pandemie zu erneuern, wird das Stadtoberhaupt am 27. September zusammen mit seinen beiden Stellvertretern Günther Schulz und Axel Rogner das Gelöbnis ergänzen.

Aktuelle Ergänzungen

Neben dem klassischen Text des Gelübdes und dem Gebet zum Schutz vor dem Corona-Virus für die Stadt möchte Höchstadts Bürgermeister die aktuelle Gefährdung vieler Arbeitsplätze bei Höchstadts größtem Arbeitgeber Schaeffler als Gebetsanliegen formulieren.

Auch Stadtpfarrer Kilian Kemmer wird das historische Gelöbnis ergänzen. Bedauerlich findet es der Stadtpfarrer, dass die diesjährige Wallfahrt "als nicht gerade umweltfreundlich" bezeichnet werden kann, da die Pilger mit eigenen Autos nach Dettelbach fahren. Doch die Situation lässt es heuer nicht anders zu.

Auch Höchstadts Stadtkapelle und der Kirchenchor möchten die Wallfahrt mit einer Abordnung begleiten. Ein eigener Kindergottesdienst wird für Familien im Klostergarten angeboten. Doch findet die Wallfahrt in jedem Fall in abgespeckter Version statt. LM