Kronach — Beinahe jeder Schüler hat bereits ein eigenes Smartphone. Ob zu Hause oder unerlaubt in der Schule - überall werden täglich unzählige Nachrichten versendet. Und das nicht nur auf harmlose Art und Weise. So kommt es öfters vor als gedacht, dass über dieses Medium Mitschüler gemobbt werden. Dass mit einem Fingertipp diese Inhalte weiter veröffentlicht werden und für den Betroffenen zum Horror des Schulalltags werden können, wird bei aller Freude über die neue Technik oft vergessen, wie der Weisse Ring, der Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten, bei einem Pressegespräch anlässlich des morgigen Tages der Kriminalitätsopfer deutlich machte.
Um Gefahren im Umgang mit Mobiltelefonen vorzubeugen, gibt es nun seit einem Jahr in den Schulen der drei Landkreise Kronach, Kulmbach und Lichtenfels 73 Schüler, die als Medienscouts ausgebildet wurden.
"Es ist unsere Pflicht Menschen aufzuklären, damit sie nicht zum Opfer werden", erklärt Alfons Hrubesch.Matthias Schneider unterstützt als Lehrer die Medienscouts am Frankenwald-Gymnasium in Kronach: "Wenn wir es schaffen ein Opfer zu verhindern, dann haben wir unsere Aufgabe schon erfüllt." Denn oft sei es bei Kindern so, dass diese noch nicht das Verständnis haben, die Auswirkungen ihrer Handynutzung zu überblicken. So komme es öfters vor, dass vor allem jüngere Schüler Drohungen, die als Kettenbrief oder Sprachnachricht verbreitet werden, ernst nehmen und damit nicht umzugehen wissen: "Eltern geben ihren Kindern ein Medium in die Hand und diese werden damit allein gelassen", fasst Schneider das gesamtgesellschaftliche Problem zusammen und appelliert, dass das Bewusstsein an dieser Stelle noch reifen müsse.
Bei den Problemfeldern, liege der Schwerpunkt vor allem bei WhatsApp. "Wir bieten verschiedene Workshops ab der sechsten Klasse an. Zum Beispiel haben wir Verhaltensregeln für WhatsApp aufgestellt, weil Kinder oft nicht wissen, auf was sie sich einlassen", beschreibt Medienscout Theresa Pietz ihre Arbeit mit den jüngeren Schülern des Frankenwald-Gymnasiums. Die Unterstützung der Schüler findet nicht nur in Workshops statt, auch persönlich besteht die Möglichkeit, sich bei Mobbingfällen helfen zu lassen: "Wir haben hierfür eine E-Mail-Adresse eingerichtet, damit uns die Schüler nicht in der Pausenhalle ansprechen müssen und wieder gemobbt werden."
Auch in der Grundschule gebe es bereits Probleme mit Mobbingfällen, die durch Handynutzung verursacht wurden. "Sobald ein Kind heutzutage lesen und schreiben kann, bekommt es ein Handy", mahnt Alfons Hrubesch vom "Weissen Ring". Hier sei es besonders wichtig, dass Eltern Regeln aufstellen: "Wenn es den Eltern nicht gelingt, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen." Denn Prävention und Aufklärung könne nicht nur von den Schulen ausgehen: "Die Elternhäuser müssen mit einbezogen werden", plädiert der Schulleiter des Frankenwald-Gymnasiums, Klaus Morsch.
Am Sonntag ist der Tag der Kriminalitätsopfer. Seit vielen Jahren stärkt der "Weisse Ring" das Bewusstsein für Opferbelange und fordert Politik, Justiz und Verwaltung zum Handeln auf. 174 Opferfälle zählt Alfons Hrubesch, Leiter des Weissen Rings, in den Landkreisen Kronach, Kulmbach und Lichtenfels. Davon handle es sich bei 56 Fällen um sexuellen Missbrauch und Vergewaltigungen. madö