Am 16. Oktober 1553 starb Kronachs großer Sohn in Weimar. Urkundlich nicht belegt ist sein Geburtstag am 4. Oktober 1472. Die Kronacher Goethe-Gesellschaft hat in früheren Jahren anknüpfend an diese Oktober-Gedenkanlässe mit öffentlichen Veranstaltungen an Cranachs herausragendes künstlerisches Schaffen erinnert. Im letzten Jahr hatten der Verein "1000 Jahre Kronach" und die Goethe-Gesellschaft zur Cranach-Erinnerung gemeinsam Prof. Andreas Tacke, Cranach-Forscher an der Universität Trier, zu einem Vortrag eingeladen. Auch in diesem Jahr plante "1000 Jahre Kronach" für diese Zeit ein ähnliches Angebot zu machen. Corona hat dies nicht gestattet, vorläufig jedenfalls, denn die Veranstaltung wird so bald wie möglich nachgeholt.

Seit letztem Jahr informiert "1000 Jahre Kronach" über Lucas Cranach in der Oberen Stadt. Dort wird augenblicklich in den Cranach-Welten-Schaufenstern in der Amtsgerichtsstraße Cranachs Arbeit mit den Salome-Bildern aus Budapest und der Fränkischen Galerie thematisiert. Die Tradition, die von der Goethe-Gesellschaft begründet wurde, soll auf alle Fälle gepflegt werden, nämlich den Monat Oktober generell als Cranach-Monat zu verstehen, in welchem Cranach intensiv ins Visier genommen wird. Gibt es dafür aber eigentlich genug Gründe? In seiner Geburtsstadt sollte dies keine Frage sein. Hier ist der Name Lucas Cranach zwar allgegenwärtig, vom Lucas-Cranach-Bier bis zum Lucas-Cranach-Campus neuerdings. Aber hinter Cranach steckt doch noch viel mehr, was es hervorzukehren gilt.

Was ihn in aller Welt bekannt gemacht hat und wie lebendig sein Erbe bis heute ist, das zeigt gegenwärtig einmal mehr eine Cranach-Ausstellung in England. Knapp zwei Auto-Stunden nordwestlich von London wird in der Compton Verney Art Gallery, gelegen im gleichnamigen Landschaftspark, eine "atemberaubende" (Presse) Cranach-Ausstellung gezeigt. Die Tageszeitung The Observer erklärt, die "großartige Ausstellung von Compton Verney stellt Cranachs Modernität für uns erneut in den Mittelpunkt".

Die Ausstellung vermittelt Cranachs kreative Leistungen als Porträtist und Maler der seinerzeitigen Herrscher, als Bürger von Wittenberg und als Erneuerer von Kunstformen anhand einer großen Zahl von Leihgaben aus englischem Besitz. Daran schließen sich zahlreiche Exponate zeitgenössischer Künstler, die engen Bezug zu Cranach haben. "The Telegraph" meint, die Ausstellung stelle eine Versuchung dar, der man nicht widerstehen sollte. Der Besuch ist noch bis zum 3. Januar möglich. Es geht aber auch digital: eine Führung durch die Ausstellung und weitere Beiträge stehen im Internet unter www.comptonverney.org.uk/cranach-artist-innovator/ bereit, dazu eine - manchmal etwas holprige - Übersetzung ins Deutsche. mr