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Bamberg

Corona stoppt die Jugend

Die Jugendarbeit leidet besonders unter den Einschränkungen, die Covid-19 mit sich bringt. Sie lebt von Gemeinschaftserlebnissen, die im Augenblick rar gesät sind. Auch der Tag der Jugend ist ein Opfer der Pandemie.
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Nur als abgespeckte digitale Version geht in diesem Jahr der Tag der Jugend über die Bühne. Tolle Live-Erlebnisse wie das Wasserzielschießen der Jugendfeuerwehr, wie hier im vergangenen Jahr auf der Kettenbrücke, müssen coronabedingt außen vor bleiben.  Foto: Barbara Herbst
Nur als abgespeckte digitale Version geht in diesem Jahr der Tag der Jugend über die Bühne. Tolle Live-Erlebnisse wie das Wasserzielschießen der Jugendfeuerwehr, wie hier im vergangenen Jahr auf der Kettenbrücke, müssen coronabedingt außen vor bleiben. Foto: Barbara Herbst

Mit der Corona-Krise hat sich für die Bamberger Jugendarbeit vieles verändert. Seit März 2020 sind die Aktivitäten des Stadtjugendrings (SJR) und seiner Mitgliedsverbände aufgrund der bestehenden Schutzmaßnahmen in weiten Teilen ausgesetzt. Die bestehenden Rahmenbedingungen lassen auch weiterhin eine Jugendarbeit in der gewohnten Form nicht zu. Mithilfe eines Fragebogens und vieler persönlicher Gespräche haben der Vorstand und die Geschäftsstelle des SJR Bamberg ermittelt, mit welchen Schwierigkeiten die (verbandliche) Bamberger Jugendarbeit derzeit zu kämpfen hat und ob Aktivitäten in veränderter, der bestehenden Gesetzgebung angepasster Form möglich sind. Dabei wurde deutlich, dass Jugend natürlich allen digitalen Formen gegenüber sehr aufgeschlossen und kompetent ist, heißt es in der Pressemitteilung des SJR. Soziale Kontaktet laufen über Whatsapp, Twitter, Facebook oder Snapshot. Online-Konferenzen boomen.

Gleichzeitig sei zu erkennen: "Der Kern von Jugendarbeit lässt sich nicht digitalisieren." So fällt bei der Jugend der Sportfischer praktisch das komplette Jahresprogramm ins Wasser, da es sich überwiegend im Zeitraum April bis September abspielt. Jugendleiter Andi Redler: "Es bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Programminhalte und -vorbereitungen aufs nächste Jahr zu übertragen!"

Für die Offene Jugendarbeit sei es eine Herkulesaufgabe, das Stammpublikum bei der Stange zu halten. Online-Angebote würden aus dem Boden gestampft, sichtbar und präsent zu bleiben, sei jetzt ein schwieriges Unterfangen. Claudia Duda (Jugendtreff St. Urban) und Jürgen Reinisch (Jugendkulturtreff Immerhin) müssen Einnahmeverluste verkraften, ihr Team an Bord behalten und können auf den verlässlichen Träger der katholischen Kirche bauen. "Wir haben in der Krise mehr Arbeit als im Normalbetrieb. Hygienekonzepte entwickeln und einhalten, digitale Angebote schaffen, Personal verwalten. Überall müssen wir Neuland betreten."

Suche nach "neuer Realität"

Für den am heutigen Samstag geplanten Tag der Jugend setzt der Stadtjugendring coronabedingt auf eine abgespeckte digitale Version, die von der Gestaltung einiger Reklamegroßflächen flankiert wird. SJR-Vorsitzende Michaela Rügheimer: "Die Bevölkerung soll erkennen, dass auch für Jugendleiter, Vereine und Verbände der Neustart und die Suche nach einer ,neuen Realität' eine große Herausforderung sind. Mit den digitalen Beiträgen von Jugendarbeit auf unserer Website wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass eine gelingende Jugendarbeit unverzichtbar für unsere Gesellschaft ist und Unterstützung braucht. Gleichzeitig laufen unsere Bemühungen auf Hochtouren, um Jugend- und Jugendbildungsarbeit wieder möglich zu machen."

Davon kann der Sport ein Lied singen. Elmar Schmitt, Abteilungsleiter des Mädchen- und Frauenfußballs bei der TSG, und Jan Scheibe mit seinem Trainerstab bei der DJK Don Bosco entwickelten nicht nur Trainingsangebote im Videoformat. Die können die Jugendlichen dann zu Hause umsetzen. Gleichzeitig wird bei der zaghaften Rückkehr auf die Trainingsplätze deutlich, welche Last den ehrenamtlichen Trainern aufgebürdet wird.

Elmar Schmitt dagegen zeigt auf, dass ein Training unter den bestehenden Auflagen ein vielfaches an Vor- und Nachbereitung erfordert: "Vieles ist für mich nicht nachvollziehbar. Bei uns dürfen Eltern nicht am Platz sein, Bälle und Torwarthandschuhe müssen in kurzen Abständen desinfiziert werden. Und auf Freizeitanlagen und Spielplätzen beobachte ich ein kunterbuntes Treiben." Er ist wie viele andere seiner Kollegen besorgt über die Zukunft seiner Abteilung. "Die lange Pause lässt viele junge Menschen überlegen, ob sie einer alternativen Freizeitbeschäftigung nachgehen. Die entgangenen Einnahmen aus der Beteiligung am Verpflegungsstand beim ausgefallenen Pfingstcup reißen ein tiefes Loch in die Mannschaftskasse."

Kreisjugendleiter Udo Schoberth legt den Finger in diese Wunde: "Es muss nach der Krise eine Anschubfinanzierung für die Jugendarbeit in Bamberg geben. Ehrenamtliche und Vereine dürfen mit den entstandenen Zusatzkosten nicht alleine gelassen werden." Oliver Wolf von der DPSG Bischof Otto Bamberg sagt es deutlich: "Die Stadt sollte die Zuschüsse für die Jugendarbeit im Rahmen der Zuschüsse an den Stadtjugendring in voller Höhe für Ausfall- und Stornokosten bei den Verbänden bereitstellen."

Analoge Angebote starten

Am 18. Juli startet auch der SJR wieder mit analogen Angeboten für die Jugendarbeit. Das Seminar Aufsichtspflicht gibt Jugendleitern Hilfen an die Hand, damit sie ihren Umgang mit den Jugendlichen rechtssicher gestalten können. Einige wenige Plätze sind noch frei. red