Am Freitag starb Cordula Kappner nach langer Krankheit mit 75 Jahren. Mit der früheren Leiterin des Bibliotheks- und Informationszentrums in Haßfurt verliert der Landkreis eine seiner profiliertesten Persönlichkeiten, vor allem eine moralische Instanz: Cordula Kappner hat sich einen Namen gemacht als akribische Sucherin nach Spuren jüdischen Lebens unter dem Nationalsozialismus.
Geboren in der ehemaligen DDR, reiste sie 1962 mit ihrer Familie in den Westen. Ihr Vater war evangelischer Pfarrer.
1978 kam Cordula Kappner als Bibliothekarin nach Haßfurt, wo sie am neuen Schulzentrum das Bibliotheks- und Informationszentrum aufbaute und sich den Schicksalen aller 250 jüdischen Familien widmete, die unter dem Nazi-Regime im Gebiet des heutigen Landkreis Haßberge lebten. Nahezu alle wurden Opfer von Repressionen, waren zur Ausreise gezwungen oder wurden schließlich zu Beginn der 1940er Jahre in den Konzentrationslagern im Osten getötet. Akribisch zeichnete Kappner Lebenswege auf, sprach mit Zeitzeugen und brachte dieses Wissen durch Ausstellungen in vielen Orten des Landkreises an die Öffentlichkeit. So wurden Jahre der braunen Herrschaft vor Ort für die jüngere Generation greifbar, was Cordula Kappner zeitlebens ein Herzensanliegen gewesen ist - ebenso wie ihre Kontakte zu den Nachfahren der jüdischen Familien.
Dafür erlebte sie private Anfeindungen, aber auch hohe Ehrungen: Cordula Kappner erhielt unter anderem 2005 das Bundesverdienstkreuz, 2004 vor allem den German Jewish History Award der Obermayer Foundation, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Verdienste um das deutsch-jüdische Zusammenleben. Es gibt etliche Veröffentlichungen von Cordula Kappner, die bekannteste ist die "Buchführung des Todes". kra