Von Angriff und Verteidigung: Zeitreise auf der Veste

1 Min
Die Hohe Bastei der Veste Coburg war erfüllt von Musketieren, Pikenieren und Artillerie. Wolfgang Desombre
Die Hohe Bastei der Veste Coburg war erfüllt von Musketieren, Pikenieren und Artillerie. Wolfgang Desombre

Oben auf der Veste donnerte und rauchte es aus Vorderladern und Geschützen, unten in der Stadt knallten auf dem Schlossplatz die Sektkorken: Die Kunstsammlungen der Veste Coburg hatten am Wochenende wieder zu einer „Zeitreise“ in die Epochen des 15. und 17. Jahrhunderts eingeladen. Mehr als 100 Akteure boten auf der Veste Coburg authentische Einblicke in Handhabung, Technik und das Abfeuern historischer Waffen.

Besucher aus nah und fern erlebten das Lagerleben der Frühen Neuzeit und lernten dabei die Vielfalt der damaligen Handwerks- und Lebensweisen kennen.

Unter dem Begriff der „experimentellen Archäologie“ wurden Waffen, Werkzeuge und Alltagsgegenstände nicht hinter Glas gezeigt, sondern den Besuchern zum Anfassen und Ausprobieren angeboten.

Viele Korporalschaften

Das „Kurbairische Dragonerregiment Johann Wolf“ oder kurz „Regiment Johann Wolf“ stellte auf der Hohen Bastei Korporalschaften an Musketieren, Pikenieren und Artillerie vor. Pikeniere demonstrierten recht eindrucksvoll, dass sie nicht nur verteidigten, sondern auch angreifen konnten. Mit ihren langen Spießen marschierten sie stolzen Schrittes auf die Besucher zu und macht erst kurz vor ihnen Halt. Sie waren damals im Dreißigjährigen Krieg die Rückgratsoldaten der Infanterie. Sie mussten den wehrlosen Musketieren während deren langsamen Ladevorgängen Schutz bieten und nutzten dazu ihre mehr als fünf Meter langen Spieße, die Piken. Historische Gruppen hatten bereits am Freitagabend ihre Zelte oben auf der Veste aufgestellt und mussten zwei heftigen Regenschauern widerstehen. Besucher konnten an den beiden Tagen das Lagerleben von damals erleben und auch zusehen, wie eine Wildsau fachgerecht zerlegt und zubereitet wurde. Michal Wemhöner war als Feldchirurg mit seinem Assistenten, seinem Enkel Melvin, nach Coburg gekommen. Er hatte Tinkturen, Binden, Sägen, Messer dabei, mit denen damals Operationen und auch Amputationen durchgeführt wurden. In den Lagern wurden historische Handwerker-Gegenstände hergestellt, die in Friedens- und Kriegszeiten benötigt wurden – von Kleidung und Lederwaren bis zu Kettenhemden und Rüstungen. Die Vorführungen boten Einblicke in das Leben der Zeit, verbunden mit einem spannenden und lehrreichen Erlebnis für die ganze Familie. Das Kammergeschütz „Klara“ des Brettener Vereins „Albrecht Schedels Fähnlein“ kam auf der Bastei zum Einsatz. Kammergeschütze waren im 15. Jahrhundert mit die modernsten Waffen.

Erhöhte Schussfrequenz

Bei diesem Typ Kanone wurde nicht von vorne durch das Rohr geladen, sondern sie besaß hinten mehrere auswechselbare „Rohrendstücke“, die Kammern. In diese wurde die Treibladung eingebracht, so dass von vorne durch das Rohr nur noch die Kugel gesetzt werden musste. Dies ermöglichte eine deutlich erhöhte Schussfrequenz. Die Besucher verließen die Historienschau mit neuen Eindrücken von einer Zeit, in der die Veste Coburg eine bedeutende Rolle gespielt hatte.