Kairlindach — Töne der Freiheit hatte der Cäcilia-Chor Großenseebach seinen Gottesdienst überschrieben. Aber wie klingt Freiheit? Unterstützt von Saxophon, Trompete und Schlagzeug gab der Chor musikalische Antworten, die von der meditativen Bitte im Kyrie über das hohe Pathos von Verdis Gefangenenchor bis hin zum begeisternden Spiritual reichten.
Auf einem Klangteppich aus Motiven von "When Israel was in Egypt's Land" rezitierte Christel Seeliger die Ur-Freiheitsgeschichte, den Auszug Israels aus Ägypten. Pfarrer Wolfgang Simon und Traudel Brückner verbanden sie mit gegenwärtigen Erfahrungen von Unterdrückung, Hilfe und Befreiung. So schnell der Mensch weiß, wovon er frei sein will, so schwer fällt ihm die Antwort auf die Frage, wozu er seine Freiheit denn gebrauchen soll. In seiner Predigt zeigte Pfarrer Simon das Bild einer Autowerbung. Ihr Konzept basiert auf materieller, egozentrischer Freiheit, die den Mitmenschen nur als Grenze eigener Freiheit adressiert. Dem stellte er die zehn Gebote gegenüber, die auf kommunikative Freiheit gemeinsam gelingenden Lebens zielen. Aber auch Gebote versagen da, wo der Mensch keine Wahl hat, etwa in der Ohnmacht des Leids. Wie bei Giuseppe Verdi (Achim Schädler), der mit Gehrock und Zylinder bekleidet, den Verlust seiner Familie beklagte. Dennoch fand Verdi eine Freiheit mitten in der Ohnmacht: Das Gebet, vertont im berühmten Gefangenenchor aus Nabucco. red