Bestimmte Lebenssituationen lassen die Wirklichkeit erstrahlen wie einen Diamanten. Bei dem Ehepaar Herbert und Gertrud Wagner hat sich das am Donnerstag sprichwörtlich erfüllt. Am 5. März 2020 feierte das Ehepaar seine Diamanthochzeit.

60 Jahre Lebensweg miteinander zu gehen schweißt zusammen. Herbert Wagner kann als Coburger Urgestein bezeichnet werden. Er erblickte am 5. August 1938 in Coburg das Licht der Welt. Seine Ehefrau Gertrud, damals noch Wünsch, wurde am 10. Juli 1938 in Schlesien geboren. Vertreibung und Flucht brachten sie als Kind im Jahr 1945 nach Coburg. Zu acht kamen sie hier an und lebten oder hausten erst einmal in der Rückertschule auf Stroh und Decken. Trotzdem betonte Gertrud Wagner, sei es für sie als Kinder ein gute Zeit gewesen. Ihren künftigen Ehemann lernte sie später bei der täglichen Fahrt mit dem Bus zur Arbeit kennen. "Du hast damals in Dörfles eine Ausbildung zum Polsterer gemacht und ich habe in einer Glaskugelfabrik gearbeitet", erinnerte sie sich. Später fand sie auch in einer Porzellanfabrik für ein Jahr eine Beschäftigung.

Kennengelernt haben sie sich im Jahr 1955 und knapp fünf Jahre später haben sie dann geheiratet. "Unser erster Urlaub ging mit dem Roller zum Gardasee. Mein Mann fuhr und ich war die Sozia", erinnerte sich Gertrud Wagner. Später kauften sie sich für den Roller einen Beiwagen, denn im Laufe der Zeit wuchs die Familie Wagner auf sechs Personen an. Zuerst kam Tochter Manuela (Bauer) im Juni 1960 zur Welt. Ihr folgte Sohn Peter im November 1961 und etwas später Klaus-Dieter im September 1964. Als Nesthäkchen erblickte Tochter Daniela (Schwierz) im Juni 1969 das Licht der Welt.

Die ganze Familie betätigte sich gerne sportlich. Ihre Heimat war inzwischen Wüstenahorn geworden und so spielten Vater Herbert und später die beiden Söhne im Fußballverein mit. Die Mutter widmete sich über 30 Jahre lang der Gymnastik im Sportverein. Für insgesamt 17 Jahre bewirtschafteten die Wagners auch das Sportheim.

Seit zwei Jahren wohnt das Diamanthochzeitspaar im Service-Wohnen des ASB in der Cortendorfer Straße. Herbert Wagner ging früher sehr gerne in die Stadt, um sich entweder eine heiße Pferdewurst am Markt oder eine Currywurst zu gönnen. Aus gesundheitlichen Gründen sei ihm das im Moment leider nicht mehr möglich, sagte er.

Zu den vier Kindern der Wagners kamen im Laufe ihrer 60-jährigen Ehe sieben Enkel und fünf Urenkel hinzu. Coburgs Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber überbrachte Grüße der Stadt Coburg und des Oberbürgermeisters sowie einen bunten Glückwunschstrauß. Als Gruß an das Jubiläumsbrautpaar hatte der Oberbürgermeister ein Zitat aus einem Gedicht des deutschen Dichters Rainer Maria Rilke gewählt: "Je mehr Liebe man gibt, desto mehr besitzt man davon." Das Ehepaar teilte erfreut mit, dass auch der bayerische Ministerpräsidenten Markus Söder ein Glückwunschschreiben nach Coburg geschickt habe. em