Die Schreibwerkstatt "Grenzenlos" präsentiert nach der Buntschau (einer Zeitung für Geflüchtete) ihr zweites Werk: ein Buch mit Geschichten und Gedichten, verfasst von Einheimischen und Migranten. Jetzt geht die Schreibwerkstatt in die dritte Runde.

Das "Buch ohne Grenzen" ist eigentlich ein fulminanter Schlusspunkt. Denn mit dem 140 Seiten umfassenden Werk geht die zweite Runde der Schreibwerkstatt "Grenzenlos" zu Ende. "Nachdem wir im ersten Zyklus hauptsächlich Berichte verfassten und diese in einer Zeitung - der Buntschau - veröffentlichten, haben wir uns im letzten Jahr mit dem kreativen Schreiben beschäftigt. Mit Worten spielen, Synonyme finden, das, was sich in der Vorstellung verankert hat, in Worte fassen. Sich selbst von den eigenen Fähigkeiten überraschen lassen", charakterisierte die Leiterin der Schreibwerkstatt, Uschi Prawitz, das Buchprojekt.

Bei der Schreibwerkstatt "Grenzenlos" handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des Kulmbacher Literaturvereins und des Kooperationszentrums Bürgerschaftliches Engagement des Landkreises. Einheimische und Migranten trafen sich zum gemeinsamen Austausch. Die Sprachpaten halfen, die Worte zu Papier zu bringen. Die Schreibwerkstatt betrachtet sich als ehrenamtliches Begegnungs- und Austauschprojekt und ist damit Teil des bayernweiten Projektes "Sprache schafft Chancen".

Die Autoren präsentierten jetzt ihre Werke im Dr.-Martin-Luther-Haus. Die Gedanken, die die Autoren zu Papier gebracht haben, waren so unterschiedlich wie die Charaktere selbst. Fatima Mansour schwärmte von einem Sonnenuntergang. "Auch wenn das Tageslicht weg ist und die Dunkelheit sich überall verbreitet, so gibt es doch immer einen Ort, an dem die Sonne scheint, an dem ihre Wärme die Erde einhüllt und schlafendes Leben weckt", schrieb Fatima Mansour. Stellvertretend für Salim Qaidi las Michael Asad "Ich war Doktor Salim" - eine Geschichte, die die Gedanken eines Flüchtlings thematisiert. "Der Mann von der Mitfahrbank würde gerne arbeiten und seine Familie selbst ernähren, aber er darf nicht. Niemand nimmt ihn mit. Niemand braucht ihn. Seine Haare werden langsam grau. Dieser Mann bin ich. Und dieser Mann war ich", schrieb Qaidi.

Rita Alarbaji erzählt von einem Herbstspaziergang, Abd Almoumn Alksti las "Das letzte Blatt". Bei der Buchvorstellung präsentierte Muzna Kubret Elfchen, kleine Gedichte, die aus insgesamt elf Worten bestehen. Mezkin Hussein bekannte sich zur kalten Jahreszeit. Und Ikram Hassan Abed gab ebenfalls eine Kostprobe ihrer Literatur zum Besten.

Das "Buch ohne Grenzen" mit 140 Seiten ist über den Kulmbacher Literaturverein erhältlich. Die Grafiken stammen überwiegend von Künstlern des Sprachpatenprojektes "LingoART for refugees".