Stadtsteinach  —  Da sitzt nun die kleine Theatergemeinde mitten im Stadtsteinacher Stadtpark auf der merkwürdig gemischten Sitzgarnitur aus poliertem Marmor und bald hinfälligen Holzbänken, mitgebrachten Bierbänken und Klappstühlen und blickt wie gewohnt in eine Richtung, wo normalerweise die Bühne hätte sein sollen. Die Nachbarskatze auf ihrem frühabendlichen Inspektionsgang hält sich etwas abseits. Ein Herr mit mittlerem Rauschebart, Typ Gärtner Pötschke, stapft mit einigen Utensilien unter dem Arm seitlich vorbei und baut, dort wo die Bühne hätte sein sollen, Staffelei und diverse weitere Malutensilien auf. Er entdeckt die Katze, die den ihr unbekannten Parkbesucher ihrerseits mustert, und vermisst ihre Proportionen aus der Distanz mit einem Pinsel, bis die Katze schließlich beschließt, heute nicht als Modell zur Verfügung zu stehen und dies durch ihr Entfernen zu verstehen gibt.

"Ihr wollt mir wohl über die Schulter schauen? Dem lieben netten Onkel, der die lustigen Geschichten erdachte?", wendet sich Markus Veith schließlich an die Zuschauer, die sich zu einem Theaterspaziergang zu Texten von Wilhelm Busch zunächst gewohnheitsmäßig niedergelassen haben. Ihnen gibt er zu verstehen, dass der Worte viel nicht unbedingt auch ebenso viel Bedeutung zukommen muss, und rät "Fließt dir kein Sinn in deine Rede ein, dann lass es sein", um sich schließlich eine Pfeife anzuzünden. Dazu philosophiert er (nun im Originaltext Wilhelm Buschs) über das Rauchen und diverse andere Dinge.

Darauf packt er seine Sachen und zieht im einem weiten Bogen weiter am Rand des Stadtpark entlang. Die Zuschauer trollen ihm mit ihren Bänken und Klappstühlen vertrauensvoll hinterher. Vorneweg drei Kinder, die ihm seit seinen ersten Worten bis zum Ende des Spaziergangs mit offenen Mündern lauschen und folgen.

An der nächsten Station Wirtshausgeschichten, in Worten Wilhelm Buschs: Aus dem "Hopfengarten". Männergespräche, nach denen die ganze Meute weiterzieht, um an der nächsten Station den "Gärtner Knoll" beim vergeblichen Jagen eines Maulwurfs beizustehen. Zur nächsten Station lockt ein "Gesang der Blumen" und an der folgenden - endlich - die Moritat von Max und Moritz, deren Strophen die Besucher ohne Weiteres selbst beenden und der drastischen Darstellung des Meuchelns von Hühnern der Witwe Bolte beiwohnen, bei der Wolfgang Martin als Statist und Mittäter zum Einsatz kam.

Wer nun Max und wer Moritz darstellte, Markus Veith oder Wolfgang Martin, ließ Veith im Dunkeln. Vielmehr erläuterte er dem amüsierten Publikum die "lustigen Bubenstreiche" zeitgemäß als Delikte im Sinne des Strafgesetzbuchs. Markus Veith war bereits mehrfach Gast im Frankenwaldtheater und begeisterte mit unterschiedlichen Stücken, die er teils auch selbst geschrieben hat. Die Idee, Wilhelm Busch als eine Theaterwanderung in einer Grünanlage zu bringen, entsprang der Zeit, als Theater coronabedingt geschlossen bleiben mussten, draußen aber kleinere Menschenansammlungen möglich blieben. Die Texte zwischen den originalen von Wilhelm Busch hat er selbst geschrieben, und das in gleicher Wortwahl und Reimen wie das Original. Dazu spielt er die Worte mit vollem Körpereinsatz exzessiv aus, ohne damit in alberne Comedy abzugleiten. Damit zauberte er im Stadtsteinacher Stadtpark seinem Publikum ein permanentes Lächeln in die Gesichter, das unterschwellig auch mehr über den Maler und Großvater der Karikatur und den Dichter erfuhr, über dessen Bildergeschichten die Leute lieber lachen wollen, deren Spott und Moral aber unterhaltsam erzieherischen Wert noch heute haben.