Wie geht es weiter mit dem Coburger Standort von Brose? Für die Antwort auf diese Frage könnte der heutige Tag eine wichtige Rolle spielen: Vertreter von Brose stellen im Krisensenat den "Masterplan Brose 2030" vor, der große Investitionen in Coburg vorsieht. Allerdings sind diese Investitionen nach Informationen des Tageblatts an gewisse Voraussetzungen geknüpft.

Von Investitionen in Höhe von über 100 Millionen Euro war schon Ende 2018 die Rede, als für den Coburger Standort ein Pakt zur Beschäftigungssicherung verkündet wurde. Brose-Mitarbeiter verzichteten auf Lohnsteigerungen, Führungskräfte auf Zahlungen, die Gesellschafter auf Rendite. Investitionen in den Standort sollten dazu beitragen, dass die Sitze-Fertigung in Coburg günstiger wird. Presswerk und Kunststoffgießerei sollten modernisiert werden, geplant seien ein neues Logistikzentrum sowie ein Entwicklungs- und Verwaltungsgebäude für den Geschäftsbereich Sitz, hieß es im Dezember 2018. Die folgenden zwei Jahre dienten unter anderem dazu, Firmen, die zwischen dem Brose-Werk und dem Südkreisel ansässig waren, umzusiedeln. Brose hatte dafür das Gelände der Firma Ros an der Bamberger Straße erworben, die ihrerseits auf das frühere Max-Carl-Gelände südlich des Güterbahnhofs umgezogen war. Im Sommer 2019 war das neue Einkaufszentrum auf dem früheren Ros-Gelände fertig.

Über die konkreten Erweiterungspläne für Brose selbst war damals nichts weiter zu erfahren. Zwar konnte das Tageblatt im Juli 2019 berichten, dass rund 120 Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Sitz in Creidlitz untergebracht wurden (auf dem früheren Gelände Hermann Koch). Doch wann und wo Brose ein neues Entwicklungs- und Verwaltungsgebäude errichten will, wurde seinerzeit nicht verlautbart.

Ausbau der B4 entscheidend?

Konkreter wurde es erst im Frühjahr 2020, als der Stadtrat den vierstreifigen Ausbau der B4 im Weichengereuth ablehnte. Dieser Ausbau steht im Bundesverkehrswegeplan, der bis 2030 gilt. Der Bund wäre zwar Bauherr, aber er braucht die Zustimmung der Stadt. Doch im Zuge des Kommunalwahlkampfs hatten sich nach Anwohner-Protesten fast alle Parteien und Gruppierungen gegen diesen Ausbau ausgesprochen.

Ulrich Schrickel, Vorsitzender der Brose-Geschäftsführung, bezeichnete dies in einer Stellungnahme vom 29. Mai 2020 als "rein emotionale Entscheidung". Dabei teilte er auch mit, dass Brose bei seinen Ausbau-Plänen stark auf den Ausbau des Weichengereuth setzt: Der südliche Stadteingang solle architektonisch aufgewertet und vom Lkw-Verkehr entlastet werden. Die rund 100 Lastzüge, die allein das Coburger Brose-Gelände anfahren, sollten nach einem Ausbau der B4 übers Weichengereuth, die Frankenbrücke und die Uferstraße geleitet werden.

Im Juli 2020 berief die IHK eine "Verkehrskonferenz" ein, die zwei Dinge aufzeigen sollte: Erstens gibt es vom Bund nur einen vierstreifigen Ausbau der B4 oder keinen, zweitens wird dieser Ausbau nicht nur von Brose gefordert, sondern auch von anderen Unternehmen. Schrickel wiederholte bei dieser Gelegenheit seine Aussage, dass es das geplante Logistik-Zentrum ohne einen Ausbau der B4 nicht geben werde.

Wenn es heute im Krisensenat um den Masterplan Brose 2030 geht, ist das Logistikzentrum aber nur ein Baustein in dem Ausbauprogramm. Es soll 130 Millionen Euro umfassen und enthält laut Tageblatt-Informationen neben dem Verwaltungsgebäude für den Geschäftsbereich Sitz ein Entwicklungsgebäude, ein Produktionsgebäude (anstelle des Gebäudes 23) und ein Parkhaus. Die ersten Bauten sollen im zweiten Quartal 2022 begonnen werden; der Abschluss der Baumaßnahmen ist Ende 2025 vorgesehen. Gebaut werden soll zum einen im Bereich Bamberger Straße (ehemals Sparkasse), zum anderen in der Max-Brose-Straße (ehemals Ford Hommert).

Wie das Tageblatt erfahren hat, wird von der Stadt hier mehr erwartet, als dass sie die notwendigen Baugenehmigungen erteilt. Zum einen geht es um Altlasten, die auf den betroffenen Grundstücken liegen könnten. Die Stadt soll die Kosten für die Beseitigung übernehmen. Und: Sie soll den vierstreifigen Ausbau der B4 im Weichengereuth unterstützen.

Doch selbst wenn die Stadt dies tun würde: Bis vom Staatlichen Bauamt baureife Pläne fürs Weichengereuth vorliegen, dürften noch einige Jahre vergehen. Vor allem dann, wenn gegen die Baugenehmigung geklagt wird.