Herrliche Geigenklänge durchwehen die erwartungsvolle Stille der Kronacher Stadtpfarrkirche. Geradezu liebevoll lässt Alma Keilhack ihre Violine erklingen - es war ein hochklassiges Konzert voller Tiefe, das das Fränkische Kammerorchester am Sonntag seinem Publikum kredenzte. Unisono ließ das Ensemble, dessen Mitglieder sowohl erfahrene Musiker wie auch begabte Schüler und Studenten der fränkischen Region sind, herrliche Musik von Johann Sebastian Bach (1685 - 1751) über Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847) bis hin zur Neuzeit von Arvo Pärt (geb. 1935) erklingen. Das Herzstück der musikalischen Glanzstunde aber war ohne Frage Antonio Vivaldis (1682 - 1741) Violinkonzert "Sommer" aus den "Vier Jahreszeiten" ("Le Quattro Stagioni"), bei dem sich die Violine wie ein Sologesang über das Orchester erhebt.

Die Aufmerksamkeit bei der packenden Schilderung entfesselter Natur gehörte hier ganz der Solistin Alma Vivienne Keilhack. Die erst 14-jährige, mehrfache Preisträgerin, die im Dezember 2019/Januar 2020 mit der "Camerata Franconia" als Solistin durch China tourte und im Sommer 2020 als Solistin mit der renommierten "Vogtland Philharmonie" gastierte, spielte in höchster gedanklicher Konzentration und Wachsamkeit. Mit ebenso einfühlsamem wie energiegeladenem Spiel meisterte sie sämtliche Hürden der berühmten Komposition in allen vier Sätzen mit einer Leichtigkeit und einem Feuer der Leidenschaft, über die man nur staunen konnte. Eine helle Freude, ihr dabei zuzuhören - und eine einzige Liebeserklärung an ihre Goffredo Cappa aus dem Jahre 1690, über die sie selbst sagt "Ich liebe einfach meine Geige und die klassische Musik!"

Die drückende Hitze des Sommers, sanfte und raue Winde, unbändiges Gewitter - Klänge, die die Ohren des Publikums umschmeichelten, stets konzentriert geführt vom Dirigenten Andreas Englhardt: atemberaubend, sondergleichen!

Gleiches gilt auch für die vehement durch minutenlangen Beifall eingeforderte Solo-Zugabe von Bachs Präludium aus seiner E-Dur-Partita, wofür Alma ebenfalls Bravorufe ihrer begeisterten Zuhörer erhielt. Dieses durfte sich im Konzertverlauf über weitere - ebenfalls durchwegs geglückte - Aufführungen freuen.

Sensible Klangbalance

Ein Glockenschlag eröffnete Arvo Pärts "Cantus in memoriam Benjamin Britten" und zugleich auch das erste Gastspiel des Kammerorchesters in Kronach überhaupt. 1977 vom estnischen Tonschöpfer Arvo Pärt komponiert, gilt es als eines seiner bekanntesten Werke und ist ein frühes Beispiel für den von ihm entwickelten Tintinnabuli-Stil. Seine Hommage an den 1976 verstorbenen Künstler Britten intonierten die Musiker - ebenfalls unter Englhardts geschmeidigem Dirigat - mit einer sensiblen Klangbalance zwischen den einzelnen Stimmgruppen. Das Stück voller ständiger Wechsel von kurzen und langen Noten beginnt sehr leise, baut aber allmählich durch die neu hinzukommenden Instrumente eine größere Laustärke auf. Ein zutiefst spannendes Hörerlebnis, wie sich der komplexe Klangraum des kanonartig angelegten Werkes nach unten öffnete.

Von Estland führte die musikalische Reise weiter in das sächsische Köthen. Hier schrieb Bach seine sechs Brandenburgischen Konzerte, die heute zur musikalischen Weltliteratur gehören. Die Konzerte widmete er den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg. Diesen lernte er kennen, als er 1718 und 1719 in Berlin wegen eines neuen Cembalos für den Köthener Hof, wo er als Kapellmeister tätig war, verhandelte. Die barocke Prachtentfaltung des Altmeisters präsentierte das Kammerorchester in brillanter Art und Weise mit der Wiedergabe des Dritten - eine besondere Herausforderung, geht es dabei doch gerade auch um die Balance der einzelnen Stimmen, der drei Geigen, der drei Bratschen und der drei Celli.

Junger Cellist dirigiert

Ein elitäres Klangerlebnis war auch die zum Konzertende erklingende 7. Streichersinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Hierfür erfolgte ein Stabwechsel, übernahm doch der junge Cellist Jan-Philipp Suchta den Dirigentenstab. Unter seinem bereits souveränen Dirigat brachten die Musiker die siebte von insgesamt zwölf Streichersymphonien von Felix Mendelssohn-Bartholdy zum Klingen. Komponiert zwischen 1821 und 1822, im Alter von gerade einmal 13 Jahren, offenbart diese Reihe von Jugendwerken bereits schon damals seine genialen Züge. Aufgeführt wurden diese herrliche, virtuose und "galante" Musik einst bei sonntäglicher Hausmusik von ausgewählten Mitgliedern des königlichen Orchesters im Hause der Mendelssohn - und nunmehr auch in Kronach!

Das Publikum zeigte sich begeistert und dankte am Ende mit großem Beifall für einen ebenso feierlichen wie erfrischenden Kunstgenuss - hoffentlich nicht der letzte dieser Art des "Fränkischen Kammerorchesters" in Kronach. Chapeau!