Ein Grundsatzbeschluss kommt selten allein: Wer eine Photovoltaikanlage auf freier Flur im Gebiet des Marktes Maroldsweisach errichten will, sollte vor der Bauleitplanung die Bürger informieren. Das hatte der Gemeinderat vor drei Monaten beschlossen. Und als jetzt zur Sitzung am Montagabend, die auf großes Zuhörerinteresse stieß, über ein neues Vorhaben zu beraten war, wurde im Gremium der Ruf nach einer Obergrenze beim Anteil der Photovoltaikflächen laut.

Konkret ging es um eine geplante Anlage bei Allertshausen mit insgesamt 17 Hektar, verteilt auf vier Flächen. Die Empfehlung zur Bürgerinfo hatte der Bauwerber, die BayWa, mit einer Veranstaltung vergangene Woche bereits umgesetzt. Da war es noch um drei Flächen gegangen. Die vierte Fläche - bestehend aus zwei Flurstücken - ist erst danach gemeldet worden.

Ramona Schrapel fand diese Vorgehensweise nicht richtig. Dem hielt René Schäd, der Geschäftsleiter der Marktgemeinde, entgegen: Mit der Veranstaltung sei auf das Vorhaben aufmerksam gemacht worden; jeder habe nun die Möglichkeit, das Bauleitverfahren weiterzuverfolgen. Und bei einem solchen Verfahren seien die Bürger einbezogen. Bürgermeister Wolfram Thein (SPD) hatte zuvor auf Nachfrage von Melanie Gräbner erläutert, die nachgemeldete Fläche liege weiter weg vom Ort als die anderen, daher sei nicht mit Einwänden seitens der Bürger zu rechnen.

Thein selbst und Doreen Büschel brachten die Diskussion um eine Begrenzung der Photovoltaikanlagen ins Rollen. 27,74 Hektar seien derzeit bereits genehmigt, mit der Anlage bei Allertshausen wären es etwa 44 Hektar und damit zwei Prozent der Ackerflächen im Gemeindegebiet. Als Vergleich nannte Thein die Stadt Ebern, die den Anteil auf vier Prozent festgelegt habe. "Da ist bei uns noch Luft nach oben", sagte Thein.

Eberhard Vogel verwies zunächst auf das Volksbegehren "Rettet die Bienen" und forderte, bei dem Vorhaben in Allertshausen auf Ausgleichsflächen zu achten. "Wir pflastern 17 Hektar zu", argumentierte er. Bürgermeister Thein und sein Stellvertreter Harald Deringer - Letzterer ist ebenso wie Vogel selbst Landwirt - widersprachen. Die Module würden auf Ständer montiert, darunter sei Platz für eine Grünfläche oder gar eine Bienenweide, jedenfalls würden die Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt, erläuterte Thein. Abgesehen davon befand Vogel, eine Photovoltaikanlage sei "wahrscheinlich lukrativ genug", sonst würden nicht so "horrende" Pachtpreise bezahlt. Hinzu komme, dass viele Nebenerwerbslandwirte aufhörten. Daher stellt sich laut Vogel die Frage, wie die Gemeinde damit umgehen solle, wenn weitere Anfragen für Photovoltaikanlagen aus anderen Gemeindeteilen kommen.

Nach Ansicht von Günter Freß ist es schon zu spät für eine Grundsatzentscheidung und eine Begrenzung erst jetzt ungerecht. Mit der Landwirtschaft sei "nichts mehr verdient", da seien Photovoltaikanlagen eine gute Möglichkeit, Einkommen zu erzielen. "Wir beschneiden keine der Anlagen, die bereits genehmigt sind", entgegnete Bürgermeister Thein, bei einer Festlegung gehe es nur um die Zukunft. Herbert Baum, ein weiterer Landwirt im Gremium, pflichtete Thein bei. Photovoltaikanlagen würden mittlerweile außerhalb des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gebaut. "Ich sehe schon, dass auf die Gemeinde eine Flut von Anfragen zukommt", sagte Baum. Mit Bezug auf die Vermutung von Eberhard Vogel fügte er hinzu, solche Anlagen "sind lukrativ für Landwirte, egal ob Neben- oder Vollerwerb".

Für Dieter Hepp war eine Diskussion zum konkreten Fall nicht angebracht. Vonseiten der Allertshäuser Bürger seien keine großen Einwände gegen die geplante Anlage gekommen. "Warum sollten wir als Gemeinde was dagegen haben und uns den regenerativen Energien verwehren?", fragte Hepp. Wenn das Bauleitverfahren zu dem Vorhaben abgeschlossen sei, könne man über Obergrenzen diskutieren.

Bei einer Gegenstimme entschied das Gremium, das Verfahren einzuleiten. Mit einer möglichen Obergrenze soll sich zunächst der Bauausschuss befassen und einen Vorschlag für den Gemeinderat Maroldsweisach erarbeiten, so die Anregung von Bürgermeister Thein.