Arkadius Guzy

Die öffentlich vorgebrachten Zweifel an der ersten urkundlichen Erwähnung von Euerdorf vor 1300 Jahren haben dort für viel Aufregung gesorgt. Nun hat sich Roland Heinlein dazu geäußert. Für den Kreisheimatpfleger geht in der aufgebrachten Stimmung ein wichtiger Aspekt verloren.
"Wann wird ein Ortsjubiläum gefeiert? Normalerweise zum Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung", sagte Heinlein im Gespräch. Das sei die übliche Praxis, an die sollten sich eigentlich alle Orte halten. Ansonsten könnten beliebige Daten gefeiert werden. Allerdings spreche nichts dagegen, dass ein Ort seine Historie feiern will - auch ohne konkretes Datum.
Als er im Sommer 2014 von der Jubiläumsidee gehört habe, habe er die Quellen überprüft, erklärte Heinlein. "Ich habe gesehen, dass es keine Bestätigung für die 1300 Jahre gibt." Das habe er auch der Gemeinde mitgeteilt.
Denn in der Schenkungsurkunde von 716, die als Abschrift erhalten geblieben ist und Hammelburg erwähnt, wird Euerdorf nicht genannt. Dass dennoch immer wieder darauf Bezug genommen wird, sieht Heinlein als Folge des 1891 erschienenen Buches "Geschichte des Marktfleckens Euerdorf und der zu dieser Pfarrei sonst und jetzt gehörigen Filialorte Aura-Wittershausen, Engenthal, Ramsthal, Sulzthal, Trimberg und Wirmsthal".
Michael Wieland schreibt darin: "Euerdorf, ein Marktflecken im königl. bayer. Bezirksamte Hammelburg, Sitz eines königl. Amtsgerichtes und Forstamtes, ist unstreitig einer der ältesten und meistgenannten Orte des Saalgaues und wird schon im 8. Jahrhundert erwähnt."
Der Autor nennt in diesem Zusammenhang die Schenkung des Herzogs Heden II. an den heiligen Willibrord von 716. Ohne genaue Quellenangabe, wie Heinlein bemerkte. Auch in den Band "Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern" von 1915 hat das Datum Eingang gefunden.
Im Jahr 2003 veröffentlichte Wilhelm Bierschneider im Band "Unterfranken, historische Daten von Städten, Gemeinden und Ortsteilen der Landkreise und der kreisfreien Städte sowie die Entwicklung der Ortsnamen" eine Auflistung der ersturkundlichen Erwähnungen. Für Euerdorf stehen darin die Jahreszahlen 780/ 796 und 803. Auf diese Angaben beruft sich Heinlein.
Der Kreisheimatpfleger warnte zugleich vor einem Missverständnis, das in der Öffentlichkeit leicht entstehe: "Die Ersterwähnung hat mit dem tatsächlichen Alter eines Ortes nichts zu tun. Natürlich sind alle Orte älter als das Datum der urkundlichen Nennung." Dieses sei für eine Jubiläumsfeier aber der übliche Bezugspunkt.
Man dürfe sich die frühen Dörfer auch nicht als Orte im heutigen Sinne vorstellen. Es seien vielmehr Streusiedlungen, einzelne Hofgruppen gewesen.
Darauf könnte zum Beispiel der Ortsname Langendorf hinweisen: Eine sich ursprünglich über einen breiten Raum entlang der Saale erstreckende Ansammlung von Kleinsiedlungen. Erst später, als sich in der Region Herrschaftsbereiche voneinander abgrenzten, erklärt Heinlein, seien die Ansiedlungen zu Dörfern zusammengefasst worden, um sie besser schützen und kontrollieren zu können.