2015 meisterten die Herzogenauracher Gipfelstürmer im Rahmen des P-Seminars "Alpencross" mit dem Fahrrad die Strecke von Mittenwald nach Riva del Garda. Inspiriert von dieser beachtlichen Leistung, entschieden sich die Lehrkräfte Gabriele Studtrucker und Rolf Kraus, eine etwas abgewandelte Form dieses Seminars für den Abiturjahrgang 2018 anzubieten: eine Alpenüberquerung zu Fuß auf dem Fernwanderweg E5.
Kein leichtes Unterfangen. Die Strecke von Oberstdorf nach Meran zu bewältigen bedeutet, 106 km in sieben Tagen zurückzulegen und drei Länder zu durchwandern. Deshalb begannen die sieben Jungen und acht Mädchen, die einen Platz in dem begehrten Seminar ergattern konnten, bereits ein Jahr im Voraus mit intensiven Vorbereitungen für diese Tour. In Gruppen wurde sich um die Reservierung der Hütten und eine geeignete Ausrüstung gekümmert. Außerdem mussten Sponsoren gesucht werden. Um die körperliche Verfassung der Schüler zu testen, gab es Probewanderungen in der Fränkischen Schweiz, schreibt Teilnehmerin Kathrin Bär in einem Pressebericht.
Auf der Tour, die in Spielmannsau startete, begleitete auch Lehrerin Ricarda Schilling die Gruppe, da Rolf Kraus bereits am vierten Tag aus schulischen Gründen abreisen musste. Fünf Tage folgten die Schüler dem klassischen E5, dann ging es über eine Wegvariante nach Meran. Der Platz für Gepäck war begrenzt und ein Orientierungswert von ungefähr zwölf Kilo vorgegeben. Da mussten dann eben mal 3 T-Shirts und eine Hose für eine Woche reichen. Viel wichtiger waren Proviant, genügend Wasser und wetterfeste Jacken.
Obwohl der September eigentlich noch zu den Sommermonaten zählt, war davon in den Bergen nichts zu spüren. Die ersten drei Tage wurde die Gruppe von Nebel und Regen begleitet. Die Sicht war mehr als schlecht und verwehrte den Blick auf die umliegende Gebirgslandschaft.


Umweg mit Bus und Bahn

Auf der Memminger Hütte fiel über Nacht sogar Schnee. Die geplante Überschreitung über die Seescharte konnte deshalb nicht wie geplant durchgeführt werden. Die Schüler waren gezwungen, wieder abzusteigen und die Bergkette, die sie an diesem Tag überquert hätten, mit Bus und Bahn zu umfahren. Sogar die Hütte für die Übernachtung musste umgebucht werden. Glücklicherweise konnte die Tour trotzdem wie geplant weitergeführt werden.
Auch das Wetter besserte sich langsam sichtlich. Auf der Glanderspitze war zum ersten Mal ein unglaublicher Blick auf die Alpen möglich, denn die Berggipfel lagen über den Wolken. Ein gebührender Abschluss für Rolf Kraus, der die Gruppe an diesem Tag mit drei Schülerinnen verlassen musste.
Das gute Wetter hielt an und machte den Weg von der Braunschweiger Hütte zum Hochjoch-Hospiz zum Höhepunkt der Tour: Unter blauem Himmel durch 50 cm Pulverschnee zu laufen macht man schließlich auch nicht jeden Tag. Während der Tour entdeckten die Schüler Gemsen, Steinböcke und Murmeltiere und freuten sich, wann immer es das Wetter und die Sicht erlaubten, über die unberührte Berglandschaft. Natürlich genoss auch jeder, weit weg vom Schulstress zu sein und dieses Abenteuer miterleben zu dürfen.


Hüttenruhe um 22 Uhr

Die Abende wurden gemeinsam in den Gasträumen der Hütten bei gutem Essen, Würfel- und Kartenspielen verbracht, bis es nach der Hüttenruhe um 22 Uhr zum Schlafen in die Matratzenlager ging. Meistens teilten die Schüler diese mit anderen Bergsteigern, doch auf der Memminger Hütte, der Braunschweiger Hütte und dem Hochjoch-Hospiz hatten sie sogar ein Lager für sich alleine. Auf der kleinen Larcheralm war die Gruppe sogar komplett alleine.
Als die Schüler am siebten Tag in Meran ankamen, waren alle unglaublich stolz auf ihre Leistung. Die meisten waren noch nie zuvor in den Bergen gewesen und freuten sich besonders, die Tour hindurch so gut mitgehalten zu haben. Alle waren sich einig: Die Alpenüberquerung war ein unvergessliches Erlebnis, das sie alle zu einem Team zusammengeschweißt hat und an das man sich später immer gerne zurückerinnern würde.