Sigismund von Dobschütz Ein ereignisreiches, manchmal aufregendes, in jedem Fall aber interessantes Berufsleben schildert Heide Sommer (79) in ihren im Ullstein-Verlag veröffentlichten Erinnerungen "Lassen Sie mich mal machen". Kaum ein anderer Titel als dieses fast schon klassische Zitat könnte das arbeitsreiche Leben als langjährige Redaktionssekretärin so bekannter Publizisten wie Rudolf Augstein, Joachim Fest, Günter Gaus und Theo Sommer oder als Privatsekretärin namhafter Schriftsteller wie Fritz J. Raddatz und Carl Zuckmayer oder Altpolitiker wie Loki und Helmut Schmidt sowie Klaus von Dohnanyi besser in einem Satz zusammenfassen.

Es ist ein mit Erlebnissen gespicktes Leben bei der "Zeit" und beim "Spiegel", aus dem die bald 80-Jährige schöpfen konnte. Es waren die Jahrzehnte vor Computer und Internet, als Journalisten ihre Manuskripte noch handschriftlich verfassen, Sekretärinnen die schwer lesbaren Seiten entziffern und mit der Schreibmaschine in Reinschrift bringen mussten. Dann gingen die Texte in die Setzerei, wo Buchstabe für Buchstabe in Bleisatz gesetzt wurde. Zurück kamen die Korrekturfahnen, Texte mussten gekürzt werden, um die Zeitungsseite druckfertig zu bekommen. Spricht man heute gern von Stress, waren Termindruck und Arbeitsbelastung damals nicht geringer.

Äußerst lebendig schildert Sommer ihr Leben an der Seite dieser "großen" Männer - in einer Zeit, als Frauen sich mit dem Job einer Sekretärin begnügen mussten. Doch betont die Autorin mehrfach, dass sie sich keinesfalls in die zweite Reihe gedrängt fühlte, sondern sich als persönliche Assistentin, als Beraterin und engste Vertraute durchaus zu behaupten wusste. Redakteur und Sekretärin waren aufeinander angewiesen, man arbeitete tage- und manchmal nächtelang zusammen. Da war kein Platz für Geheimnisse.

Natürlich erzählt auch Sommer manche Anekdote, schildert Vorkommnisse oder charakterliche Eigenarten ihrer Chefs. Doch absolute Loyalität war immer oberstes Gebot. Dies gilt noch immer. Sommer verrät nichts, was nicht irgendwo schon mal bekannt wurde - ob es Augsteins Alkoholsucht oder Raddatz' Homosexualität ist. Auch Raddatz' vorbereiteten Freitod hat Sommer als dessen Privatsekretärin wenn auch nicht gewusst, aber doch erahnt.

Köstlich zu lesen sind ihre Ferienerlebnisse mit Ehemann Theo Sommer, Chefredakteur der Zeit, in Positano, wo Stern-Herausgeber Henri Nannen sie beide, die doch allein zu zweit sein wollten, mit Cadillac-Cabrio und Yacht umherkutschierte. Oder über Theo Sommers Besuch in Israel, wo der behäbige und dickleibige General Ariel Scharon die ganze Nacht mit Heide tanzte. Oder wie sie am 7. Juni 1972 in einer Hamburger Boutique mit einer jungen Kundin allein war, die sie als RAF-Terroristin Gudrun Ennslin erkannte.

"Ich habe sie alle im Herzen, meine Männer, von A wie Augstein über S wie Sommer bis Z wie Zuckmayer", schreibt die Autorin im Nachwort. Man glaubt es ihr aufs Wort. "Lassen Sie mich mal machen" ist ein Buch voller Sympathie für ihre Chefs und seine Leser begeisternden Erinnerns an ein aufregendes und interessantes Berufsleben.

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