Bayreuth — Basketball-Bundesligist Medi Bayreuth hat die erste Saisonhälfte mit einer Niederlage gegen einen unmittelbaren Konkurrenten in der unteren Hälfte der Tabelle abgeschlossen: Nach den beiden Auswärtssiegen in Chemnitz und Hamburg musste sich das Korner-Team vor dem Doppeleinsatz an diesem Wochenende mit Spielen in Berlin und gegen Oldenburg zu Hause der BG Göttingen mit 80:82 (34:38) geschlagen geben.

Bundesliga

Medi Bayreuth - BG Göttingen 80:82

(20:17; 14:21; 30:27; 16:17) "Wir haben Göttingen in der ersten Halbzeit eigentlich nur durch dumme Fehler ins Spiel gebracht. Dabei waren wir sehr fokussiert in die Partie gestartet. Dann hatten wir eine Phase, in der wir ein paar Mal den Ball ohne jegliche Not weggeworfen haben, was schließlich zum Momentum von Göttingen geführt hat. Ab diesem Zeitpunkt war es ein enges Spiel. Die Niederlage war aber vermeidbar", analysierte Medi-Coach Raoul Korner nach der Partie.

"Die Offensiv-Rebounds, die wir am Ende abgegeben haben schmerzen, aber es hätte einfach nicht so weit kommen müssen", haderte der Österreicher. Doch für die Bayreuther Niederlage gab es weitere Gründe.

Doreth schmerzlich vermisst

"Das ist ein sehr, sehr guter Sieg für uns gegen eine wirklich sehr gute Mannschaft, die heute schmerzlich auf Bastian Doreth verzichten musste", sagte Gäste-Coach Roel Moors. Der durch eine Wadenverletzung aus dem Rennen genommene Bayreuther Kapitän gab auch diesmal alles - allerdings nur am Ende der Auswechselbank: Doreth feuerte seine Teamkollegen unablässig an, doch sein Fehlen konnten die Bayreuther nicht kompensieren - weder defensiv, noch seine ordnende Hand im Ballvortrag.

Nach einem Bayreuther Traumstart in die Partie (15:3, 4.) sorgte der erste Wechsel im Spielaufbau für einen Bruch: Als US-Neuzugang Lazeric Jones (13 Punkte, 5 Assists) Mitte des Auftaktviertels erstmals Platz für den sichtlich bemühten und kämpferisch starken Philip Jalalpoor machte, gingen vorübergehend Ordnung und Kreativität verloren und die Bayreuther hatten Probleme, die Führung vor der ersten Viertelpause zu verteidigen (20:17.).

Bank-Duell an Göttingen

Frank Bartley kam auch diesmal von der Bank, konnte jedoch nicht an die Leistung anknüpfen, mit der er die Bayreuther in Hamburg zum Sieg getragen hatte. Der Medi-Topscorer blieb mit 9 Punkten deutlich unter seinem Saisonschnitt (15,2) und verfolgte die Crunch-Time vom Seitenrand aus.

Die Niedersachsen brachten hingegen einen ihrer Erfolgsgaranten von der Bank. Rihards Lomazs, der in dieser Saison schon sechs Euroleague-Einsätze beim vielfachen französischen Meister ASVEL Villeurbanne verzeichnet hatte, brachte viel Energie mit und steuerte elf Punkte zur Göttinger Pausenführung (34:38) bei. Am Ende der Partie war Lomasz maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Göttinger Bank in Summe mit 22:17 Punkten die Nase vor ihren Bayreuther Kollegen hatten. Zudem servierte der lettische Nationalspieler sechs Assists.

Nachteile im Frontcourt

Die aus Bayreuther Sicht erhofften Vorteile auf den langen Positionen wollten sich nicht einstellen. Zwar lieferte Dererk Pardon eine ordentliche Partie ab und verfehlte mit je neun Punkten und Rebounds nur knapp ein Double-Double. Im Duell der Starting Center mit Göttingens Topscorer Tai Odiase (22 Punkte, 7 Rebounds) zog er dennoch den Kürzeren.

Kaum Impulse kamen von Nationalcenter Andreas Seiferth (6 Punkte, 1 Rebound), für den die Partie nach knapp elf Einsatzminuten noch vor Ende des dritten Viertels mit fünf Fouls beendet war. Auf der Flügelposition rackerte Bayreuths bester Osvaldas Olisevicius (26 Punkte, 8 Rebounds) vorbildlich und fast durchgängig (38:13 Minuten), während Matt Tiby (7 Punkte, 7 Rebounds) erst nach der Pause offensiv Wirkung entfalten konnte. In der Beschattung des starken Göttinger US-Forwards Aubrey Dawkins (20 Punkte, 5 Rebounds) taten sich beide schwer. "Wir haben heute einfach schlecht gespielt, uns zu viele Turnovers erlaubt und in der Defensive nicht gut kommuniziert", war Olisevicius nach Spielende verstimmt.

Bayreuther Dreier fallen nicht

Knapp neun Dreier verwerten die Wagnerstädter im Saisonschnitt, gegen Göttingen gingen nur fünf Würfe mit magerer Trefferquote (28 Prozent) durch die Reuse. Zudem kamen die Hausherren auch nur zu 18 Wurfversuchen (Saisonmittel 23,5) von jenseits der 6,75er-Linie. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass die Hausherren die Entscheidung ausgerechnet aus der Distanz suchten.

Nachdem Routinier Harper Kamp die Gäste nach einem Offensivrebound mit 82:80 in Führung werfen konnte, zeigte die Spieluhr noch rund 18 Sekunden. Raoul Korner rief zur Auszeit und wählte danach den Seiteneinwurf in der eigenen Spielhälfte. Den Bayreuthern gelang es danach jedoch nicht, den Ball ans Brett zu bringen. Vielmehr übernahm David Walker Verantwortung und versuchte sich - nach einem unnötigen Dribbling unter Druck geraten - aus über acht Metern. Sein Wurf sprang mit Ablauf der Uhr jedoch von der Ringkante zurück. Der Helden-Status blieb dem Bayreuther Flügelspieler versagt.