Nein, es war nicht der Höhepunkt des Jahres 1973: Es war der Höhepunkt des Jahrzehnts, auf den sich die Stadt etliche Monate lang generalstabsmäßig vorbereitet hatte. Bamberg-Münzen wurden geprägt, Bamberg-Fahnen entworfen. Man ließ sich spezielle Anstecknadeln, Aufkleber, Schlüsselanhänger mit dem Stadtritter, Briefverschlussmarken und Sonderstempel einfallen, die für die 1000-Jahr-Feier warben. Hausbesitzer brachten Fassaden zum Jubiläum auf Vordermann. Die Stadtwerke illuminierten Bambergs Sehenswürdigkeiten. Und dann wurde vom 6. Mai bis zum Höhepunkt des Geschehens am 8. Juli gefeiert, dass "die Gazetten bis hinüber nach New York berichteten", wie Willy Heckel in "Bamberg im 20. Jahrhundert" bilanzierte.
Ja, die Idee des damaligen Oberbürgermeisters Theodor Mathieu, mit einer so groß angelegten Jubiläumsfeier die Werbetrommel zu rühren, traf ins Schwarze. Für einen entsprechenden Anlass hatte Kaiser Otto II. im Jahr 973 gesorgt, als er seinem Cousin - dem Bayernherzog Heinrich dem Zänker - die Burgsiedlung Papinberc schenkte.
Aber zurück ins Jahr 1973, in dem eine Bamberg-Folge der TV-Show "Spiel ohne Grenzen" zur ersten Großveranstaltung des Großereignisses wurde. Ob Bamberg gewann, wollen Sie wissen? Nein, im Kampf gegen das Hofer Team ging die Mannschaft der Domstadt am 6. Mai im Stadionbad im wahrsten Sinne des Wortes baden - und siegte dennoch: Schließlich wussten Fernsehzuschauer bis in die hintersten Winkel der Republik nun von der 1000-Jahr-Feier an der Regnitz.
Der Campingclub ersann eine "Rallye zu einer Tausendjährigen". Einen Flugtag auf der Breitenau hatte sich der Aeroclub einfallen lassen: Rund 15 000 Zuschauer genossen Willy Heckel zufolge das Spektakel, an dem sich unter anderem auch eine britische Kunstflugstaffel und eine Starfighter-Staffel der Luftwaffe beteiligten. "Grüße des auf den Namen ,Bamberg' getauften City-Jets der Deutschen Lufthansa" überbrachte ein Vorstandsmitglied des Luftfahrtkonzerns. Und Willy Messerschmitt konnte zu diesem Anlass noch einmal in seiner alten Heimatstadt begrüßt werden - fünf Jahre vor seinem Tod.
Ganze 70 000 Besucher kamen zur Nordbayern-Ausstellung, die Ministerpräsident Alfons Goppel eröffnete - mit einer eigenen Halle für das 1000-jährige Bamberg. Ja, hochkarätige Besucher kamen zum Jubiläum an die Regnitz: darunter der britische Premierminister Edward Heath und Bundeskanzler Willy Brandt, der am frühen Morgen des 24. Juni mit einem Sonderzug - "und einem Tross von Journalisten aus der gesamten Bundesrepublik" - eintraf, wie der FT berichtete.
Rund 5000 Menschen erwarteten Brandt bei den ersten "Bamberger Biertagen" auf dem Maxplatz, wo der Kanzler sprechen sollte.Allerdings gab's neben Jubel auch Pfiffe und Buhrufe, neben Plakaten wie "Willy - wir grüßen dich" Transparente, auf denen "Willy go home" zu lesen war.
Die "Fristenlösung" im andauernden Streit um den "Abtreibungsparagraphen" 218 und die Ostpolitik Brandts erzürnten die Gemüter. Aus der Ruhe bringen ließ sich der prominente Gast aber nicht, der seine Ansprache mit den Worten begann:  "Ich bedanke mich bei denen, die gekommen sind, um zu hören, nicht um zu stören." Diesen Zuhörern versicherte der Kanzler dann auch, dass der Bundesregierung am Erhalt der historischen Stadt liege, die - am Zonenrand - vom Grundlagenvertrag mit der DDR profitieren werde. Und saß zehn Minuten später schon am Biertisch, wo Brandt "eineinhalb Seidla Rauchbier trank, Laugenbrezen aß und Autogramme gab", wie der FT festhielt.
Der nächste Höhepunkt der Feierlichkeiten: ein in der Alten Hofhaltung stattfindender Festakt, bei dem die Partnerschaftsverträge mit Villach und Rodez unterzeichnet wurden. An gleicher Stelle gingen erstmals die zum Jubiläum aus der Taufe gehobenen Calderón-Spiele mit dem Schauspiel "Das Leben ist ein Traum" über die Bühne.
Zum krönenden Abschluss bewegte sich dann am 8. Juli ein Festzug durch die Innenstadt, der Heckel zufolge "mindestens 100 000 Zuschauer" fand. Sie sahen das "Kaiserpaar" hoch zu Ross, mit dem eine Reise durch die Geschichte der nun 1000-jährigen Stadt begann. "Bamberg wurde sich noch einmal für ein paar Stunden seiner geschichtlichen Bedeutung bewusst", schrieb Monika Kreiner-Reichmann in dem vom FT unmittelbar nach der 1000-Jahr-Feier veröffentlichten Buch "Bamberg 1000". "Gemessen an dieser historischen Größe wurde der Festzug mehr als eine imposante Selbstdarstellung: Er wurde zu einem Stück Welttheater."