Vor knapp 100 Jahren wurde die katholische Pfarrkirche "St. Johannes der Täufer " in Ludwag nach mehreren Anläufen und verschiedenen Entwürfen nach den Plänen des Augsburger Architekten Michael Kurz erweitert. Nach dem Weißen Sonntag 1923 begann man mit dem Rückbau des alten Kirchenschiffs und konnte bereits im Oktober darauf den Rohbau einweihen. 1924 im Oktober feierte man dann die Weihe durch den damaligen Erzbischof.

Vermutlich gehört Ludwag zu den Standorten der 14 Slawenkirchen, die Karl der Große um 800 gründen ließ. Der historische Sakralbau ist im Kern eine der ältesten Landkirchen der Erzdiözese Bamberg und eine der noch erhaltenen, im Ursprung weit zurückreichenden Wehrkirchen in Oberfranken. Trotz der im Laufe der verschiedenen Bauepochen vorgenommenen Um- und Anbauten lässt sich der wehrhafte Charakter der Kirche , in der die Gläubigen auch Schutz und Zuflucht fanden, nachempfinden. Die erste Kirche wird bereits in der Romanik überbaut, der Chorturm aus dem 13. Jahrhundert, dessen Bausubstanz unten romanisch, oben gotisch ist, ist noch erhalten. Eine Erweiterung fand 1670/1671 statt. Das Inventar aus der Zeit vor dem Neubau blieb erhalten, der Hochaltar mit Baldachin, ein Werk des bekannten fränkischen Bildhauers Friedrich Theiler von 1814. Die Seitenaltäre sind etwas älter, im Kern um 1720, die Kanzel sogar noch früher. Im Eingangsbereich der Kirche befindet sich eine Vespergruppe, die in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiert wird. Die Pietà ist in eine Gedenktafel für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs eingebettet.

Das derzeitige Aussehen erhielt die Pfarrkirche bei der letzten Renovierung 1975, wo der Altarraum Volksaltar und Ambo erhielt. Das moderne Triptychon des örtlichen Künstlers Erhard Schütze mit der Darstellung von Kaiser Heinrich II, Kaiserin Kunigunde und der Mystikerin Columba Schonath führt in die künstlerische Darstellung der Neuzeit. Turmhelm mit Turmzier und Naturschiefereindeckung wurden erst in den 2000er Jahren überarbeitet.

Zum anstehenden Jubiläum steht wieder eine Sanierung des Gotteshauses an. Wieder war der Beginn von der Kir-chenverwaltung nach dem Weißen Sonntag geplant. Gern hätte der Hollfelder Architekt Georg Schilling, der das Projekt betreut, die Kirchengemeinde vorab nach einem Gottesdienst informiert. Doch die Corona-Pandemie verhindert die Versammlung und verschiebt sogar die diesjährige Kommunionfeier. So wird der Baubeginn auf Mitte März vorgezogen. Bereits in den Wintermonaten konnte in Eigenregie der Dachboden nach statischen Angaben mit Diagonalschalung ausgesteift und das Dachtragwerk ertüchtigt werden.

Vor über 40 Jahren wurden der Innenraum der Kirche sowie die Altäre letztmalig restauriert. Allerdings ist die damalige Farbgebung und Ausführung hinsichtlich der Grundsätze der Denkmalpflege nicht unumstritten. In Abklärung mit dem Erzbischöflichen Bauamt , der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist ein neues Farbkonzept im Inneren der Kirche zu erarbeiten.

Wände und Böden trocken legen

Die Trockenlegung von Außenwänden und Fußboden ist das erste und vordringlichste Gebot. Eine Erneuerung des gesamten Fußbodenaufbaues mit entsprechender Unterkonstruktion und Abdichtung wird angestrebt. Partiell ist der durch Feuchtigkeit und Salze stark angegriffene Sockelputz abzunehmen und mit Kalkputz neu aufzuziehen. Marode Mauerwerksteile sind abschnittsweise mit adäquaten Materialien zu erneuern. Eine Wandtemperierung mit Anschluss an die benachbarte Biomasseheizung ist in Planung. Der Natursteinbelag im Langhaus ist teilweise abgesplittert, verfärbt und vermoost. Die Natursteinfliesen liegen im Mörtelbett direkt auf erdfeuchtem Bausand. Die vorhandenen Natursteinplatten werden seitlich gelagert, ein Wiedereinbau in Teilbereichen in Kombination mit Natursteinplatten aus Jurakalk ist angedacht. Zum Altarraum hin wird eine massive Blockstufe nach Detail eingebaut.

Am 15. März soll mit dem Ausbau des Kirchengestühls, der Holzpodeste, der Natursteinplatten, Figuren usw. begonnen werden. Danach werden erstmal die Archäologen den Untergrund untersuchen, bevor die Fußbodenarbeiten weitergehen können. Einstimmig beschloss die Kirchenverwaltung den Einbau von neuen Holzpodesten und die Überarbeitung des Kirchengestühls. Die schmale Gebetbuchablage wird dabei entsprechend verbreitert. In der Raumschale werden Wand- und Deckenflächen gesäubert und in Teilbereichen (Rissbildung) überarbeitet. Durch eine Voruntersuchung sind historische Farbgebungen für das neue Farbkonzept zu erforschen. Der Kirchenrestaurator Erwin Bickel wird die Altäre und Heiligenfiguren denkmalgerecht überarbeiten. Ein neues Beleuchtungskonzept mit den vorhandenen Pendelleuchten im Langhaus ist die weitere Aufgabe. Die gesamte Elektrifizierung entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik und ist neu zu installieren. Augenfällig wird die Neuordnung des Altarraumes mit dem Rückbau des vorhandenen Holzpodestes unter dem Zele­brationsaltar auf die ursprüngliche Höhe vor dem Hochaltar, Herausnehmen der Teppiche und der Aufstellung von Priestersitz en werden. Überlegungen zur Neuschaffung eines Volksaltars mit Ambo wurden verworfen.

Wiedereröffnung bis Weihnachten?

Nach Detaillierung der Maßnahmen mit dem Bauamt des Erzbischöflichen Ordinariats und Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege , Abklärung der Finanzierung und Förderanfragen können die Sanierungsarbeiten in einem geschätzten Kostenrahmen von circa 495 000 Euro nun beginnen. Förderanträge an das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg, Oberfrankenstiftung , Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege , Bayerische Landesstiftung, Landkreis Bamberg und der Stadt Scheßlitz sind gestellt und teilweise zugesagt. Durch Eigenleistungen und Spanndienste, insbesondere bei den Rückbauarbeiten, sollen die Sanierungskosten minimiert werden.

In der Hoffnung, dass Corona nicht einen Strich durch die Rechnung macht, ist die Wiedereröffnung der Kirche bis Weihnachten 2021 angedacht. gs