Mit Transgender-Badetagen will Nürnberg etwas gegen die Diskriminierung von nicht-heterosexuellen Bürgern tun. An vier Sonntagen im Jahr soll die LSBTIQ-Community ein städtisches Schwimmbad nutzen können. „Ein erster Schritt in Richtung Entdiskriminierung ist geschafft“, betont Grünen-Stadtrat Uwe Scherzer, der sich in Frauenkleidern auch Uschi Unsinn nennt. Er freut sich, dass die Mitglieder des städtischen Schwimmbad-Ausschusses mit großer Mehrheit seinem Antrag zur Einführung eines Transgender-Badetags zustimmten.

Trans-Personen müssen laut Scherzer/Unsinn noch immer täglich Ausgrenzungen und Diskriminierungen im Alltag erleben. Besonders bei Sportangeboten sei oft eine diskriminierungsfreie Nutzung aufgrund der klassischen Aufteilung der Umkleidekabinen in Sanitärräume für Damen und Herren nicht gegeben.

„Umso mehr freuen wir uns, dass nun ein Anfang gemacht wurde und das Katzwangbad vorerst einmal im Quartal an einem Sonntag ausschließlich für Trans- und Intersexuelle öffnet“, erklärt der queerpolitische Sprecher der Nürnberger Grünen. Die fränkische Queer-Community bekomme nun ein geschütztes Bad, in dem sie ungestört und diskriminierungsfrei schwimmen könne.

Kein Angebot

Bislang habe es in der gesamten Metropolregion noch keine ausgewiesenen Bademöglichkeiten speziell für trans- oder intergeschlechtliche Menschen gegeben, so Scherzer/Unsinn, der seit über 30 Jahren als Uschi Unsinn in Frauenkleider schlüpft.

Für den ersten Testlauf schlagen die Bäderbetriebe der Stadt Nürnberg das relativ kleine Katzwangbad vor. Dort können die queeren Badegäste an vier Sonntagen im Jahr von jeweils 8 bis 10.30 Uhr nach Herzenslust ins Wasser steigen. Voraussetzung sei, das ein Verein das Bad anmiete und für die Aufsicht am Beckenrand sorge.

„Das ist super. Erst zum Schwimmen und danach zum Brunchen“, freut sich Uwe Schwerzer alias Uschi Unsinn auf Anfrage und verweist darauf, dass ein Verein wie „Fliederlich“ die Mietkosten für die queeren Badewonnen in Höhe von jeweils rund 150 Euro pro Sonntag bezahlen und die reibungslose Durchführung eines Trans-und Intergender-Badetags auf die Beine stellen könnte.

Masterplan wird aufgelegt

Derweil ist die Frankenmetropole auch darüber hinaus wild entschlossen, im Rahmen des neuen Masterplan „Queeres Nürnberg “ bis zum Jahr 2025 weitere Schranken für die LSBTIQ-Community abzubauen. Derzeit ist die Verwaltung dabei, mit der queeren Szene ins Gespräch zu kommen. Im Rahmen des Christopher-Street-Days soll im August beispielsweise ein „Speed-Dating“ zur unkomplizierten Kontaktaufnahme mit der Verwaltung stattfinden.

Laut Uwe Scherzer/Uschi Unsinn brauche es viele weitere Bausteine, um die queere Diskriminierung vollständig zu beenden.

Beispielsweise wünsche sich die queere Jugend in Nürnberg einen eigenen Jugendtreff . Die Vereinsräume vom Schwul-Lesbischen-Zentrum „Fliederlich“ würden bereits aus allen Nähten platzen, klagt Scherzer/Unsinn, der seit einem Jahr für die Grünen im Nürnberger Stadtrat sitzt und sich auch in dieser Funktion besonders für die Gleichberechtigung der fränkischen LSBTIQ-Community einsetzt.