Mit schwerem Schock in die Klinik

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Bei der Hitze sind Rettungskräfte einer besonderen Belastung ausgesetzt.Fernando Gutierrez-Juarez/Thomas Warnack
Bei der Hitze sind Rettungskräfte einer besonderen Belastung ausgesetzt.Fernando Gutierrez-Juarez/Thomas Warnack
Enorme Temperaturen wurden am zurückliegenden Wochenende in der Region erreicht.
Enorme Temperaturen wurden am zurückliegenden Wochenende in der Region erreicht.
 

In der Notaufnahme war an dem Hitze-Wochenende viel los. Was Mediziner raten.

Die Temperaturen erlauben aktuell ein Durchschnaufen, das nach dem zurückliegenden Hitzewochenende alle nötig haben dürften. In der Notaufnahme der Helios-Frankenwaldklinik in Kronach hatte das Team alle Hände voll zu tun. Leitender Oberarzt Mohamad Alhmidi spricht von einem deutlich erhöhten Patientenaufkommen über alle Altersgruppen hinweg. Zu den häufigsten Beschwerden gehörten akute Kreislaufprobleme, Dehydration sowie erhebliche Sonnenbrände. Viele Betroffene hätten sich schlicht zu lange der prallen Sonne ausgesetzt – besonders beim Besuch im Schwimmbad – und dabei nicht ausreichend alkoholfreie Flüssigkeit zu sich genommen. „Einige Patienten befanden sich aufgrund des massiven Flüssigkeitsverlusts und der Hitzeeinwirkung sogar in einem schweren Schockzustand und mussten umgehend intensivmedizinisch stabilisiert werden“, erklärt der Leiter der Notaufnahme.

Der klinische Ablauf habe trotz des hohen Andrangs und der heißen Temperaturen durch den großartigen Einsatz des Teams vollumfänglich und ohne größere Beeinträchtigungen aufrechterhalten werden können, heißt es seitens der Abteilung für Marketing und Kommunikation des Klinikverbundes auf Nachfrage dieser Zeitung.

Aufgeheizte Räume

Doch auch die Frankenwaldklinik selbst war von den außergewöhnlich hohen Außentemperaturen betroffen. In einem Bestandsgebäude lasse sich eine Erwärmung der Räume bei einer Hitzewelle dieser Intensität trotz aller Maßnahmen nicht vollständig vermeiden, so Sprecherin Katharina Kurzweg. Auf einer geriatrischen Station beispielsweise seien umfassende Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt worden. Dazu gehörten die konsequente Verdunkelung der Patientenzimmer, das regelmäßige Durchlüften in den kühleren Nacht- und Morgenstunden sowie der unterstützende Einsatz von Ventilatoren in geeigneten Bereichen. Das ärztliche und pflegerische Personal habe die Patienten engmaschig beobachtet. Ergänzend wurden lauwarme Fußbäder angeboten sowie Eis verteilt. „Für uns hatte und hat die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Patientinnen und Patienten oberste Priorität“, betont Kurzweg.

Sonne oft unterschätzt

Mit diesen Rekordtemperaturen hat der Sommer gerade erst begonnen. Deshalb geben die Mediziner den Bürgerinnen und Bürgern für kommende heiße Tage folgende Empfehlungen: Sonne meiden – insbesondere in den Mittagsstunden. „Halten Sie sich im Schatten auf!“ Man sollte, noch bevor das Durstgefühl einsetzt, auf eine ausreichende und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr achten – vorzugsweise Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Säfte.

Beim Aufenthalt im und am Schwimmbecken werde die Intensität der Sonne oft unterschätzt. Ausreichender Sonnenschutz und Kopfbedeckung seien unerlässlich.

Genügend zu trinken ist auch für die Ehrenamtlichen im Brandschutz ein wichtiges Thema. Kreisbrandrat Frank Fischer betont, es werde darauf geachtet, dass auf allen Fahrzeugen entsprechende Getränke für die Mannschaft verfügbar sind. In der Verantwortung der jeweiligen Einsatzleiter vor Ort liegen Entscheidungen, wann beispielsweise Jacken abgelegt werden können. Auch auf Ruhephasen werde geachtet. Die Kommandanten seien entsprechend geschult.

Am vergangenen Wochenende mussten Feuerwehrleute zu mehreren kleineren Vegetationsbränden ausrücken. Betroffen waren nach Auskunft des Kreisbrandrats beispielsweise Straßengräben und Bahndämme im Bereich Pressig, Neukenroth und Burggrub.

Wieder Vegetationsbrände

Die Thüringer Nachbarn hatten von den Feuerwehren Pressig und Stockheim Unterstützung mit deren wasserführenden Fahrzeugen erbeten, als es galt, bei Jagdshof (Kreis Sonneberg) einen mit Heuballen beladenen Anhänger zu löschen. Es war nötig, eine längere Schlauchstrecke zu legen. Glücklicherweise seien alle Brände schnell erkannt worden, so dass eine größere Ausweitung habe verhindert werden können.

Fabian Kristek, Leiter Rettungswesen beim BRK-Kreisverband Kronach, konnte am zurückliegenden Wochenende keine signifikante Steigerung der Einsatzzahlen beobachten – bei dem davor allerdings schon. Vom 19. bis 21. Juni habe man über 45 Einsätze pro Tag verzeichnet, während es im Juni „normalerweise“ 30 bis 33 pro Tag seien. Überwiegend habe es sich auch bei den Einsätzen am vergangenen Wochenende wieder um Kreislaufprobleme gehandelt.

Eis fürs BRK-Team

Wie gehen die Teams im Rettungsdienst selbst mit der Hitze um? „Viel trinken!“ lautet auch hier der Rat. Beim BRK stehen laut Kristek Wasserspender zur Verfügung – und um diese Jahreszeit auch eine Eistruhe, aus der sich die Mitarbeitenden kostenlos bedienen dürfen.

Für die Polizei war das zurückliegende Wochenende trotz der Hitze durchaus ein normales, wie Inspektionsleiter Matthias Schuhbäck feststellt. Er habe eher das Gefühl gehabt, dass weniger Leute unterwegs waren. Durchaus vernünftig findet er angesichts der Gefahrenlage Entscheidungen, Johannisfeuer nicht oder nur symbolisch durchzuführen. In Glosberg etwa habe man unter der Regie der Feuerwehr nur eine Feuerschale entzündet.

„Die Hitze geht aber auch an den Kolleginnen und Kollegen nicht spurlos vorbei“, weiß der Polizeichef. Es sei wichtig, darauf zu achten, dass der Wasserhaushalt passt. „Eigenvorsorge ist das A und O.“