Sind sie noch - oder schon wieder da? Die Frage stellt sich beim Anblick der Störche, die im Landkreis bei nahezu geschlossener Schneedecke und frostigen Temperaturen zu sehen sind. Leser des Fränkischen Tags machen sich Sorgen, wie wohl die Weißstörche durch den Winter kommen und "ob man ihnen unter die Flügel greifen muss".

"Entwarnung" gibt der Landesbund für Vogelschutz . Ein Eingreifen sei nicht notwendig. Die großen Vögel seien durch ihr relativ dickes Gefieder gut geschützt und kämen daher gut ein bis zwei Wochen mit wenig oder sogar ganz ohne Nahrung aus.

Thomas Stahl , lokaler Storchenbeauftragter im Landkreis Bamberg, hat ein Auge auf die Tiere und kennt das Verhalten "seiner" Störche ziemlich genau. Auch bei der aktuellen Schneelage würden die Störche ausreichend Futter finden, erklärt er im Gespräch mit dem FT. In Talauen, wo sich in den letzten Tagen und Wochen Hochwasser ausgebreitet hat, seien die Wiesen meist offen. Die Störche würden ausreichend Regenwürmer, kleine Fische und andere Kleintiere finden. "Sie wissen genau, wo Talauen überschwemmt sind", sagt Stahl . Störche scheinen aber nicht nur "treu" - wenn es um ihr Nest geht -, sondern auch klug und sehr flexibel zu sein. Sollte futtermäßig gar nichts mehr gehen, würden die Störche - auch die aus Frensdorf und Vorra - die Kompostanlagen in der Umgebung ansteuern, erzählt Thomas Stahl . Dort würden sie Mäuse und andere Nahrung vorfinden. Ein Teil der Störche im Landkreis Bamberg trete die weite Reise in wärmere Gefilde an, ein Teil verbringe den Winter aber hier, weiß der Experte.

Intelligente Tiere

Tina Sickmüller vom Kinderhort "Heinershof" in Stolzenroth (Gemeinde Pommersfelden) berichtet, dass ein Paar ihrer insgesamt vier Störche den Winter über hier bleibt. Das andere Paar gehe auf die Reise in den Süden. Intelligent sind auch die Stolzenrother Störche: Bei geschlossener Schneedecke und einem geringen Nahrungsangebot fliegen sie als Tagesgäste in den Tiergarten nach Nürnberg und finden dort einen gedeckten Tisch vor.

"Am Ende ist es für die Störche bei uns hier sicherer, als in entfernte Länder zu fliegen", sagt Stahl . Etliche Tiere seien mit modernster Satellitentechnik ausgestattet worden. Deren Flüge würden über die Sender nachverfolgt und die Bewegungsmuster aufgezeichnet. Deshalb könne man sicher sein, "dass einige Tiere im Kochtopf gelandet sind". Die "Nachsuche", durch den Sender problemlos möglich, habe ergeben, dass Reste von Tieren "versteckt", in der Erde vergraben wurden. Von Hunger geplagten Menschen in Afrika könne man das aber nicht verübeln.

Vom Füttern ist abzuraten

Von der Einrichtung von Futterstellen rät der Landesbund für Vogelschutz ausdrücklich ab. Füttern sei eher hinderlich, weil sich die Tiere daran gewöhnen und so von der Fütterung abhängig werden. Träte tatsächlich eine Nahrungsknappheit auf, würden die Störche von sich aus "einen Teilzug", zum Beispiel an den Bodensee antreten.

Auch die aktuellen Minusgrade könnten Meister Adebar kaum etwas anhaben. Das Körpervolumen sei viel größer als das anderer Vögel. Sie könnten daher viel mehr Wärme speichern als kleine Singvögel . Meisen, Spatzen oder Rotkehlchen , die ja auch hier überwintern, seien viel mehr von eisigen Temperaturen betroffen. Für diese Vögel könne eine Futterstelle im Garten die ideale Unterstützung sein, um neue Energie zu tanken, so der Landesbund für Vogelschutz . Die Störche hingegen hätten "ihre eigene Daunenjacke" immer dabei.