Marion Krüger-Hundrup

Ein grundlegender Tenor dieses Podiumsgespräches: Nicht Neubauten auf immer weniger zur Verfügung stehenden Flächen wirken dem gravierenden Wohnungsmangel entgegen, vielmehr ist eine Konzentration auf den Bestand erforderlich. Energieeffizient sanieren statt bauen, zu groß gewordene Wohnungen nach dem Auszug der Kinder gegen kleinere tauschen, Bauvorschriften und Regulierungen zurückfahren und vieles mehr an Vorschlägen: Der „Liberale Baukongress 2021“ in der Brose Arena sparte nicht mit Visionen von günstigerem und ausreichendem Wohnraum gerade in den Städten.

Die speziellen Bamberger Wohnungsprobleme besonders für junge Familien wurden zwar angesprochen, aber nicht im Detail gelöst. Wobei die Visionen durchaus auf Bamberg übertragen werden können.

Veranstalter dieses hybriden Austausches – etwa 60 Interessenten verfolgten ihn via Livestream – war die FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag . Der Forchheimer Landtagsabgeordnete Sebastian Körber , Vorsitzender des Ausschusses für Wohnen, Bau und Verkehr des Landtags, moderierte das Gespräch. Auf dem Podium: Rudolf Limmer, Präsident des Verbands Wohneigentum in Bayern, Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des Deutscher Mieterbund Bayern, Wolfgang Schubert-Raab, Präsident des Landesverbands Bayerischer Bauinnungen und Andrea Heil, Sprecherin der Architects for Future in Bayern.

Volker Wissing , Generalsekretär der FDP , plädierte in seinem Impulsvortrag für einen Ausbau der Digitalisierung auch im Bauwesen und für eine „starke, wettbewerbsfähige, kreative Soziale Marktwirtschaft, die in der Lage ist, zu investieren“. Staatlich festgelegte Preise für Wohnraum „funktionieren nicht“, meinte Wissing, der auch „Krankenschwestern und Facharbeiter in der Stadt halten will“. Ein Weg aus dem Mangel an bezahlbaren Wohnungen seien „schnellere Genehmigungsverfahren im Bereich der privaten Bauwirtschaft wie in der öffentlichen Infrastruktur“. Die Verkehrsinfrastruktur etwa dürfe nicht nur aus städtischer Sicht betrachtet werden, sondern müsse die ländlichen Regionen mit dem ÖPNV anbinden.

Die Podiumsteilnehmer tauschten sich in den drei Themenblöcken „ Baukosten “, „Wohneigentum“ und „Wie werden wir in Zukunft wohnen?“ aus, ohne dass es zu nennenswerten Kontroversen kam. Die Leistungsträger und Multiplikatoren der Bau-, Wohnungs- und Immobilienbranche beklagten die rasant gestiegenen Baukosten durch „galoppierende“ Materialpreise, Energiekosten , Entsorgungskosten und Kosten, die auf politische Eingriffe zurückzuführen sind.

Sanierungsstandard senken

Gestiegene Qualitätsansprüche – „wenn jemand ein Haus baut, dann wie eine Burg für die nächsten 1000 Jahre“ – sowie ordnungsrechtliche Vorgaben der öffentlichen Hand wie beispielsweise Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Statik, Brand- und Schallschutz sollen weitere Kostentreiber sein.

Eine Forderung des Podiums lautete denn auch, dass „der Sanierungsstandard gesenkt werden muss, damit es bezahlbar bleibt“ (Rudolf Limmer). Den Wohnraumbestand „kostengünstig energetisch zu verbessern, wird einem durch die Vorschriften schwer gemacht“ (Andrea Heil). Es sei nötig, „eine vernünftige, gesunde Wende von den Vorschriften zu den Wünschen der Kunden hinzubekommen“ (Wolfgang Schubert-Raab).

Die Gesprächspartner setzten sich dafür ein, statt immer nur zu „bauen, bauen, bauen“ zuerst den Haus- und Wohnungsbestand zu nutzen und umzubauen. Auf dem Land müsse der vorhandene Leerstand erfasst und gemanagt werden. Und „die Politik muss schrumpfende Gebiete aufwerten“ (Andrea Heil). Besonders in den Städten ist ein Mietenstopp für zunächst sechs Jahre nötig, um die steigenden Mieten in den Griff zu bekommen: „Das ist aber auch keine letzte Lösung.“ (Monika Schmid-Balzert).

Privates Wohneigentum als wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge wurde angesprochen, für das es Förderinstrumente geben müsste wie zum Beispiel der Wegfall der Grunderwerbssteuer: „Vom Baukindergeld ist die FDP nicht begeistert, das ist ein Flop.“ ( Volker Wissing )

Das Podium unternahm einen gedanklichen Ausflug in die Zukunft. Darin „geht es aus den Ballungsräumen zurück auf das Land bei den Möglichkeiten, dezentral zu arbeiten“. (Rudolf Limmer). Oder: „Wir wohnen in der Stadt auf bisher ungenutzten Gewerbe- und Büroflächen, auf jeden Fall grüner mit Artenvielfalt“ (Andrea Heil).