Sein Name stand für unterhaltsame, aber gehaltvolle eineinhalb Stunden, in denen es dieser außergewöhnliche Musik-Vermittler und Pianist schaffte, Anfängern wie Kennern gleichermaßen die Werke Richard Wagners nahezubringen: Stefan Mickisch , der Wagner-Erklärer, ist überraschend im Alter von 58 Jahren in seiner Heimatstadt Schwandorf gestorben.

Die Einführungsvorträge zu den Aufführungen der Bayreuther Festspiele , die er ab 1998 gut eineinhalb Jahrzehnte im Auftrag des Richard-Wagner-Verbands Bayreuth abhielt, waren für sich schon ein Festspiel-Ereignis. Wie kein anderer konnte Mickisch den Inhalt der Musikdramen, Funktion und Wirkung sowie den großen Bogen der Musik auf den Punkt bringen. Das war in Kombination mit seinem Witz, seinem Charme und seinem Oberpfälzer Idiom schon einmalig, wurde aber noch übertroffen von seinem pianistischen Können.

Mit seinen Matineen und den eigenen Wagner-Transkiptionen, die er zahlreich auf seinem Label Fafnerphon einspielte, wurde er so berühmt, dass er bald auch international und in Bezug auf andere Komponisten gefragt war. Seine Klaviertranskriptionen der Wagnerschen Werke sind nichts anderes als die Quadratur des Kreises: Da holt ein brillanter Pianist aus einem Flügel an Wagnerklängen und - farben fast alles heraus, was sonst nur ein groß besetztes Orchester schafft, und bezieht auch noch Gesangsstimmen mit ein, alles nur mit zwei Händen. Großartig.

Manche sagen, dass ihm der Ruhm zu Kopf gestiegen sei. Jedenfalls endete die Zusammenarbeit mit dem Bayreuther Wagner-Verband, ohne dass die Öffentlichkeit erfuhr, warum. Er blieb aber präsent - inzwischen astrologisch angehaucht und zunehmend kritisch nicht nur gegenüber dem Regietheater.

Abgeführt von der Polizei

Als er 2013 bei einer Wagner-Aufführung in der Oberfrankenhalle von der Polizei abgeführt werden musste, war er bereits ein Wutbürger, auch wenn es das Wort in der heutigen Bedeutung noch gar nicht gab. 2014 postete er auf Facebook , dass er Wagner vom Antisemitismus-Vorwurf reinwaschen wolle, 2020 bezeichnete er die Politik der Bundesregierung als "Coronafaschismus" und verglich sich selbst mit Widerstandskämpfer Hans Scholl .

Daraufhin entzog der mit ihm befreundete Wahnfried-Direktor Sven Friedrich ihm das Du und erklärte ihn zur "unerwünschten Person" in der Villa Wahnfried.