Mit der Band kann ich nur alle paar Jahre auf Tour gehen. Solo bin ich das ganze Jahr unterwegs und kann auch an Orte kommen, die für eine große Band wirtschaftlich gar nicht möglich wären. Außerdem hören die Menschen die Lieder dann so, wie sie ursprünglich entstehen – mit einer Stimme und einem Instrument. Im Grunde können sie mir dabei zusehen, wie meine Songs geboren werden. Für mich schließt sich damit auch ein Kreis, denn genauso habe ich als Student angefangen.
Sie haben sich immer wieder in gesellschaftliche Debatten eingemischt. Hat sich Ihre Rolle als Künstler verändert?
Meine Rolle nicht, aber meine Position innerhalb der Gesellschaft. Ein Künstler sollte sich nie zu bequem in den bestehenden Verhältnissen einrichten. Ich möchte meine Gedanken anbieten und Menschen überzeugen – aber nicht überreden. Entscheidend ist für mich der Dialog. Ich habe den Eindruck, dass wir heute immer weniger miteinander reden und einander zuhören. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung.
Sie schreiben seit Jahrzehnten Lieder, Bücher und Essays. Woher kommt diese ungebrochene Kreativität?
Das weiß ich selbst nicht. Ich habe einen unausrottbaren Spieltrieb. Ich muss einfach mit Worten und Tönen arbeiten. Die Ideen suche ich nicht – sie finden mich. Ich hatte noch nie eine Schreibblockade. Im Gegenteil: Mit den Jahren sind es eher mehr Ideen geworden. Ich habe inzwischen schätzungsweise 14.000 Texte geschrieben. Die allermeisten davon werden niemals veröffentlicht.
„Dein ist mein ganzes Herz“ begleitet Sie seit mehr als 40 Jahren. Hat sich Ihr Blick auf dieses Lied verändert?
Natürlich. Ich habe nie ganz verstanden, warum gerade dieses Lied so ein riesiger Erfolg geworden ist. Es zeigt nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was ich eigentlich mache. Aber es hat natürlich auch etwas Schönes: Selbst Menschen, die meinen Namen nicht kennen, erkennen mich sofort, wenn ich den Titel nenne. So ein Lied zu haben, ist ein großes Geschenk.
Ihr aktuelles Album „Angebot und Nachfrage“ wirkt persönlicher und nachdenklicher. Ist das eine Folge des Älterwerdens?
Ich würde sagen: persönlich, emotional und stellenweise auch zornig. Besonders glücklich bin ich über die Zusammenarbeit mit meinem Produzenten Udo Rinklin. Er bringt Ideen ein, auf die ich selbst nie gekommen wäre, und fordert mich immer wieder heraus. Dadurch habe ich das Gefühl, musikalisch noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht zu haben.
Sie blicken inzwischen auf fast fünf Jahrzehnte Karriere zurück. Worauf schauen Sie heute mit besonderer Dankbarkeit?
Insgesamt bin ich einfach dankbar, dass ich so viele Jahrzehnte dabei sein darf. Ich habe viele Karrieren kommen und gehen sehen. Ich darf immer noch mitspielen im großen Theater. Natürlich gab es Höhen und Tiefen, Fehler und Rückschläge. Künstler zu sein, ist eine besonders verschärfte Form von Leben. Aber wenn ich zurückblicke, überwiegen die hellen Töne. Es gab unvergessliche Konzerte und Momente im Studio. Ich würde es alles noch einmal genauso machen.
Was wünschen Sie sich, dass die Besucher nach Ihrem Konzert mit nach Hause nehmen?
Ein Leuchten und ein Lächeln auf ihrem Gesicht natürlich.
Interview: Lukas Pitule