Über die Probleme und Schwierigkeiten, eine Corona-Impfung zu bekommen, wird viel diskutiert. Für zahlreiche Landkreisbewohner, die es immerhin schon geschafft haben einen Impftermin zu bekommen, gibt es jedoch noch eine weitere Hürde: Wie komme ich zum Impfzentrum in der Brose-Arena in Bamberg? Denn gerade die über 80-Jährigen, die derzeit an der Reihe sind, haben oft kein eigenes Auto und sind also auf Verwandte, Bekannte oder den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Und Letzterer ist bekanntlich in weiten Teilen des Landkreises immer noch stark ausbaubedürftig.

In der Stadt Bamberg fahren seit einigen Tagen Shuttlebusse im Stundentakt von der Willy-Lessing-Straße und der Post am Bahnhof zum Impfzentrum in der Forchheimer Straße. Landkreisbewohner müssten also zunächst mit ihrer Standard-Regionalbusverbindung zum ZOB oder Bahnhof, um dort umzusteigen. Wäre nicht ein direktes Impfshuttle aus dem Land eine bessere Lösung? Immerhin hat die Kreistags-SPD bereits Anfang Februar einen Antrag an den Kreistag gestellt, der unter anderem einen sogenannten Impfbus beinhaltet. Doch der ist nicht so einfach zu organisieren. Landkreis-Pressesprecher Frank Förtsch führt dafür auf FT-Nachfrage verschiedene Gründe an. So sei die Belieferung mit Impfstoff , auf der Impftage und Terminvergaben aufbauten, bisher kurzfristig erfolgt. Zudem müsse immer damit gerechnet werden, dass jemand aus der einen Gemeinde seinen Termin, etwa wegen Krankheit, absage und der Termin dann an jemanden aus einer anderen Gemeinde vergeben werde. "Wir sehen natürlich die Herausforderung und haben deshalb das Impfzentrum gebeten, ein Konzept zu erstellen, um den Bedarfen der Landkreisbevölkerung Rechnung zu tragen", sagt Förtsch. Es seien verschiedene Ansätze diskutiert worden.

Der SPD-Ansatz lautet: "Der Impfstoff soll zu den Menschen kommen", wie es der Fraktionsvorsitzende Jonas Merzbacher in dem Antrag formuliert. "Neben einem Impfbus tragen mobile Impfteams, aufsuchende Impfungen oder die Zulassung von Zweigstellen vom Impfzentrum (z. B. in Rathäusern) zur Verbesserung bei", so Merzbacher weiter. Die fehlende Anbindung des ÖPNV und die Anfahrtszeit von teilweise weit über einer Stunde, dazu Aufenthaltszeit und Rückweg von wieder über einer Stunde halte die SPD für unzumutbar, besonders für ältere Mitbürger. "Durch die mobile Lösung eines Impfbusses könne ein zusätzliches Angebot bereitgestellt werden, das nicht nur jetzt für ältere Mitmenschen von Vorteil wäre, sondern auch später, wenn die restliche Bevölkerung geimpft wird."

Auch eine Frage des Impfstoffs

Was die Busse betrifft, verweist Landkreissprecher Förtsch, ergänzend zu den genannten Argumenten, dass die Nachfrage nach dem Impfshuttle in der Stadt bislang sehr gering sei. Sehr wohl habe man aber auch über "gemeinsame Impftermine für Gemeinden mit Bustransport nach Bamberg" gesprochen. Als Schwerpunkt hätten sich zunächst jedoch "dezentrale Impfmöglichkeiten" herauskristallisiert. Möglicherweise würden sich aus dem beauftragten Konzept auch noch neue Ansatzpunkte ergeben.

Als Hindernis für mobile Impfungen sieht Förtsch die schwierige Handhabung des Biontech-Impfstoffs. " Einzelimpfungen sind damit nicht möglich, weil dann bis zu fünf Impfdosen vernichtet würden, weil sie nicht zur nächsten Person transportabel sind. Das wäre nicht zu verantworten." Der Impfstoff von Astra-Zeneca sei nur für Personen bis 65 Jahre zugelassen.

Fahrdienste in den Gemeinden

Mobile Impfungen sind also für Einzelpersonen über 80 derzeit kaum möglich. Also bleibt eine gute Anbindung an das Impfzentrum in Bamberg auf absehbare Zeit ein wichtiges Thema. Das sieht man beispielsweise auch beim Sozialverband VdK so: "Es bestehen Bemühungen, aber der Impfinteressent braucht einen langen Atem von der Terminvereinbarung bis zum ,Shot'. Unbürokratisch geht anders", meint Kreisgeschäftsführerin Udja Holschuh. Sie kann lediglich auf ein Informationspapier der Stadt Bamberg zum Impfzentrum verweisen, in dem auch Fahrangebote in einzelnen Landkreisgemeinden aufgelistet sind.

In vielen Gemeinden wurden inzwischen von Seniorenbüros und -beauftragten oder Nachbarschaftshilfen Fahrdienste eingerichtet, die bei Bedarf auch das Impfzentrum in Bamberg ansteuern. Stand Mitte Januar gab es bereits in zehn Landkreiskommunen solche ehrenamtlichen Angebote. Das Infoblatt verweist auch auf Möglichkeiten für bestimmte Personengruppen wie Behinderte oder Pflegebedürftige (zum Beispiel mit Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen "BI", "aG" oder "H", dem Pflegegrad 4 oder 5, oder den Pflegegrad 3 mit ärztlich bestätigter dauerhafter Einschränkung der Mobilität). Hier übernimmt möglicherweise die Krankenkasse die Kosten auch für professionelle Fahrdienste.