Es sind Bruchstücke, die verfremdet und durch die Mühle Weiler’scher Fantasmagorien gedreht wieder auftauchen: Clara als die Stimme der Ratio und Aufklärung, natürlich, ist man geneigt zu sagen, gesprochen von einem Mann, wie Nathanael zu Beginn von Clara Kroneck gespielt wird.
Der Dämon Coppelius erscheint in der gelungensten Passage dieses „Sandmanns“: als blutrot verfremdete (Alp-)Traumgestalt einer Einspielung in der Manier expressionistischer Filmkunst der 1920er Jahre, so à la F. W. Murnau ( Video ebenfalls Hannes Weiler).
Das Perspektiv, Coppola dagegen: wegeskamotiert. Permanent jedoch die soundtrackartige Musikuntermalung, die mal wabert wie Tangerine Dream , mal softbluesig schmust, mal sperrig knallt: Dochdoch, aufwendig und gekonnt gemacht das alles, immer auf dem Stand der Technik mit Stimmverfremdungen etc.
Aufwendig für eine Studioproduktion ist auch das Bühnenbild Florian Dietrichs: im Vordergrund ein Netz – zersprungenes Glas! – mit einer überdimensionierten Kralle – Augen auspicken! –, dahinter eine doppelte Wand – Geisterbahn-Kulisse?
Häusliches Glück
Bleibt Olimpia. Die schaut aus wie dem Film „Die Fliege“ entnommen, wird aber bald achtlos zur Seite geworfen. Sie reinkarniert in den Kulissen; es dürfte einzigartig sein, dass sich ein Dialog zwischen Protagonist und Bühnenbild entwickelt, wie aus einem Science-Fiction-Roman Stanislaw Lem. Ach ja, Claras häusliches Glück erscheint nicht ungetrübt als Reihenhaus-Idylle.
Bis zum Schlussmonolog Nathanaels vor dem Sprung ist dieser Sandmann also vollgestopft mit Ideen, Assoziationen, Verweisen, Uneindeutigkeiten – ist Nathanael nun verrückt oder nicht? Das kann man alles machen, allein, es fragt sich: warum und zu welchem Ende? Haben Weiler und sein Team aus dem alten Text neue Funken geschlagen, oder sind die in all dem technischen und optischen Overkill, dem hektischen Gerede zerstoben? Das darf jeder selbst entscheiden.