Der Terrorakt sorgte auch hierzulande unmittelbar für politische Maßnahmen. Beckstein spricht von einem „beispiellosen Hochfahren aller Sicherheitsvorkehrungen“.
Höchste Alarmstufe
Nachdem das Lagezentrum des Bundesinnenministeriums einen Terrorakt bestätigt habe, habe man in Bayern die höchste Alarmstufe eingeleitet und die Polizei alarmiert, er habe Gefährderansprachen durch die Polizei veranlasst und an den bayerischen Flughäfen seien die Sicherheitsvorkehrungen auf den höchstmöglichen Standard gebracht worden.
Später habe man alle möglichen Szenarien durchgespielt, also zum Beispiel Angriffe auf elektrische Versorgung oder auf die Sicherheit der Wasserversorgung, erinnert sich Beckstein. Mit Übungen habe man versucht, sich auf diese gezielt vorzubereiten.
Der bayerische Ministerrat brachte außerdem ein eigenes Sicherheitspaket auf den Weg, für welches Beckstein federführend war. Einige Wochen nach dem Attentat wurde es vom Landtag verabschiedet. Bayern war damit das erste Bundesland, das ein eigenes umfassendes Anti-Terror-Maßnahmenpaket als Ergänzung zu den bundesweiten Regelungen veranlasste.
Damit wurden unter anderem 890 neue Stellen, vor allem bei der Polizei und dem Landesamt für Verfassungsschutz beschlossen und die Geheimdienstbefugnisse ausgeweitet. Für Diskussionen mit dem Datenschutzbeauftragten sorgte die präventive Rasterfahndung.
Was Günther Beckstein auch nach Jahrzehnten noch in Erinnerung geblieben ist, ist die politische Zusammenarbeit. Es sei zum Beispiel gemeinsam ein Terrorismusabwehrzentrum eingerichtet worden – 40 Behörden der Polizei und der Nachrichtendienste des Bundes und der Länder sowie weitere Behörden waren laut dem Bundeskriminalamt beteiligt. Es besteht seit 2004 – bis heute.
Zusammenarbeit praktiziert
„Zusammenarbeit ist damals auch auf eine völlig neue Stufe gestellt worden. Da hatten alle den Willen, über Länder- und Institutionsgrenzen hinweg zusammenzuhelfen“, sagt der 82-Jährige. In diesem Moment habe man nicht zwischen SPD- oder CDU/CSU-regierten Ländern unterschieden.
Der 11. September begleitete Beckstein noch lange, auch nachdem er 2007 das Innenministerium verließ und Ministerpräsident wurde. Der islamistische Terror hat fortan in seiner politischen Karriere immer eine Rolle gespielt.
Nicht nur die USA habe der Angriff nachhaltig verändert, sondern auch Bayern und Deutschland: „Da hat sich das Gefährdungsbewusstsein natürlich nicht nur erhöht, sondern potenziert.“