"Ich bin hier, um meine Solidarität mit den Geflüchteten im Mittelmeer und allen, die ihnen helfen, zu zeigen", erklärt ein junger Mann, dessen T-Shirt die Aufschrift "Seenotrettung ist kein Verbrechen" trägt. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken", findet Lotta Fröhlich. Anne Reuter ergänzt: "Ich bin hier, um die Menschenrechte und das Recht auf Leben zu schützen."

Wie rund 30 andere Menschen sitzen sie still auf einem Stuhl mitten auf dem Maxplatz. Weitere 30 Stühle, Hocker und kleine Sessel sind frei. Im Hintergrund tönt der Notruf eines havarierten Bootes aus dem Lautsprecher. Das Meeresrauschen überdeckt zusehends die hektische Stimme, welche verzweifelt um Hilfe fleht, bis gespenstische Stille herrscht. EU-Flagge und Deutschlandfahne flattern ungerührt am Rathaus am Maxplatz.

"Wir wollen mit dieser Aktion die Botschaft aussenden: Wir haben Platz für die Aufnahme von Geflüchteten in unserer Gesellschaft", erklärt Ibo Mohamed von der Seebrücke Bamberg. Die Organisation mobilisierte dazu in 20 Städten der Bundesrepublik. "40 Städte und Kommunen haben sich zu sicheren Häfen erklärt und wären bereit, mehr Menschen Schutz zu bieten. Aber bis jetzt blockiert Innenminister Horst Seehofer", fasst der Aktivist die Lage zusammen.

Das Bündnis fordert nicht nur die Evakuierung der Lager in Griechenland, welche besonders in Zeiten von Corona mit mangelhafter Hygiene zu kämpfen haben, sondern auch ein Ende der Unterstützung von Gewalt gegen Geflüchtete an den Außengrenzen der Union. Die EU müsse das Recht auf und den Zugang zu Asyl wahren. Ein Symbol für das Scheitern der EU-Asylpolitik ist das Schiff Etienne, welches seit 31 Tagen mit 27 Geflüchteten an Bord im Mittelmeer seine Runden dreht, aber dem die Genehmigung zum Einlaufen verweigert wird.

Bereits im Mai 2020 haben 13 Aktive aus Bamberg gemeinsam mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer per Videobotschaft an Innenminister Seehofer appelliert, den Kurs zu ändern und gerade Menschen aus den Lagern auf den griechischen Inseln aufzunehmen. Das Innenministerium verwies damals auf Anfrage neben der eigenen Bereitschaft auf die Rolle der europäischen Solidarität, damit andere Mitgliedstaaten gemäß ihren Zusagen ebenfalls Geflüchtete aufnehmen.

Bamberg hatte im Juli 2019 mit einem Stadtratsbeschluss die Solidaritätsbekundung mit der Seebrücke unterzeichnet. "Es ist toll, wenn Initiativen aus der Zivilgesellschaft diesen Beschluss bekräftigen", betont Bambergs zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp, der auch einen Stuhl aus dem Rathaus dazustellte.

Und da ist noch Luft nach oben: "Wir hatten zusammen mit der Mahnwache Asyl ein Treffen mit Bürgermeister Glüsenkamp, wo er sich offen gezeigt hat, dass die Stadt Bamberg auch die weitergehenden Forderungen des Seebrücken-Bündnisses erfüllen sollte", meint die Mitstreiterin Antonia Vogel. Mit den neuen Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat ist sie zuversichtlich, dass dies gelingen kann. Denn momentan verschwinde das Thema zusehends von der Bildfläche der öffentlichen Wahrnehmung.