Renate Förster nennt sich auf TikTok selbst „Lachyogaoma“. An der Gertraudiskapelle zeigt sie, wie das geht.
Man könnte es albern nennen, wenn 20 Erwachsene mit ausgebreiteten Armen über eine Wiese laufen, als wollten sie gleich abheben. Wenn sie unsichtbare Rasenmäher anschieben und laut lachen. Oder im Kreis laufen und rufen: „Wir sind die mutigsten Menschen der Welt, in jedem von uns steckt ein strahlender Held.“ Tatsächlich machen sie Lachyoga an der Gertraudiskapelle in Gerolzhofen. Und am Ende wirken alle gelöst und glücklich.
Enkel lädt Videos hoch
Renate Förster steht mittendrin. Sie ist 80 Jahre alt, kommt aus Gerolzhofen und nennt sich auf TikTok selbst „Lachyogaoma“. Ihr Enkel brachte sie auf die Plattform. Das Drehen und Hochladen der kurzen Videos überlässt sie ihm. Förster sagt, sie habe keine Ahnung von TikTok . Wenn im Internet auch über sie gelacht werde, störe sie das nicht. Hauptsache, es werde gelacht, sagt sie. Mehr als 8500 Menschen folgen ihr dort.
An der Gertraudiskapelle lädt Förster regelmäßig zum Lachyoga ein. Die Teilnahme läuft auf Spendenbasis, der Erlös geht an die Aktion Sternstunden. Die Kapelle liegt oberhalb der Stadt, von der Wiese geht der Blick weit über die Felder und Weinberge.
„Lachyoga ist kein Witzeerzählen“, erklärt Renate Förster. Die Teilnehmer lachen angeleitet, bewegen sich dabei und lassen sich auf die Gruppe ein. Die moderne Form geht auf den indischen Arzt Madan Kataria zurück, der 1995 in Mumbai mit Lachclubs begann.
Zum Kursstart verschwinden die Wolken. „Renate-Wetter“, ruft Förster. „Ein fröhliches Gesicht, und schon lacht die Sonne.“ Dann geht es los. Die Gruppe klopft sich gegenseitig den Rücken ab, als wollte sie Ärger lösen. Die Teilnehmer streichen dann das unsichtbare Schwere weg und lachen extra laut. Sie machen eine Art Schuhplattler, schütteln später symbolisch eigene und fremde Fehler ab und lachen wieder, auch über sich selbst. Wer zuschaut, sieht Erwachsene, die für eine Stunde aufhören, sich zu kontrollieren.
Förster geht voran, mit wachen, blauen Augen. Ihr Lachen kommt aus vollem Herzen. Immer wieder sagt sie: „Schön, dass du da bist.“ Dann stehen jeweils vier Personen in der Mitte des Kreises. Die anderen breiten die Arme über das Quartett aus und lachen lauthals in ihre Richtung. Förster nennt es Lachdusche.