Die Europaunion Hammelburg lud zu einer Exkursion in den Neuwirtshauser Forst ein. Die Idee dazu wurde bei einer Reise der Europaunion in den Bayerischen Wald und dem Besuch des Nationalparks Bayerischer Wald im Juli geboren. Als Exkursionsleiter in seinem ehemaligen Revier bot sich Rainer Betz an – ein exzellenter Kenner des Forstes, so die Pressemitteilung von Edgar Klein.
Die 55 Teilnehmer trafen sich am Parkplatz Aspenmühle an der alten B 27. Von dort aus ging es mit Fahrgemeinschaften in den Wald. Nach wenigen Kilometern war der Ausgangspunkt der ungefähr 3 Kilometer langen Exkursion erreicht. Rainer Betz startete die Tour sehr anschaulich mit einem Hirschgeweih und dem Präparat einer Waldohreule. Es gebe hier zwar zwei Wölfe und zwei Luchse, aber die ließen sich nur selten sehen. Auch verschiedene Raub-vögel nennen den Forst ihre Heimat, wie zum Beispiel Habicht, Sperber, Rotmilan, Baum- und Wanderfalke. Die Waldohreule ähnelt einem Uhu, der aber wesentlich größer ist. Sogar ein scheuer Schwarzstorch brütet hier seit Jahren.
Dann kam Rainer Betz zum Vergleich mit dem Bayerischen Wald. Während im bergigen Bayerischen Wald Nadel- und Bergmischwälder vorherrschen, dominieren im wärmeren Neuwirtshauser Forst Laubmischwälder. In diesen werden Eichen- und Buchenbestände gepflegt und selektiv verjüngt. Man dünnt die schnell wachsenden Fichten aus, um Laubbäumen mehr Licht zu geben und ihr Wachstum zu stärken. Der Anteil der trockenheitsempfindlichen Fichte sinkt. Vorausschauend werden klimaresiliente Mischwälder aufgebaut und der Borkenkäfer zurückgedrängt. Nächste Station war eine uralte Fichte mit einer Höhe von über 50 Metern und mehr als sechs Festmeter. Weiter ging es zu den Teichen. Die Krebsschere ist eine faszinierende Wasserpflanze. Im Herbst wird sie schwerer und sinkt auf den Teichgrund. Dort überwintern ihre Knospen. Im Frühling füllen sich bei zunehmender Temperatur die Blätter mit Gasen. Die Knospen steigen an die Oberfläche.
Eine Gedenktafel erinnert an den Orkan Wiebke, der auch im Neuwirtshauser Forst riesige Waldschäden anrichtete, die größten in ganz Unterfranken. Die wohl spannendste Vorführung gab es bei einem Teich mit Flusskrebsen. Ein Zufall half Rainer Betz vor vielen Jahren eine Population des bei uns ausgestorbenen Tieres aufzubauen. Sie ist prächtig angewachsen, wird aber durch den Signalkrebs bedroht. Flusskrebse waren früher ein Arme-Leute-Essen und sind heute eine teuer gehandelte Delikatesse. Letzter Anlaufpunkt war das Hundegrab, in dem treue Jagdhunde begraben wurden.
Zum Abschluss der dreistündigen Tour trafen sich die begeisterten Teilnehmer in der Aspenmühle zum gemütlichen Beisammensein. Der Ehrenvorsitzende der Europaunion, Edgar Hirt, überreichte Betz als Dank ein Buch über den Wald. red