Vor 75 Jahren wurde der Kreisverband Kulmbach der Arbeiterwohlfahrt (Awo) gegründet - heute ist er der größte Wohlfahrtsverband im Landkreis. Über 2000 Menschen in und um Kulmbach nutzen täglich eines oder mehrere Angebote des Kreisverbands.

Bereits 1925 existierte ein Ortsausschuss der Arbeiterwohlfahrt als Untergliederung der SPD in Kulmbach mit Hans Herold als aktivem Mitglied. Mit dem deutschlandweiten Verbot der Arbeiterwohlfahrt 1933 wurde auch der Ortsaus-schuss aufgelöst. Nach dem Krieg gründete ihn Hans Herold am 5. September 1946 wieder. Unter dem Awo-Leitspruch "Mensch sein heißt helfen" war das zentrale Ziel, die notleidende Bevölkerung der Nachkriegszeit zu versorgen. Noch im gleichen Jahr wurde deshalb eine Beratungsstelle in Kulmbach errichtet. Ehrenamtliche Sozialarbeiter betreuten Heimkehrer und Geflüchtete, organisierten Kuren und Ferienbetreuung für Kinder und verteilten Lebensmittelbeihilfen, Kleidung und Care-Pakete.

1947 wurden weitere Ortsvereine in den Landkreisen Kulmbach und Stadtsteinach gegründet, die sich zum Awo-Kreisverband Kulmbach zusammenschlossen - dessen erster Vorsitzender bis 1952 Hans Herold war. Allein in diesen fünf Jahren wuchs der Kreisverband rasant: Ein Kindererholungsheim wurde übernommen, Nähstuben und -schulen eingerichtet, ein Jugendwohnheim gebaut und zwei Kindergärten eröffnet. Außerdem wurden Stützpunkte und Ortsvereine gegründet und die Seniorenbetreuung sowie die Betreuung von Vorschulkindern, Jugendlichen und Kindern mit Behinderung ausgebaut.

Fünftgrößter Arbeitgeber

Seit 1999 hat der Kreisverband seinen Sitz im "Prinzessenhaus" in Kulmbach. Heute ist der Kreisverband einerseits ein gesellschaftspolitisch aktiver Verband mit zehn Ortsverbänden, zahlreichen Seniorenklubs und

-gemeinschaften sowie Frauen-, Kinder- und Jugendgruppen und insgesamt knapp 2000 Mitgliedern. Andererseits ist er mit rund 900 haupt- und ehrenamtlichen Beschäftigten in fast 50 Einrichtungen und Diensten der fünftgrößte Arbeitgeber im Landkreis Kulmbach.

In der Altenhilfe betreibt der Kreisverband vier Seniorenwohnheime in Kulmbach, Thurnau und Neuenmarkt. Außerdem gehören eine Ta-gespflegeeinrichtung sowie Betreutes Wohnen in Trebgast, ein ambulanter Pflegedienst für den gesamten Stadt- und Landkreis Kulmbach, sowie zwei Pflege-beratungsstellen zum Kreisverband.

Der Menüservice "Essen auf Rädern" wurde 1974 für den gesamten Stadtbereich Kulmbach eingeführt. 1983 wurde in Mainleus das "Bürgerzentrum Mainleus" als Begegnungsstätte für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren in Betrieb genommen. 2008 wurde daraus das "Mehrgenerationenhaus Mainleus Awo-Bürgerzentrum".

Im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie gehören insgesamt neun Kindertageseinrichtungen mit Krippen, Kindergärten und Horten in Kulmbach, Wirsberg, Thurnau und Kupferberg zum Kreisverband.

Aus dem Kindererholungsheim in Marienweiher wurde 1992 ein Wohn- und Pflege-heim für Erwachsene mit geistiger bzw. Mehrfachbehinderung. Aus der Vielzahl der Awo-Einrichtungen für Kinder sei noch das "Rehbergheim" erwähnt, das heute als Fünf- bis Sieben-Tage-Internat für geistig und mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche betrieben wird. 1971 wurde der Betrieb in der ersten "Sondervolksschule für Lernbehinderte" in Kulmbach aufgenommen - heute bekannt unter dem Namen Awo-Werner-Grampp-Schule. red