Die Winterkunst-Wochen 2020 sind in der Piano- Galerie mit einer musikalischen Vernissage eröffnet worden. Der Kulmbacher Komponist, Musikpädagoge und Pianist Lorenz Trottmann, der jetzt in Nürnberg zu Hause ist, spielte am Klavier unter anderem Werke von Horst Lohse, dem Schwiegersohn des Künstlers Caspar Walter Rauh, der nach dem Krieg mit seiner Familie in Himmelkron lebte.

Lohse, der 2006 den Kulturpreis der Oberfrankenstiftung für Leistungen als Komponist zeitgenössischer Musik, 2008 den E.T.A.-Hoffmann-Preis der Stadt Bamberg für seine Lebensleistung und 2012 den Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste für Musik erhielt, erinnerte die Besucher an seinen Schwiegervater. Die Druckgraphiken von Caspar Walter Rauh aus den Jahren 1951 bis 1981 sind bis zum 14. März jeweils mittwochs und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr in der Piano-Galerie Pöhlmann in Lanzendorf zu sehen.

Klavierbaumeister Reinhold Pöhlmann eröffnete die Vernissage mit einem Dank an Horst Lohse, den er mit seiner Tochter Miriam bei einer russischen Avantgarde kennengelernt habe.

Bürgermeister Gerhard Schneider feute sich, dass er bei der musikalischen Vernissage dabei sein konnte: "In der Piano-Galerie Pöhlmann wird Kunst und Kultur immer wieder wunderschön verbunden." Schneider erinnerte an die Ausstellung mit Werken von Caspar Walter Rauh im Grampp-Haus, in dem die Familie Rauh nach dem Krieg für einige Jahre ein Zuhause gefunden hatte.

Rauh erlebte in Himmelkron ein totales Kontrastprogramm zu seinem künstlerischen Wirken, denn für ein paar Zentner Kartoffeln, Gemüse oder Obst malte er auch schon mal einen Bauernhof.

In Himmelkron gelandet

Horst Lohse stellte die Frage, wie es dazu kam, dass ein Künstler, der vor dem Krieg in Berlin lebte, ausgerechnet in Himmelkron landete. "Als Berlin immer heftiger bombardiert wurde, floh seine Frau Liese Lotte mit dem kleinen Sohn Florian zu den fränkischen Verwandten, die in Himmelkron lebten. Sie fand Unterkunft im damaligen Wirtshaus Grampp." Nach der Rückkehr Caspar Walter Rauhs aus amerikanischer Gefangenschaft lebte die Familie dort auf engstem Raum im Obergeschoss.

Hier entstanden wichtige Werke wie das "Niemandsland", in denen der Künstler seine traumatischen Kriegserlebnisse zu verarbeiten suchte. 1951 schuf er auch die ersten Radierungen, die er mit einer kleinen Handpresse druckte. Im gleichen Jahr begann er mit farbigen abstrakten Aquarellen und Ölmalerei. Daneben schrieb er, um die inzwischen vierköpfige Familie durchzubringen, fantastische, märchenhafte Geschichten, die im Rundfunk gesendet und in Zeitungen in ganz Deutschland veröffentlicht wurden.

Ein Glücksfall für Rauh war, dass er ab den späten 50er Jahren von der bayerischen Wirtschaft eingeladen wurde, jungen Unternehmern seine Bilder zu erklären. Das geschah auf einem Seminar zur Förderung von Nachwuchskräften. Horst Lohse: "In seinen letzten Lebensjahren stellte mein Schwiegervater sein künstlerisches Vermächtnis zusammen. Er nannte es Archiv. Das sind all jene Arbeiten, die heute im Kunstmuseum in Bayreuth aufbewahrt werden."