Die Diskussion um den vierspurigen Ausbau der B 4 im Weichengereuth ist wieder aufgeflammt, nachdem Vertreter der Firma Brose im Krisensenat der Stadt Coburg am 28. Januar den "Masterplan Brose 2030" vorgestellt hatten. Dieser sieht Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in Coburg vor, er fußt aber auch auf dem Plan, die Anlieferung für das neue Logistikzentrum nicht über die Südzufahrt, sondern über das Weichengereuth laufen zu lassen. Nun wird nicht nur kontrovers über das Für und Wider diskutiert, es schwirren auch viele Zahlen herum. Das Tageblatt hat sie einmal unter die Lupe genommen.

Aktuelle Zahlen zum Verkehrsaufkommen im Weichengereuth liegen momentan nicht vor. Wegen der Corona-Pandemie fanden dort 2020 keine Verkehrszählungen statt. Stefan Arneth, Abteilungsleiter Planung beim Staatlichen Bauamt Bamberg, hatte in der Stadtratssitzung im Mai 2020 Zahlen von der Verkehrsanalyse 2018 vorgestellt. Damals befuhren im Schnitt 21 000 Fahrzeuge am Tag das Weichengereuth, davon rund 1200 Schwerfahrzeuge. Eine "ganz schöne Menge" für zwei Fahrspuren, fand Arneth damals.

Laut der "Richtlinie für die Anlage von Straßen " verträgt eine zweistreifige Bundesstraße wie das Weichengereuth täglich bis zu 20 000 Fahrzeuge. Eine Fahrspur mehr hieße mehr Sicherheit, aber auch eine höhere Aufnahmefähigkeit der Straße. Einen vierspurigen Ausbau sieht die Richtlinie bei bis zu 30 000 Fahrzeugen (davon 4500 Lkw) täglich vor.

Weniger Autos dank Homeoffice

Mit 21 000 Fahrzeugen lag man 2018 also schon leicht über der Grenze von 20 000 pro Tag. Allerdings habe der Verkehr im Corona-Jahr 2020 spürbar abgenommen, sagen Anwohner des Weichengereuths. Eine mögliche Erklärung: Viele Arbeitnehmer bleiben zuhause und arbeiten im Homeoffice. Damit sind auch weniger Autos unterwegs. Bleibt die Frage, ob das nur ein kurzzeitiger Effekt ist oder ob das Arbeiten im Homeoffice sich auf Dauer soweit durchsetzt, dass tatsächlich weniger Auto gefahren wird.

Stefan Arneth, der bei seinem Vortrag im Stadtrat auch einen Ausblick bis 2035 gab, war der Meinung, die Zunahme bis dahin werde "gar nicht mal so groß sein", aber die brauche es auch gar nicht. Schon jetzt sei der Verkehr "nicht mehr leistungsfähig abwickelbar", ja der Verkehr reiche sogar aus, um den vierspurigen Ausbau zu begründen.

100 Laster mehr am Tag

Der Schwerverkehr werde noch etwas zunehmen, auf rund 1400 Fahrzeuge täglich, prognostizierte Arneth. Zur Erinnerung: Nach dem Konzept der Firma Brose würden täglich rund 100 Lkw den Weg über Weichengereuth, Frankenbrücke und Uferstraße zum und vom neuen Logistikzentrum an der Dieselstraße nehmen. Geht man davon aus, dass der Umweg hin und zurück rund fünf Kilometer beträgt, sind das bei 100 Lkw pro Tag 500 Extra-Kilometer. Ein Lkw verbraucht durchschnittlich etwa 33 Liter pro 100 Kilometer (16-Tonner liegen bei rund 25 Liter, 40-Tonner bei 40 bis 42 Liter auf 100 Kilometer), macht unterm Strich 165 Liter Sprit extra am Tag.

111 Tonnen CO2 zusätzlich

Rechnet man weiter, dass pro Liter Diesel 2,6 Kilo CO2 (Kohlendioxid ) ausgestoßen werden, liegt der Mehrausstoß durch den Umweg bei 429 Kilo pro Tag. Bei 260 Arbeits- beziehungsweise Anlieferungstagen im Jahr würden rund 111 Tonnen CO2 zusätzlich in die Luft geblasen. Natürlich ist das nur eine vage Modellrechnung, vermutlich sind es mehr Anlieferungstage, der Umweg müsste genau gemessen werden und Stickoxide und andere Schadstoffe sind gar nicht berücksichtigt.

Wird das Weichengereuth vierspurig ausgebaut, rechnet Stefan Arneth übrigens mit 27 000 Fahrzeugen am Tag. Die Zunahme komme durch Verlagerungen aus dem innerstädtischen Netz zustande, weil der Verkehr auf einer breiteren B 4 flüssiger fließen könne - "circa 3000 Fahrzeuge allein aus der Bamberger Straße". Auch der Schwerverkehr im Weichengereuth werde zunehmen.