Die Kerzenleuchter des Kaisersaales Kloster Banz strahlen mit der Sonne um die Wette. Wo einst Benediktinermönche ein- und ausgingen, wurde am Dienstagnachmittag der Ausbildungspreis "Lichtenfelser Ausbildungslöwe" für 2019 verliehen.

Mit einer Ausbildungsquote von 61 Prozent gewann das HUK-Coburg-Kundendienstbüro Yvonne Fiedler-Stettner in der Kategorie bis zehn Beschäftigte. Bei elf bis 50 Mitarbeitern siegte die Firma Dietz Baugesellschaft. Bei einer Beschäftigtenzahl ab 51 konnte sich das Best-Western-Kurhotel an der Obermain-Therme durchsetzen.

Beim besten Ausbildungskonzept ging in der Sparte bis zehn Beschäftigte keine Bewerbung ein. Bei einer Anzahl von elf bis 50 Beschäftigten gewann das Hotel-Restaurant Rödiger. In der Kategorie 51 und mehr Mitarbeiter gewann die Firma Raab Baugesellschaft den Ausbildungslöwen.

In kurzen Filmbeiträgen äußerten sich Auszubildende. So wurde etwa von einer angehenden Hotelfachfrau der Vorzug ihres Berufes erläutert: "Dieser Beruf ist was für Weltenbummler - man kann überall auf der Welt arbeiten!" Die Firma Raab bemühte sich um Integration. So würden Ausflüge in den Klettergarten organisiert, man helfe, Sprachkurse zu belegen und Wohnungen zu finden. So hätte man für heuer die Ausbildungsplätze bereits alle besetzt.

Für die Nominierung und Auswahl der Sieger zeichnete eine Jury verantwortlich. Diese bestand aus Vertretern der Agentur für Arbeit, der Berufsschule, der Kreishandwerkerschaft, des Industrie- und Handelsgremiums sowie den Junioren des Handwerks und der Wirtschaftsjunioren. Finanzielle Unterstützung erhielt das Projekt vom Arbeitskreis Schule- Wirtschaft der Sparkasse Coburg-Lichtenfels und dem Landkreis.

Eine Orientierung bekommen

In seiner Begrüßung bekräftige Landrat Christian Meißner die Vorzüge des "Ausbildungslöwen". In Zeiten des Fachkräftemangels soll die Trophäe die guten Ausbildungsbetriebe nach vorn stellen. Die weniger werdenden Schulabgänger sollen eine Orientierung bekommen, welcher Betrieb eine Topausbildung bietet. Diese Auszeichnung ist zum Werbeargument für Unternehmen geworden. IHK-Konjunkturumfragen bestätigten, dass der Fachkräftemangel immer größer wird. Bei von der Kammer veröffentlichten Tipps gegen Fachkräftemangel stehe das Thema "Ausbildung" auf Platz eins. "Der Ausbildungslöwe ist wichtig und seine Funktion aktueller denn je!"

Die momentane Arbeitslosenquote von drei Prozent im Juni stelle den besten Juniwert seit Jahrzehnten dar. Im Februar 2005 lag die Quote vergleichsweise noch bei 12,3 Prozent. Gegenwärtig teilt die Arbeitsagentur mit, dass 4397 Lehrstellen in Oberfranken unbesetzt sind. Dagegen gibt es derzeit nur 1777 Schulabgänger ohne fest vereinbarte Lehrstelle. Mehr als 2600 fehlende Bewerber werden so die Fachkräfteproblematik verstärken.

In seiner Laudatio erklärte Bezirkstagspräsident Henry Schramm die Aufgabenfelder des Bezirks Oberfranken. So arbeiten etwa 3000 Menschen für den Bezirk, darunter 13 neue Auszubildende. Früher war die Sicherheit im öffentlichen Dienst eine maßgebliche Tätigkeit des Bezirkes, heute ist sie ein untergeordnetes Argument. Das Unterhalten der Bezirkskliniken, etwa in Kutzenberg und Hochstadt, stelle eine wichtige Aufgabe dar. Unter anderem halte der Bezirk auch Krankenpflegekurse ab.

Außerdem ging Schramm auf den Strukturwandel in Oberfranken ein. Waren doch früher vor allem Textil- und Porzellanindustrie ansässig, so wären es heute viele kunststoffverarbeitende Betriebe sowie Maschinenbau. kas