Hartmut Schuberth vom Unesco-Club Kulmbach-Plassenburg begrüßte zu der Gedenkveranstaltung eine Reihe von Ehrengästen, darunter auch der Ehrenbürger der Stadt Kulmbach, Hans-Albert Ruckdeschel. Schuberth betonte, dass es auch vor Ort in Kulmbach aus der Geschichte zu lernen gelte, dem Vergessen und Verdrängen entgegenzuwirken, damit sich eine derartige Schreckensherrschaft in der Bundesrepublik nicht wiederholen kann. Der Leiter der Kulmbacher Musikschule, Harald Streit, gab mit Kathrin Lauterbach der Veranstaltung den musikalischen Rahmen.

Hartmut Schuberth verwies darauf, dass der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1996 den 27. Januar, den Tag, an dem das KZ Ausschwitz 1945 von russischen Truppen befreit worden war, zum "Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus" erklärt habe: "Am Beruflichen Schulzentrum haben wir zwei Jahre später an diesem Tag im Rahmen des Schulprojekts ,Vergessene Opfer‘ Kulmbachern gedacht, die von diesem Unrechtssystem umgebracht wurden, damit wir sie vor dem Vergessen bewahren." Neben Alfred Andreas Heiß aus Triebenreuth/Stadtsteinach waren es unter anderem Matthäus Schneider aus dem Kulmbacher Stadtteil Blaich, Michael Schnabrich aus Stadtsteinach und Emil Strobel aus Kauernburg.

Zum Gedenken an August Bonneß stellte Schuberth fest: "Wir wollen heute eines Mannes gedenken, der nicht von hier stammt, sondern in Potsdam einen großen Verlag betrieb, unserer Stadt und insbesondere unserer Plassenburg aber sehr verbunden war."

August Bonneß' Leistung für Kulmbach

Hartmut Schuberth berichtete, dass August Bonneß bisher in Kulmbach weitgehend unbekannt gewesen sei: "Auch mir ging es so, bis ich vor genau einem Jahr von meinem Freund Wolfgang Schoberth auf dessen Verdienste für unsere Stadt und sein tragisches Schicksal hingewiesen wurde. August Bonneß war einerseits der Hauptinitiator für die Einrichtung eines nationalen Zinnfigurenmuseums auf unserer Plassenburg und wagte es andererseits in der Endphase des NS-Regimes dessen Propaganda zu kritisieren und für die Grundrechte der Verfassung einzutreten." Der Unesco-Club Kulmbach-Plassenburg habe deshalb in Abstimmung mit der Stadt Kulmbach beschlossen, im Eingangsbereich des Zinnfigurenmuseums eine Gedenktafel anzubringen, die an die Leistung von August Bonneß für Kulmbach und an sein tragisches Schicksal als eines der Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Schuberth: "Mit August Bonneß wollen wir eine Person würdigen, die mit der Einrichtung des Deutschen Zinnfigurenmuseums auf der Burg maßgeblich zur Attraktivierung unseres kulturellen Erbes beigetragen hat. Die persönliche Tragik dieses Mannes besteht darin, dass ihn dieser auch vom damaligen System anerkannte Verdienst nicht davor bewahrt hat, in die Fänge von willfährigen Schergen des NS-Regimes zu gelangen, die ihn schließlich dem Scharfrichter auslieferten. Die Würdigung dieses Mutes, sein Eintreten für sein Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung mit dem eigenen Leben zu bezahlen, ist der zweite Grund, weshalb wir als Unesco-Club die Erinnerung an diesen außergewöhnlichen Menschen wachhalten wollen."

Mit einer historischen Würdigung der Person August Bonneß leitete Kulmbachs Chef-Historiker Wolfgang Schoberth die Enthüllung der Gedenktafel ein. Dabei zeigte sich Schoberth dankbar dafür, dass die Stadt Kulmbach mit OB Ingo Lehmann das Projekt aufgegriffen und mit dem Unesco-Club auch umgesetzt habe. Schoberth verwies auf das Urteil am 8. Juli 1944: "Wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung wurde Bonneß zum Tode verurteilt. Am 4. Dezember wird er in Görden/Brandenburg mit dem Fallbeil hingerichtet. Die Betriebsanteile werden seiner Familie entzogen und einem seiner Kompagnons, einem Parteimitglied, zugesprochen." Erst Jahrzehnte nach dem Krieg, im Jahr 1998, wurde August Bonneß rehabilitiert. In Potsdam ist eine Straße nach ihm benannt.

Die Charakterstärke von August Bonneß

In ihren Grußworten würdigten Oberbürgermeister Ingo Lehmann und Landrat Klaus Peter Söllner die Persönlichkeit von August Bonneß.

OB Lehmann: "August Bonneß war eine starke, eine aufrechte, eine mutige Persönlichkeit. Heute würde man sagen, er hatte Rückgrat und war beileibe kein Mitläufer. Seinen Mut, seine Charakterstärke und seine anständige Haltung gegenüber seinen Mitmenschen hat er am Ende mit seinem Leben bezahlt."

Landrat Söllner sprach von einer extrem eindrucksvollen Würdigung der Person August Bonneß durch den Historiker Schoberth und betonte: "Ich bin hier auch dem Beruflichen Schulzentrum sehr dankbar dafür, dass die Schüler und Jugendlichen mit diesem Thema konfrontiert wurden. Aus meiner Sicht ist es wichtiger denn je, die Erinnerungen an diese schreckliche Zeit wachzuhalten und die Gedenktage aufrechterhalten."

Der Gedenkveranstaltung wohnte auch Alwin Geyer aus Triebenreuth/Stadtsteinach bei: "Ich bin eingeladen worden, weil mein Großonkel Alfred Andreas Heiß, der in Triebenreuth geboren wurde und der Bruder meiner Oma war, im September 1940 von den Nationalsozialisten in Berlin hingerichtet wurde. Ich habe auch die ganzen Briefe im Familienbesitz, die er nach Hause geschickt hat, als er in Berlin gelebt hat. Mein Großonkel war dem Nationalsozialismus gegenüber kritisch eingestellt, und als er einmal heimkam, in Triebenreuth ins Wirtshaus ging und nicht den Hitlergruß zeigte, wurde er denunziert."

Hartmut Schuberth dankte den Spendern für die Finanzierung der Gedenktafel und nannte hier das Rotary-Hilfswerk, das durch Horst Hohenner vertreten war, Vorstand Harry Weiß von der Sparkasse Kulmbach-Kronach und Bereichsdirektor Gerhard Zettel von der VR-Bank Oberfranken-Mitte.