Laden...
Pommersfelden

Augen auf beim Spaziergang

Wer in diesen Tagen in der Natur unterwegs ist, sollte seine Blicke auch auf den Wegrand richten. Dort wachsen wahre Wundermittel.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bärlauch
Bärlauch
+2 Bilder

Die Natur ist ein Sehnsuchtsort. Im Mai ohnehin, wenn die Vegetation zu explodieren scheint. Umso mehr, wenn - wie derzeit - die Möglichkeiten vieler Menschen auf die eigenen vier Wände beschränkt sind. Ein Spaziergang sorgt dann für Abwechslung und körperliche Bewegung. Dabei bietet es sich an, ein Auge auf das Grün am Wegrand zu werfen. Dort wächst so einiges, was für die Gesundheit von Nutzen sein kann.

Herrlich ist so ein Spaziergang nach einem milden Mai-Regen, wenn die Luft sauber ist und nach Gras und frischen Kräutern duftet. Nach "Wildwuchs" sozusagen, genau so, wie die Pommersfeldenerin Heidi Rippel ihren kleinen Laden getauft hat. Die Kräuterpädagogin kennt sie alle, die unzähligen kleinen und großen Kräutlein. Sie weiß auch, was davon gesammelt, gegessen oder anderweitig genutzt werden kann. Sehr zum Wohle der Gesundheit, denn viele Wildkräuter schmecken nicht nur lecker - sie haben auch eine wohltuende Wirkung auf den Körper.

Die Wildkräuter unterscheidet die Expertin übrigens von den "Heilkräutern", beispielsweise dem Salbei. Heilkräuter hätten eine sehr viel stärkere Wirkung und könnten mitunter auch überdosiert werden. Bei einem Besuch führt Heidi Rippel immer wieder die "Bitterstoffe" vieler Wildkräuter an, die vor allem Galle und Leber sehr zuträglich seien.

Löwenzahn überstrahlt alles

Doch was wächst da so alles ganz unscheinbar am Wegesrand? Zur Zeit ist es vor allem der Löwenzahn, der mit seinen goldgelben Blüten alles überstrahlt. Gartenbesitzer mögen ihn meist gar nicht. Dabei ist der "Ringelstock" eines der vielseitigsten Wildkräuter überhaupt. Seine jungen Blätter schmecken als Salat, können aber auch in der Pfanne gedünstet werden. Werden die Stängel aufgeschlitzt, gespült und frittiert, ringeln sie sich lustig und geben eine schöne Garnitur ab. Die gelben Blüten hingegen können zu Löwenzahnhonig verarbeitet werden.

Auch das unscheinbare Gänseblümchen hat es in sich. Hübsch macht es sich als Dekoration auf Salaten oder Suppen. Die Blätter kommen aufs Butterbrot. Als Naturkosmetik angewendet, kann es zu reiner Haut verhelfen. Gänseblümchen mit Alkohol angesetzt oder als Öl-Auszug ergeben ein altbewährtes Mittel gegen Akne. Ziemlich genauso könne das Veilchen verwendet werden.

Die Knoblauchrauke schmecke - wie viele Kreuzblütler - leicht scharf, erklärt die Kräuterexpertin. Das sei auf das darin enthaltene Senföl zurückzuführen. Zur Zeit blüht die zweijährige Pflanze überall in großen Mengen. Gemixt mit Löwenzahn und Giersch werde daraus ein wunderbares Pesto (siehe Infobox).

Überhaupt der Giersch. "An ihm zeigt sich die Vergeblichkeit menschlichen Tuns", zitiert die Kräuterfrau. Auch wenn man ihn noch so oft ausreiße, es bleibe immer was in der Erde zurück, das zu neuem Wachstum führe. Mit dem eigenen Garten "ziemlich relaxed" umzugehen, ist übrigens ein guter Rat der Kräuterfrau. Denn dann stellen sich viele der Wildkräuter ganz von alleine ein.

Eine App für unsichere Sammler

Wird dem unbedarften Laien nun etwas mulmig bei so viel "Medizin" aus dem Gottesgarten? Nun, das Wissen kann man sich heute leicht aneignen. Zum einen über Kräuterexperten, die gerne zur Verfügung stehen. Heidi Rippel betont, dass es hierzulande gar nicht so viele giftige Pflanzen gibt. Aufpassen müsse man jedoch, dass man Bärlauch und das giftige Maiglöckchen nicht verwechsle. Zu nennen wäre noch das im Volksmund als "Warzenkraut" bekannte Schöllkraut. Es sei zwar giftig, sein gelber Saft habe aber den Ruf, den unschönen Hauterscheinungen entgegenzuwirken.

Für eher ängstliche Kräutersammler gibt es seit neuestem noch einen super Tipp, mit dem sie beim Genuss von Wildkräutern auf der sicheren Seite sein können. Die App "Flora incognita" kann man sich kostenlos aufs Handy laden und damit Pflanzen identifizieren.