Am gestrigen Mittwoch wäre der ehemalige Bürgermeister und Ehrenbürger von Zeil, Rudolf Winkler, 100 Jahre alt geworden.

Geboren wurde er 1919 in Zeil und besuchte die hiesige Volksschule, das Gymnasium in Bamberg sowie die Aufbauschule. Sein Abitur machte er 1938. Von 1939 bis 1945 leistete er seinen Wehrdienst.

In den letzten Kriegstagen stand der Panzerhauptmann Rudolf Winkler mit seiner Einheit auf einer Anhöhe bei Marktbreit. Seine Panzer hatten die ersten Berührungen mit der Panzerspitze der legendären siebten US-Armee. Die Amis griffen den deutschen Kampfverband mit Artillerie und Tieffliegern an, bis kein Panzer mehr einsatzfähig war. Rudolf Winkler entließ darauf seine Soldaten aus seiner Führung.

Im Krieg und danach

Auf dem Weg ins Lazarett in Iphofen wurde Winkler dann durch Tiefflieger verletzt. Der aus Marktbreit stammende langjährige Zeiler Stadtrat Edgar Fuchs hatte mit anderen Kindern auf den Wracks der Panzergruppe Winkler gespielt. Nach seiner Heimkehr widmete sich Winkler dem Wiederaufbau des elterlichen Betriebs zur Natursandsteingewinnung.

Am 1. Mai 1948 übernahm Rudolf Winkler die Amtsgeschäfte als Bürgermeister. Er war damals mit 29 Jahren das jüngste Stadtoberhaupt in Bayern. Wenige Jahre später absolvierte er ein dreijähriges Volkswirtschaftsstudium an der Hochschule in Bamberg. Danach legte er die Anstellungsprüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst ab.

Mit deutlichem Vorsprung

Nach vier ehrenamtlichen Jahren als Rathauschef kandidierte Winkler dann erstmals 1952 als berufsmäßiger Bürgermeister. Er setzte sich als Kandidat der Überparteilichen Zeiler Liste (ÜZL) bereits im ersten Wahlgang gegen Johann Dietlein und Georg Popp mit 71 Prozent der Stimmen durch. Sicher war noch das Wirken seines Vaters Oskar Winkler als Stadtoberhaupt von 1926 bis 1932 in guter Erinnerung, und das half bei der Wahl.

Bei den weiteren sechs Wahlen hatte das populäre Stadtoberhaupt dann keine Gegenkandidaten mehr. 1980 musste der "Allparteienbürgermeister" aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben.

Kein anderes Stadtoberhaupt kann in Zeil auf eine so lange Amtszeit zurückblicken. Sein Weitblick und seine kommunalpolitischen Erfolge waren und sind unbestritten und vielen Bürgern noch in guter Erinnerung. Zu Beginn seiner Amtszeit war Winkler "ohne Vorbilder und Rezepte an einem Nullpunkt gestanden" , lobte einmal der frühere Landrat Walter Keller. Das rührige Stadtoberhaupt bemühte sich zunächst mit seinem Stadtrat, die schlimmen Folgen des Krieges, insbesondere die Wohnungsnot, zu bewältigen und die zahlreichen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu integrieren. Er lud sie auch zu Stadtbegehungen ein, bei denen er die Sehenswürdigkeiten des Städtchens zeigte und erklärte.

Diese Aktion trug mit zur Eingliederung und Integration bei. Zahlreiche Neubürger arbeiteten mit Engagement in Vereinen und besonders bei der Feuerwehr mit.

Bürgermeister Winkler bemühte sich um den Aufbau einer guten Verwaltung. 1958 schaffte er den bislang üblichen Schalterverkehr ab. Seitdem erfolgte der Parteiverkehr unmittelbar mit den zuständigen Sachbearbeitern. Zeil gehörte 1959 mit zu den ersten Kommunen im Landkreis Haßfurt, welche die staubfreie Müllabfuhr einführten.

Würdigung

Bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger 1980 erinnerte sein Nachfolger als Bürgermeister, Erich Geßner (CSU), daran, dass dank des Engagements Winklers die Stadt Zeil einen beachtlichen Aufschwung genommen und gleichzeitig ihr historisches Gesicht bewahrt habe. Hervorstechende Ergebnisse seiner Amtszeit seien der Bau und Ausbau der Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen der Stadt und der Ortsstraßen. Die Anlage des Hainfriedhofs, die Erweiterung der Volksschule, der Bau eines Hallenbads mit einer Turnhalle und die Errichtung moderner Freisportanlagen seien weitere Projekte in der Amtszeit Winklers. In vorbildlich erschlossenen Neubaugebieten habe sich die Fläche der Stadt verdreifacht. Mit der Zuckerfabrik und dem Möbelwerk Milewski wurden, wie es hieß, Betriebe von überörtlicher Bedeutung angesiedelt. Daneben seien die Denkmalpflege und die kulturelle Entwicklung der Stadt ein Herzensanliegen des Bürgermeisters gewesen. Weiterer Meilenstein unter Rudolf Winkler: Errichtung des Altenheimes der Arbeiterwohlfahrt 1952.

Er selbst betätigte sich in seinen Mußestunden mit künstlerischen Arbeiten. Seine Linolschnitte mit Motiven aus der Stadt finden sich in der Zeiler Chronik und sind auch in vielen Häusern zu sehen. Damit sein Wirken für die Stadt nicht in Vergessenheit gerät, gab der Stadtrat im Jahr 1985 der neuen Stadthalle, in der sich auch die Bibliothek befindet, den Namen Rudolf-Winkler-Haus.