Als frisch gebackener Zimmerergeselle drei Jahre und einen Tag lang auf die Walz zu gehen, ist schon etwas Besonderes, vor allem, wenn man gerade erst 20 Jahre alt ist. Dominic Kohl aus Himmelkron begibt sich am 21. März auf dieses Abenteuer.

Voraussetzung für so ein Vorhaben ist zunächst eine bestandene Gesellenprüfung, außerdem muss der junge Handwerker ledig und kinderlos sein und darf das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Schließlich darf er weder vorbestraft sein, noch Schulden haben. Kriterien, die Dominic Kohl alle erfüllt. Im Moment schwankt sein Gemütszustand zwischen Ungewissheit und Vorfreude.

Wer auf die Walz geht, folgt einem jahrhundertealten Ritual, das früher sogar Pflicht war. Die ersten zwei, drei Wochen begleitet den jungen Himmelkroner noch ein Wandergeselle, der ihn in das Regelwerk einweist. Die "Tippelei" hat die Jahrhunderte überdauert, doch heute wirkt sie eher etwas aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, denn die Wanderschaft mit ihrem ganz eigenen Tempo passt wenig in die Gegenwart, die oft voller Hektik und Stress ist.

Aber gerade das ist der Reiz für Dominic Kohl, sich auf die Walz zu begeben und dabei nicht nur neue Regionen und Länder, sondern auch viele Menschen kennenzulernen, andere Arbeitstechniken zu sehen und in unterschiedlichen Betrieben mitzuhelfen oder Kollegen einfach nur über die Schulter zu schauen.

Zeit voller Entbehrungen

Das Abenteuer wird für den jungen Zimmerergesellen, der im August seine Ausbildung bei der früheren Zimmerei Horn - jetzt Holzbau B & B - in Lanzendorf abgeschlossen hat, garantiert sein, aber auch eine Zeit voller Entbehrungen. Einfach loszugehen und völlig frei zu sein, kann nicht jeder.

Der Beruf des Zimmerers hat Dominic Kohl schon während seiner Realschulzeit in Bayreuth interessiert: "Ich war schon immer handwerklich begabt, und der Realschulabschluss hilft mir sicherlich, irgendwann den Meister im Zimmererhandwerk zu machen." Den Gesellenbrief hat er mit einer Eins vor dem Komma geschafft. Der Werkstoff Holz in all seinen Arten und Facetten fasziniert ihn. Einfach zu bauen ist für ihn etwas Schönes, und natürlich waren auch die Richtfeste immer ein Highlight. Besonders die Dachstühle haben es dem jungen Mann angetan: "Man bindet einen Dachstuhl im Betrieb ab. Aber erst, wenn er aufgestellt ist, sieht man, was man geschaffen hat."

Heute reichen zwei Zimmerer aus, um einen Dachstuhl für ein Wohnhaus abzubinden, früher waren weitaus mehr Handwerker damit beschäftigt. Aber auch im Zimmererhandwerk hat längst der Computer Einzug gehalten, entsprechende Programme erleichtern die Arbeit entscheidend.

Die Entscheidung, nach den Gesellenjahren auf die Walz zu gehen, traf Dominic Kohl nicht zufällig: "Ich war ab und zu mit Wandergesellen aus meinem Schacht unterwegs, das hat mir gut gefallen. Deshalb will ich das auch machen." Auf die Frage, was er erwarte, stellt der Himmelkroner fest: "Das kann man schlecht sagen, aber ich denke, ich werde viele verschiedene Arbeitsweisen kennenlernen. Ich werde aber auch mal einige Wochen Zeit haben, nichts zu machen und Land und Leute kennenzulernen. Ich lasse alles auf mich zukommen, denn oft klappt ja sowie so nicht, was man sich vornimmt. Ich bin ja vollkommen ungebunden auf der Walz, wobei gewisse Regeln schon einzuhalten sind. Ich weiß, was mich erwartet, aber ich weiß auch, dass es kein Honigschlecken wird. Es wird schöne Tage geben, aber ich werde auch im Regen unterwegs sein."

Während der Wanderjahre muss Dominic Kohl einen Abstand von mindestens 50 Kilometern zu seinem Heimatort wahren. Um sicher zu sein, dass diese Bannmeile nicht überschritten wird, hat er auf seiner Wanderkarte einen Kreis um Himmelkron gezogen. Bei seiner Gesellenvereinigung, dem Schacht "Der rechtschaffenen Franken" in Nürnberg, hat sich er sich für die Walz abgemeldet.

In der Regel wird er dort, wo er anklopft, auch Quartier bekommen. "Es kommt immer darauf an, ob die Zimmerei Arbeit für mich hat oder auch eine Möglichkeit, mich unterzubringen." Los geht die Walz am Ortsschild von Himmelkron in der Nähe der Frankenfarm. Dort wird Dominic Kohl auch von seiner Zunft feierlich verabschiedet Der erste Autofahrer, der an der Zufahrt zur Autobahn anhält, bestimmt auch den Weg für ihn nach Norden oder Süden.

Bis Afrika und Neuseeland?

Über drei Jahre von zu Hause weg zu sein, ist nicht für jeden etwas. Wer sich aber einmal entschieden hat, der kann außergewöhnliche Erfahrungen sammeln. Walz heißt auch, rauszukommen aus der Komfort-Zone. Im ersten Jahr muss Dominic Kohl in Deutschland bleiben, im zweiten Jahr darf er europaweit unterwegs sein. Heimweh darf für ihn kein Thema sein. "Im dritten Jahr kann ich weltweit reisen. Reizen würden mich besonders Afrika oder Neuseeland. Mal schauen, was sich ergibt."

Eigentlich geht der Geselle ohne einen Cent in der Tasche auf die Walz, aber ein paar Euro will er schon einstecken. Drei Jahre sind eine lange Zeit, aber Dominic Kohl ist Realist genug: "Sie gehen schneller vorbei als man denkt!"