Dick eingemummelt stapfen Männer und Frauen durch den Tiefschnee. Nicht auf Skiern, sondern in Schneeschuhen, die nicht nur in den Alpen mehr und mehr in Mode kommen. Birgit Bole aus Rappetenreuth geht mit der Zeit und bietet schon seit mehreren Jahren am Walberngrüner Gletscher geführte Schneeschuhwanderungen an. Die guten Buchungszahlen zeigen: Der Trendsport ist längst auch in Oberfranken angekommen.

Zwei bis zweieinhalb Stunden Zeit sollte man einplanen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, klärt die Expertin die Teilnehmergruppe auf. Sie kennt die Gegend wie ihre Westentasche.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sind die Gruppen, die Birgit und Jürgen Bole führen, momentan sehr überschaubar. Jeder muss einen 2G-Status nachweisen. Dann können die Schneeschuhe ausgewählt werden.

Birgit Bole setzt für die Touren rund um den Walberngrüner Gletscher auf große Alu-Exemplare. Jeder, der keine eigenen hat, kann sich welche leihen. Lieber hochwertige Schneeschuhe, die nicht rutschen, als billige, die ständig festgezogen werden müssen, erklärt sie.

Judith Eberle ist schon sehr gespannt. Sie hat sich ihre dicke olivgrüne Mütze aufgesetzt. "Ich komme ursprünglich aus der Gegend, lebe jetzt aber nicht mehr hier, sondern komme nur noch einmal pro Monat. Aber ich wollte das Schneeschuhwandern unbedingt mal ausprobieren", erklärt die 52-Jährige.

"Man muss einfach nur losgehen"

Zufälligerweise sind alle in der Gruppe über 50. "Man muss einfach nur losgehen", erklärt Jürgen Bole. Nur einen Tipp hat der Experte: Niemals rückwärtslaufen. Denn sonst graben sich die Schneeschuhe ein und man stolpert.

Schon nach den ersten vorsichtigen Schritten stellt sich der Spaß ein. Birgit Bole geht voraus und führt die Gruppe durch weite, endlos scheinende Schneefelder. Waldwege, die mit normalem Schuhwerk im Winter nicht passierbar wären, sind ideal. Durch die große Auflagefläche versinkt man nicht.

"Am schönsten ist es natürlich, wenn es Pulverschnee gibt. Dann fühlt sich das Laufen so weich an", sagt Bole. Richtig anstrengend wird die Tour lediglich dann, wenn es bergauf geht. "Von oben hat man eine schöne Aussicht", spornen Birgit Bole und Jürgen Bole die Teilnehmer an. Niemand macht schlapp. Alle genießen die Bewegung in der klaren Luft.

Oben legt die Schneeschuhführerin ihren Rucksack ab. Überraschung: Birgit Bole hat eine kleine Brotzeit vorbereitet. Es gibt Kuchen, deftige Spezialitäten, heißen Tee aus der Thermoskanne und Punsch. So gestärkt steht den Männern und Frauen gleich die größte Herausforderung des Tages bevor. Mit den Schneeschuhen geht es einen Steilhang hinunter. Durch Gestrüpp, vorbei an Baumstümpfen. "Einfach normal weitergehen. Bloß nicht seitlich gehen. Die Zacken krallen sich fest, man rutscht nicht", macht Birgit Bole allen Mut. Und sie behält Recht. Nach den ersten zaghaften Versuchen stapft jeder mutig den Abhang hinunter. Ohne Probleme.

"Ich genieße es immer wieder", schwärmt Ute Weber aus Kulmbach. Die 61-Jährige ist Wiederholungstäterin. Sie hat schon zum dritten Mal an einer geführten Wanderung teilgenommen und sie wird es wieder tun. "Mit den Schneeschuhen kann man die Schönheit der Winterlandschaft genießen", sagt sie.

Natur mit anderen Augen sehen

"Man sieht die Natur mit anderen Augen, viel bewusster", findet Judith Eberle. Offen gibt sie zu, dass sie ihre Heimat bislang nicht als Winterparadies eingestuft hat. Jetzt schon.

"Wenn in Kulmbach kein bisschen Schnee liegt, kann man es sich manchmal nicht vorstellen, welch paradiesischen Bedingungen hier oben sind. Man müsste viel öfter herkommen", sagt Anja Weith. Auch Wolfgang Pausch ist begeistert. "Ich bin schon lange nicht mehr auf Schneeschuhen gestanden. Aber es ist so schön", sagt er. Der Reiz der Schneeschuhwanderung liegt in der Einfachheit der Bedienung: Mit den Schuhen muss man einfach nur ein bisschen breitbeiniger laufen, sonst sind keine Vorkenntnisse nötig. Dazu kommt Natur pur. Und je nach Kondition kann man schneller und weiter marschieren.