Was haben die Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die Schwimmerin Sandra Völkel und die Kanutin Birgit Fischer gemeinsam? Ja, alle drei sind ehemalige Spitzensportlerinnen und haben unzählige Medaillen gewonnen. Und alle drei leiden an Asthma.

Das hat sie allerdings nicht davon abgehalten, in ihren Sportarten Weltklasse-Leistungen zu erbringen. Doch ist Sport generell für Asthmatiker zu empfehlen? Dazu gibt es von Leo Priebe, Oberarzt an der Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Allergologie und Schlafmedizin des Bezirksklinikums Obermain nur eine Empfehlung: Unbedingt! Der Lungen-Experte gibt anlässlich des heutigen Welt-Asthma-Tags Tipps, ob und wie Asthmatiker sich sportlich betätigen sollten und worauf sie dabei zu achten haben.

Der Welt-Asthma-Tag an jedem ersten Dienstag im Mai soll mehr Aufmerksamkeit auf diese chronische Erkrankung lenken, an der laut WHO (World Health Organization) rund 235 Millionen Menschen weltweit leiden. Anderen Schätzungen zufolge gibt es sogar etwa 300 Millionen Menschen mit Asthma. Exakte Zahlen zur Häufigkeit der Erkrankung zu erheben ist schwierig. Dies hat mit der Art der Diagnosestellung, dem Krankheitsverlauf und der Krankheitsschwere zu tun. Aber was ist Asthma eigentlich genau? Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Beklemmung. Es handelt sich um eine chronische (das heißt lang andauernde) und anfallsartig auftretende, entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer erhöhten Empfindlichkeit der Bronchien gegenüber verschiedenen Reizen verbunden ist, die sogenannte bronchiale Hyperreagibilität.

Typische asthmatische Beschwerden sind pfeifende Atmung, Husten, Engegefühl in der Brust, Kurzatmigkeit und Luftnot. Oft treten sie nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Und dann auch noch Sport treiben? "Asthma-Patienten sollten unbedingt Sport treiben. Dadurch wird insbesondere die Atemmuskulatur trainiert. Geeignet sind vor allem Ausdauersportarten ohne übermäßige Leistungsspitzen, zum Beispiel Walking, Radfahren, Inline-Skating, Wandern, Tanzen oder Schwimmen", sagt Oberarzt Leo Priebe.

Von jetzt auf gleich einfach loslegen, davon rät der Mediziner ab: "Asthmatiker sollten vor Beginn der sportlichen Betätigung unbedingt einen Pneumologen konsultieren. Dieser wird aufgrund der Untersuchungsergebnisse, die die Anamnese, Klinik-Befunde, Lungenfunktions-Prüfung, Blutgasanalyse und eventuell Ergospirometrie (Erfassung von mehreren Lungenparametern unter Belastung, Anm. d. Red.) zeigen, mit dem Patienten festlegen, ob Sport möglich ist.

Grundsätzlich sollte ein Asthmatiker vor körperlicher Betätigung in einem stabilen klinischen Zustand sein. Das bedeutet, dass es keine vorherige Eskalation der Medikation gab, eine gute Asthmakontrolle besteht, die Kondition allgemein gut ist und eine weitgehend normale Lungenfunktion vorhanden ist." Asthmatiker sollten auf Sport verzichten, wenn sie Beschwerden verspüren, wie etwa Luftnot, Husten oder ein Ziehen im Thorax. Asthmatiker mit Allergien sollten den Pollenkalender im Blick haben und bei hoher Pollenexposition Sport in der Natur vermeiden. Bestimmte, vor allem nasskalte Wetterlagen können ebenfalls belastungsinduzierte Asthmaanfälle auslösen.

Grundlegend sollte sich jeder Asthmatiker vor dem Sport gut fühlen und frei von akuten anderweitigen Erkrankungen wie zum Beispiel einem Infekt, Blutdruck- oder Blutzuckerentgleisung sein. Die Belohnung für die regelmäßige Betätigung: Sport führt bei Asthmatikern zu objektiv und subjektiv messbaren Verbesserungen. Erwiesenermaßen nimmt die Belastbarkeit zu, die Luftnot ab und die Schlafqualität verbessert sich.

Asthma und Corona

Auch in Corona-Zeiten sollten Asthmatiker ihren Sport ausüben, rät der Mediziner: "Ein gut kontrollierter Asthmatiker gehört nicht unbedingt zur Hochrisikogruppe für schwere Covid-19-Krankheitsverläufe. Auf keinen Fall darf ein Asthmatiker aus Furcht vor einer Infektion die etablierte Kortison-Inhalation absetzen! Auch für Asthmatiker gelten die allgemeinen Empfehlungen des Infektionsschutzes. Eine Impfung gegen Influenza und Pneumokokken wird empfohlen", sagt Oberarzt Leo Priebe. red